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Foto: Anja von Bihl
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Perspektiven

Integrationsgeschichten

„Ankommen und Arbeiten: Migration und Ausbildung.“ Unter diesem Motto stand die 10. Wirtschaftskonferenz des Bezirksamts Eimsbüttel und der Handels- sowie der Handwerkskammer Hamburg am Donnerstag. Anliegen des Treffens war es, das Integrationspotenzial der Eimsbütteler Wirtschaft vorzustellen.

Von Anja von Bihl

19.000 Fachkräfte fehlen nach Angaben der Handelskammer derzeit in der Hansestadt. Die Wirtschaft braucht also die eingewanderten Menschen. An der Integration von Migranten arbeiten die Kammern sowie die Agentur für Arbeit nicht erst, seit jeden Tag hunderte Flüchtlinge in der Stadt ankommen. Wie diese Aufgabe gelöst werden kann, machten drei konkrete Beispiele auf der Konferenz im Bezirksamt Eimsbüttel deutlich.

Handel

Ruben Mkrtschian, Marion Wartumjan, Ali Erder (ASM), Ejdar Tatar, Zisan Lüle. Foto: Bezirsamt Eimsbüttel
Ruben Mkrtschian, Marion Wartumjan, Ali Erder (ASM), Ejdar Tatar, Zisan Lüle. Foto: Bezirsamt Eimsbüttel

Ejdar Tatar ist 1979 nach Deutschland eingereist und besitzt ein Lebensmittelgeschäft in der Schlüterstraße. Seit 17 Jahren bildet er durchgehend junge Leute aus, zumeist Hauptschulabsolventen. Deutsche, Kurden, Vietnamesen – „Die Hautfarbe macht keinen Unterschied“, sagt er, „Hauptsache, der Wille ist da, etwas zu erreichen“. Seine letzten beiden Auszubildenden haben mit den Noten 1 und 2 abgeschlossen, wollen nun ihr Abitur machen und studieren. Mitgebracht hat er seine derzeitige Auszubildende Zisan Lüle – und Ruben Mkrtschian.

Der junge Mann kam als staatenloser Armenier 1999 in Hamburg an. Zwölf Jahre lang lebte er mit Duldung hier, wurde bei Ejdar Tatar ausgebildet und studiert jetzt Jura. Die Unterstützung, die Ruben Mkrtschian erfahren hat, will er weitergeben und ehrenamtlich Rechtsrat erteilen.

Edjar Tatar ist einer der Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten (ASM). Der Verein berät seit 2007 Jugendliche über Aus- und Weiterbildung und bemüht sich, Unternehmer mit Migrationshintergrund als Ausbilder für das Duale System der Berufsausbildung zu gewinnen. ASM-Geschäftsführerin Marion Wartumjan plädiert dafür, den Deutschunterricht vermehrt direkt und berufsbezogen in den Betrieben selbst durchzuführen. Das gelinge dort oft besser als in der Unterrichtssituation in der Berufsschule.

Medizinisches Gewerbe

Foto: Anja von Bihl
Faisal Hamdo.Foto: Anja von Bihl

Faisal Hamdo ist vor einem Jahr und drei Monaten aus Aleppo geflohen. 2010 hatte er dort seine Ausbildung als Physiotherapeut abgeschlossen und während des syrischen Bürgerkriegs in verschiedenen Krankenhäusern der Stadt gearbeitet. Um in Hamburg in seinem Beruf arbeiten zu können, benötigte er eine offizielle Anerkennung seiner Ausbildung und musste Deutsch lernen – offenbar mit Erfolg: Er trägt seine Geschichte verständlich und ausdrucksstark vor.

Hamdos Weg: Eine Anstellung als Pflegeaushilfe in einem Altenheim in Eimsbüttel, daneben absolviert er einen Sprachkurs. Es folgt ein Praktikum in einer physiotherapeutischen Praxis – die würde ihn gern übernehmen, wenn sein Diplom anerkannt wird. Seit Juli 2015 nimmt er Teil an einem Anerkennungsprojekt im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), wo er praktisch in der Behandlung von Patienten arbeitet und gleichzeitig intensiven Unterricht erhält. Abschluss voraussichtlich im Januar 2016.

Dieses Projekt erläutert Walter Teichmann von der Universitären Bildungsakademie des UKE in der Kollaustraße: Die Akademie qualifiziere nicht nur eigene Kräfte weiter, sondern im öffentlichen Auftrag auch Mitarbeiter anderer Krankenhäuser. Dies wolle man auch auf Flüchtlinge übertragen, um sie ins Regelsystem einzugliedern. Das heißt, die Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung festzustellen, damit sie in Deutschland wieder in ihrem Beruf arbeiten können. Dabei geht es um gewerbliche Tätigkeiten im medizinischen Sektor wie etwa Service und Transport. Ein ganz wesentlicher Faktor sei die Sprache – während der Arbeit im Projekt lernen sie die Fachsprache; allgemeine Deutschkenntnisse erwerben sie parallel dazu in Kursen außerhalb der Akademie.

