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Lindley in der Bundesstraße 58.Foto: Annika Demgen
An der Berufsschule William Lindley am Schlump können Flüchtlinge eine Ausbildungsvorbereitung beginnen. Foto: Annika Demgen
Schule für Flüchtlinge

ZEA, IVK und MvA

Minderjährige Flüchtlinge müssen laut Schulgesetz eine Schule besuchen. Die Bereitstellung von Unterricht aber ist kompliziert und erfordert die Abkehr vom üblichen Prozedere. In Eimsbüttel stößt das System an seine Grenzen.

Von Robin Jaede

Das Hamburger Schulgesetz sieht vor, dass alle Kinder und Jugendliche mit Wohnsitz oder Wohnaufenthalt in Hamburg die Schule besuchen. Der rechtliche Status spielt dabei keine Rolle. Rund 7.200 geflüchtete Kinder und Jugendliche müssen in Hamburg Stand April 2016 „beschult“ werden.

Startpunkt ZEA

In den Zentralen Erstaufnahmen (ZEA) in Hamburg kommen so gut wie alle Flüchtlinge unter, die der Stadt zugewiesen sind. Auch der Schulunterricht beginnt hier. In Lerngruppen in den ZEAs unterrichten Lehrkräfte alle schulpflichtigen Kinder in der Einrichtung. Diese sind in der Regel eigens angeworbene Lehrer mit Kentnissen in Deutsch als Fremdsprache. Aber auch Ehrenamtliche helfen mit. Die Stellenausschreibung nimmt die sogenannte „Stammschule“ vor, eine in der Nähe liegende staatliche Schule. Lehrer bewerten ihre Schüler auf Basis eines sogenannten „ZEA-Bogens„. Hier wird der Bildungsstand der jeweiligen Schüler festgehalten und so deren weitere Schulbildung bestimmt. Zieht der Schüler in eine Folgeunterkunft um, wird anhand dieses Dokuments entschieden, in welche Klasse der Schüler wechseln kann.

Soweit die Theorie. In der Praxis gestaltet sich der Unterricht in den ZEAs schwierig. Täglich kommen neue Schüler hinzu, andere verlassen die Unterkunft. Der Verein Herzliches Lokstedt, der sich in der Flüchtlingshilfe in Eimsbüttel engagiert, kritisiert, dass Unterricht in den Unterbringungen nur lückenhaft stattfindet. Dies bestätigt uns ein 17-Jähriger Flüchtling aus Albanien, der ähnliche Erfahrungen in der ZEA Harburger Poststraße gemacht hat. Dort sei im Deutschunterricht nahezu täglich der gleiche Stoff unterrichtet worden.

Duale Ausbildung für den Arbeitsmarkt

Kinder, die im Alter der Grundschulklassen eins und zwei sind, werden in reguläre Klassen eingeschult, erhalten aber Sprachförderung. Ältere Kinder und Jugendliche, die noch nie zur Schule gegangen sind, kommen in sogenannte Basisklassen, in denen Deutsch und Grundwissen über das Leben in Deutschland vermittelt werden. In der Regel können die Schüler dieser Klassen nach einem Jahr in eine Internationale Vorbereitungsklasse, kurz IVK, wechseln. In der IVK wird weiterführender Vorbereitungsunterricht durchgeführt. Wer die lateinische Schrift lesen kann und bereits in seinem Heimatland eine Schule besucht hat, wird direkt in eine IVK eingeschult. Dort werden die Schüler auf die Umschulung in eine Regelklasse ihres jeweiligen Alters vorbereitet. Rund 84 Prozent der Schüler starteten im vergangenen Jahr der Behörde für Schule und Berufsbildung zufolge direkt in einer IVK.

Jugendliche Migranten, die älter als 16 Jahre sind, können zudem am Programm „Ausbildungsvorbereitung für Migranten Dual“ (AvM Dual) teilnehmen. Das Programm hat die Testphase 2015 erfolgreich bestanden und wird jetzt ausgeweitet. Es steht sowohl Flüchtlingen als auch allen anderen immigrierten Jugendlichen offen. Die bisher bestehenden Halbtagsangebote in der Ausbildungsvorbereitung für junge Migranten werden zu Ganztagsangeboten umgewandelt. Dabei absolvieren Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren in Berufsschulklassen neben dem regulären Unterricht an zwei Tagen der Woche ein Betriebspraktikum, um einen Einblick in die Arbeitswelt zu erhalten. Am Ende des Programms soll ein erster oder mittlerer Schulabschluss stehen.

