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Georg Müller baut seit ende der 1960er Jahren Gitarren und verkauft sie in seinem Laden „George Music-Shop“ an der Gärtnerstraße 105. Foto: Rainer Wiemers
Georg Müller baut seit ende der 1960er Jahren Gitarren und verkauft sie in seinem Laden „George Music-Shop“ an der Gärtnerstraße 105. Foto: Rainer Wiemers
Gärtner Road

Gitarren, Geschichten, George

Georg Müller baut seit Ende der 1960er-Jahre Gitarren mit Expertise, Leidenschaft, Gelassenheit und vielleicht auch Geschäftssinn. Meistens ohne Schuhe.

Von Christian Litz

George, wie fast immer nur in Socken in seinem Gitarrenshop, sitzt zwischen Gitarren, Ukulelen und Packungen voller Saiten auf einem Stuhl. Er hat ein Pflaster am großen Finger seiner linken Hand und sagt: „Heute ist schon Mittwoch? War gestern nicht Donnerstag?” Über ihm, auf einem Regal, sitzen drei Stoffpuppen: John, Paul, Ringo. George fehlt! „Das ist Zufall, ich hab die von ner Freundin geschenkt bekommen, die hat sie auf dem Flohmarkt gefunden.” Das kann doch kein Zufall sein, George, das war eine Botschaft! Die Freundin hat George weggelassen, den Leadgitarristen der Beatles. „Nein, so ist die nicht drauf.”

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Es geht nicht um den Schein, es geht um Gitarren

George, der eigentlich Georg Müller heißt, aus Barmbek stammt und 1948 geboren wurde, baut Gitarren seit Ende der 60er-Jahre. Er macht das mit viel Überzeugung, technischer Finesse und einem Haufen Prinzipien. „Es gab Bands damals, die wollten nicht in die Hitparade, die wollten einfach Musik machen, die sie gut fanden.” Er arbeitet in einem Raum, der eng und voll ist, Messie-Atmo ausstrahlt. Es geht George nicht um den Schein, es geht ihm um Gitarren.

Er sagt, er wolle über die Gegenwart und die Zukunft reden, aber er landet oft in den guten Zeiten: „Musik war damals noch frisch.” Sein Laden in der Gärtnerstraße wurde in der Folge der wilden 60er-Jahre ein Geheimtipp für Gitarristen. Und für Geschichten-Sammler.

Rauschgifdezernat und Drogenfahndung

„Früher hatte ich nur den Raum dort drüben. Nebenan war der erste deutsche Headshop: Spiegel, Röhrchen, Waagen, Drogenzubehör.” Das war um 1975. „Das RD hat wegen denen”, George deutet auf einen Klinkerbau auf der anderen Seite der Gärtnerstraße, „drüben ‘ne Wohnung gemietet, dritter Stock, und ein Richtmikro auf den Headshop gerichtet.” Richtmikrofon? RD? „Rauschgiftdezernat, Drogenfahndung. Die wollten hören, ob auch Drogen gehandelt wurden und nicht nur Zubehör.” Natürlich habe er damals ziemlich gekifft. Aber mehr auch nicht. Einmal kam das RD hoch zu ihm in die Wohnung, zwei Stock über dem Gitarrenshop: sechs Mann, eine Maschinenpistole, ein Schnüffelhund. „Das arme Tier fand nichts. Ich hatte damals die Haare rot gefärbt, die Fahnder baten mich, dem Hund mein Henna hinzuhalten, damit das Tier ein Erfolgserlebnis hat. Hatte es aber nicht.”

„Kleinvieh macht auch Mist”

Was George gelernt hat, ist: „Kleinvieh macht auch Mist”. Auch Ukulelen. „In der letzten Zeit kommen übertrieben viele Menschen, die Ukulele spielen, zwei, drei die Woche.” Er deutet auf eine rote, die in einem Gestell am Boden steht. „Die hat eine junge Frau auf dem Dachboden gefunden. Ich hab sie für etwa 70 Euro wieder in Schuss gebracht. Ich werde 25 Euro von ihr nehmen.” Kann man so Geld verdienen? George wirkt manchmal geschäftstüchtig, manchmal wie einer, der macht, was er will und nur das.

Im „Geogre Music-Shop“ findet man Gitarren in allerlei Größen, Farben, Preisklassen und Klängen. Foto: Rainer Wiemers
Im „Geogre Music-Shop“ findet man Gitarren in allerlei Größen, Farben, Preisklassen und Klängen. Foto: Rainer Wiemers

Er ist Purist. Seine Lieblingsgitarre? „Alle!” Wobei klar ist, Fender gefallen ihm besser als andere. Er deutet auf eine rote, die an der Wand hängt. Das sei Jana, die letzte, die er selbst gebaut hat. Vor etwa drei Jahren.
Seitdem wartet sie auf wen, der sich ihrer würdig erweisen könnte. George ist wählerisch, wer seine Gitarren spielen darf. Wobei, wenn er sowas sagt, lässt er meist Geschichten folgen, die ihn als Geschäftsmann zeigen. Ihm gehört der Laden, ihm gehört der Laden nebenan, ihm gehörte die 109 … George hat sein Leben so gelebt wie er es leben wollte, freakig, mit Leidenschaft. Und Erfolg.