Das UKE habe selbst keinen Mangel an Fachkräften, sagt Teichmann, das könne sich aber ändern. Derzeit könnten die Projektteilnehmer beispielsweise bei der Versorgung älterer Menschen Arbeit finden.

Handwerk

Angela Struckmann. Foto: Bezirksamt Eimsbüttel
Angela Struckmann. Foto: Bezirksamt Eimsbüttel

Ohne ihren Gesellen Saikou Ceesay ist Angela Struckmann von der Glaserei Struckmann zur Konferenz gekommen. Der junge Mann aus Gambia ist verhindert: Er hat sich beim Sport verletzt. Auf dem Fußballplatz hat sie ihn auch vor einigen Jahren kennen gelernt, er war damals 18 Jahre alt und ein Freund ihres Sohnes. „Er ist zum falschen Zeitpunkt dem falschen Mitarbeiter begegnet“, erzählt sie. Denn als er seinen Asylantrag stellte, habe er auf eine Frage nicht die richtige Antwort gegeben; daraufhin sei sofort Abschiebehaft angeordnet worden. Dennoch gelang es der Glaserei Struckmann, den jungen Mann in ein Ausbildungsverhältnis zu übernehmen und er wurde für diese Zeit geduldet.

Die Ausbildung sei von der Innung unterstützt worden, sagt Angela Struckmann. Sie habe bei der Nachbereitung des Berufsschulunterrichts geholfen. Halt gaben auch der Sportverein und die Kunden der Glaserei – zwei davon hat sie allerdings verloren. Mit dem Argument: „Wir möchten keinen Schwarzen in unserer Wohnung.“ Seit 2014 hat Saikou ausgelernt und arbeitet jetzt für einige Zeit in einem größeren Betrieb. Angela Struckmann aber hofft, dass er zurückkommt, „um mit uns alt zu werden“. Er selbst jedoch sei sich noch ganz nicht schlüssig – ob er vielleicht in sein Heimatland zurück geht, falls sich die Situation dort bessert.

Hjalmar Stemmann ist Vizepräsident der Handwerkskammer Hamburg und Eimsbütteler Bezirkshandwerksmeister. Er erläutert, dass im Handwerk schon seit langem viele Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten. In der Hansestadt seien etwa ein Drittel der Handwerker selbst Ausländer oder hätten ausländische Eltern. Gerade habe die Kammer im Rahmen einer Aktion dreißig junge Flüchtlinge in Ausbildungsbetriebe – Gebäudereinigung, Tischlerei, Fleischerei – vermittelt. „Wir können uns gut vorstellen, das auch auf andere Handwerke auszuweiten.“

Perspektiven

„Jeder junge Mensch wird gebraucht“, sagt Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Hamburg. Wer Asyl erhalten hat, habe Anspruch auf einen Ausbildungsplatz, so Sönke Fock weiter. Viele müssten aber erst so weit vorbereitet werden, dass sie die Chance haben, eine Ausbildung auch erfolgreich abzuschließen. Er verweist auf Programme wie die Initiative Bildungsketten für Schulabgänger und WeGebAU für Menschen bis etwa 35 Jahre, die bereits ungelernt in Betrieben tätig sind.

Finanzstaatsrat Jens Lattmann spricht von einer vielfältigen Mittelstandsstruktur in Eimsbüttel, vom pulsierenden Wirtschaftsstandort, nennt die berufliche Bildung den Schlüssel zur wirtschaftlichen Teilhabe. Doch die Chancen der Flüchtlinge, Deutsch zu lernen und damit für eine Berufsausbildung fit zu werden, beginnen laut Lattmann bereits viel früher. Sobald sie von der Erstaufnahme in eine Folgeeinrichtung kommen, gebe es für Kinder Gutscheine für einen Kita-Platz und in Hamburgs Schulen stünden derzeit 140 Eingangsklassen bereit, in denen die Sprache erlernt werden kann. Selbst in den Zentralen Erstaufnahmen gebe es eine Halbtagsbeschulung.

Einer fehlte bei der Konferenz im Bezirksamt: Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz wollte ein Grußwort an die Teilnehmer richten. Doch er befasste sich auf andere Weise mit dem Thema Flüchtlinge: Scholz war von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Berlin gebeten worden, um an der Lösung im Streit um die Aufnahmezentren mitzuwirken.

Lerne in Eimsbüttel lebende Flüchtlinge in unserer audiovisuellen Reportage „Triff deine neuen Nachbarn“ kennen.

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