Logistische Herausforderung für die Schulen

Die Schulen begleiten dabei sowohl die Jugendlichen als auch die Betriebe. Für beide Parteien sei die Situation noch ungewohnt, sagt Rainer Schulz vom Hamburger Institut für berufliche Bildung (HIBB). Daher versuchen die Schulen, durch intensive Betreuung zu unterstützen und zu vermitteln, falls es zwischen den Jugendlichen und dem Betrieb Missverständnisse gibt. Bei einer Pressekonferenz in der Staatlichen Gewerbeschule Stahl- und Maschinenbau in der Angerstraße stellte Schulz gemeinsam mit Schulsenator Ties Rabe und Sprechern ausgewählter Betriebe das Programm vor. Auch Schüler einer AvM-Klasse teilten ihre Erfahrungen.

Alle Schulen mit Kapazitäten richten Basisklassen und IVKs ein. Zurzeit entstehen, Schulz zufolge, hamburgweit etwa zehn Klassen pro Monat. Im November letzten Jahres waren es sogar 30. Abgesehen von den notwendigen Räumlichkeiten sind Lehrkräfte nötig, die speziell geschult sind. Wegen der dringlichen Situation passiere die Fortbildung aber nicht immer vor der Übernahme einer Klasse, sondern oft unterrichtsbegleitend. Referendare würden schon jetzt speziell für die Betreuung von Flüchtlingen geschult, sagt Schulz. Mehr Lehrer würden angeworben und auf die Aufgabe vorbereitet. Zu Beginn des Jahres wurden 470 zusätzliche Stellen geschaffen und weitere 175 ausgeschrieben.

Auch das nicht-pädagogische Personal steht vor neuen Aufgaben. Statt zweimal im Jahr würden nun ständig neue Kinder und Jugendliche eingeschult. Die Verwaltung müsse wöchentlich neue Klassen zusammenstellen.

Wenig Angebot in Eimsbüttel

In Sachen Schule für Flüchtlinge bleibt Eimsbüttel hinter den übrigen Bezirken zurück. Nur 13 Flüchtlingsklassen gibt es Stand Mai 2016 im gesamten Bezirk. In jedem anderen Bezirk sind es mehr, in manchen sogar doppelt so viele. Der Grund dafür ist Raummangel, sagt Peter Albrecht, Pressesprecher der Behörde für Schule und Berfusbildung. In Eimsbüttel seien die Schulen ohnehin schon sehr voll, sodass es so gut wie keine Möglichkeiten gäbe, Flüchtlingsklassen zu schaffen.

Das Prinzip „Kurze Beine – kurze Wege“ werde dennoch grundsätzlich eingehalten, heißt es von Fördern & Wohnen (F&W). Die allermeisten Grundschulkinder hätten einen kurzen Schulweg und könnten die Schule notfalls mit dem Fahrrad in unter zehn Minuten erreichen. Die Anstalt des öffentlichen Rechts betreut die meisten öffentlichen Unterbringungen für Flüchtlinge in Hamburg und Eimsbüttel. Längere Wege hätten nur ältere Schüler.

Lange Beine – lange Wege

Diese Aussage bestätigt Maren Gottsmann von der Flüchtlingshilfsinitiative Wir für Niendorf. Die Kinder aus der Wohnunterkunft in der Paul-Sorge-Straße würden gut zurechtkommen. Einige Kinder müssten für den Schulweg den Bus nehmen, hätten aber keine Probleme damit. Gerade in Übergangsunterkünften kann es aber vorkommen, dass Familien nach der Einschulung in andere Gegenden ziehen. In einem solchen Fall sei es besser, den Kindern einen Schulwechsel zu ersparen, auch wenn das einen längeren Schulweg bedeutet, so Gottsmann.

Bei Herzliches Lokstedt ist man weniger zufrieden. In der Unterkunft Lokstedter Höhe sei es vorgekommen, dass Grundschulkinder bis nach Othmarschen fahren mussten, um in eine IVK zu kommen. Der Schulweg war dabei fast eine Stunde lang. Die Wege ändern sich jedoch gerade für die Schüler. Allerdings nicht, weil mehr Platz in einer Schule in der Nähe ist, sondern weil die Unterkunft an der Lokstedter Höhe bis Ende August aufgelöst wird. Die Bewohner werden auf andere Standorte verteilt.

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