Die schwarze „Breschnew”

150 Gitarren hat er selber gebaut. Fast alle bekamen einen Namen: Die Breschnew beispielsweise entstand in der Zeit, als Leonid Breschnew Generalsekretär der sowjetischen KPDSU war oder starb oder … egal. „Schwarz, aus einem Holzstück”. Andere hießen Wurzel oder What a Guitar und die nächste dann Water Guitar. Mehrere Blacky. Aber: „Jede Gitarre ist anders, zwar nur Holz, aber jede schwingt anders.”

Georges Familie ist aus Hamburg, landete nach dem Krieg oder im Krieg im Süden. Als George sechs Jahre alt war, zog die Familie wieder nach Hamburg, „wo ich erstmal nicht dazu gehörte”. Aber heute betrachte er sich als Hamburger, wuchs in Barmbek auf.

Die erste selbstgebaute Gitarre

Er wollte Musik machen, gegen den Widerstand des Vaters. Der hatte einen Arm und ein Bein in Stalingrad verloren, und als Georges Bruder sagte, er wolle ein Instrument lernen, klatschte der Vater mit einer Hand auf einen Schenkel, eins, zwei, drei, vier und sagte, der Junge solle nachklatschen. Danach: „Du bist unmusikalisch.” Weil der ältere Bruder unmusikalisch war, musste der kleine Bruder, Georg, nicht mal mehr klatschen. Wenn der Große unmusikalisch ist, ist es auch der Kleine.

Das war Anfang der 60er und Georg machte sich auf, eine Gitarre zu organisieren. Er ging zu Musik Zinngrebe in Barmbek und malte die Fender ab, die dort an der Wand hing. Er sägte sie aus Sperrholz nach, legte Bünde aus Dachlatten auf den Hals. „Ich baute mir selbst eine E-Gitarre.” Der Tonabnehmer aber war ein Problem. Es löste sich, weil der ältere Bruder in einer Firma arbeitete, die Singer-Nähmaschinen aus Japan holte. Die Nähmaschinen-Behälter hatten Platz, den der Importeur mit billigen Transistorradios füllte. Sein Bruder brachte ihm eines mit. Georg baute ab jetzt seine Tonabnehmer aus Transistoren selbst. Die Gitarre war einsaitig. „Jugend forscht. Learning by Misserfolg.”

Nur ein Stück Holz, aber es schwingt

Irgendwann hatte er eine gute Gitarre, konnte auch gut spielen. Aber das Rhythmusgefühl fehlte ihm ein bisschen, um ein richtig guter Gitarrist zu werden. Blackmore findet er gut, Gallagher, Townsend eher nicht so. „Die Familie saß früher vor dem Radio, so wie man später vor dem Fernseher saß. Mein Vater mochte Louis Armstrong, Glenn Miller, Count Basie.” Schon gute Musik. Aber so bekomme man kein richtiges Gefühl für den Takt, sagt George, vor dem Radio, mit den Eltern. Die zogen irgendwann aufs Land und er blieb. Da hatte er schon einen Ruf in der Szene, weil er Fender-Gitarren aus Amerika bestellte und ihnen den Feinschliff verpasste. Er eröffnete den Laden in der Gärtnerstraße 109, dort, wo heute der Weinladen Mosel-Wein ist.

Georg Müller, der von allen nur „George“ genannt wird hat einen Tipp: Wenn man ein Gitarre kauft, soll man besonders daraf achten, dass der Hals gut in die Hand passt. Foto: Rainer Wiemers
Georg Müller, der von allen nur „George“ genannt wird hat einen Tipp: Wenn man ein Gitarre kauft, soll man besonders daraf achten, dass der Hals gut in die Hand passt. Foto: Rainer Wiemers

Eine Zeitlang hatte er Maschinenbau studiert, 1967 bis 1970 oder so, dem Vater zuliebe. In der Zeit arbeitete er bei Musik City, „wo früher die Astra-Bowling-Bahn am Millerntor war”. Er mochte den Job nicht: Der Chef habe immer gedrängt, einfach zu verkaufen. Nicht so viel Zeit für Beratung zu verschwenden. Nur teure Gitarren loszuschlagen. George ist überzeugt, auch billige Gitarren können gut sein und teure schlecht. „Es ist ja nur ein Stück Holz, aber die Schwingungen, jede Gitarre, selbst die aus derselben Serie, klingt anders.”

Das ist Georges Botschaft, mehrmals wiederholt, auf einem Stuhl inmitten von Gitarren, mit Socken an den Füßen. Vielleicht gehört noch dazu: Gitarren-Käufer sollten den Gitarrenhals beachten. Ob er wirklich gut in die Hand passt. Und: Eine Gitarre halte ewig, man solle nicht soviel nachkaufen. Er kommt ins Grübeln: „Wo sind nur all die Gitarren hin?”

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