„Historicus“ in den Kammerspielen – Von der Hammaburg bis zur Elbphilharmonie
Die Spezialeffekte verzauberten die jungen Zuschauer. Foto: Bo Lahola
Premiere

„Historicus“ in den Kammerspielen – Von der Hammaburg bis zur Elbphilharmonie

Am 24. September hatte „Historicus“ in den Kammerspielen Premiere. Die jungen Darsteller nehmen das Publikum mit auf eine rasante Zeitreise quer durch die Hamburger Geschichte. Vor allem ist das Stück eine musikalisch untermalte Wissensvermittlung für Kinder ab acht Jahren und die ganze Familie.

Filip hat es schon immer gewusst: Wir sind nicht allein im Universum. Seine Vermutung bestätigt sich, als ihm und seiner Schwester Lili ein seltsamer Bursche vor die Füße purzelt. Es ist Historicus – ein Wesen außerhalb von Raum und Zeit. Es stellt sich heraus, dass nicht nur die Kinder einen Test zur Hamburger Geschichte ablegen müssen – auch Außerirdische müssen Prüfungen absolvieren.

Historicus steht kurz vor seiner Abschlussprüfung zum Frei-Forscher. Während die Kinder ihr Wissen aus Büchern beziehen, düst er mit dem „Timechanger“ – einer Zeitmaschine – durch Zeit und Raum. Gemeinsam machen sich die drei auf den Weg quer durch knapp 1200 Jahre hanseatische Geschichte.

Historicus stolpert in das Hamburg der Gegenwart. Foto: Bo Lahola

“Beobachten – nicht eingreifen”

Ihre erste Station führt sie in das Jahr 845 zur Hammaburg und direkt in einen Wikingerangriff. Die Devise des Historicus „Beobachten – nicht eingreifen“ stellt die Kinder angesichts einer bärtigen, bewaffneten Horde bereits jetzt vor einige Schwierigkeiten. Schnell fliehen sie mithilfe des „Timechangers“ zur nächsten Station ins Jahr 1189. Hamburg ist zur Freistadt erklärt worden und die Geburtsstunde des Hamburger Hafens zeichnet sich ab.

Die Zollrechte sind aufgehoben und ein freier Warenverkehr kann stattfinden. Frech wird auf noch heute bekannte Rivalitäten angespielt: Sichtlich mit Freude schmettern die Darsteller „Alle Bremer stinken, alle Bremer stinken, weil sie aus der Weser trinken.“ Weiter geht es in das finstere Mittelalter. Die Errungenschaften der Römerzeit und das medizinische Wissen sind vergessen. Die Pest rafft die Hälfte der Hamburger Bevölkerung hinweg und hilflos müssen die Kinder dem Sterben zuschauen.

Mit vollem Körper- und Stimmeinsatz. Foto: Bo Lahola

Viele weitere Abenteuer erwarten sie dann noch: Sie reisen in die Zeit des wachsenden Reichtums Hamburgs und besuchen die „Pfeffersäcke“, kämpfen an der Seite Störtebekers und reisen zu den Grönlandfahrern auf Waljagd ins Jahr 1643. Kurz übergehen sie hier die Devise des Nichteingreifens und retten die Wale vor ihren Verfolgern.

Sie sprechen bei Lessing vor, zitiren dem begeisterten Poeten aus Schillers Räubern – auch wenn dieser zu dem Zeitpunkt erst sieben Jahre alt ist, sehen den großen Brand von 1842 und lassen sich von der Zitronenjette ein Liedchen trällern: „Jo, jo, jo, Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun, ruck zuck övern Zaun. Ein jeder aber kann dat nich, denn he mutt ut Hamborg sien.“

Zurück in die Zukunft

Nach kurzem Halt bei beiden Weltkriegen, dem Hochwasser von 1962 und der Jahrtausendwende, laden sie schließlich wieder im weihnachtlichen Hamburg der Gegenwart vor der Elbphilharmonie – noch immer wissbegierig, aber durch einige Erkenntnisse reicher.

Kapitän Störtebeker setzt sich zur Wehr. Foto: Bo Lahola

Hochengagiert und mit tollen gesanglichen Fähigkeiten führen die Darsteller durch das rasante Stück, das aus dem gleichnamigen Kinderbuch von Irene Haarmeyer adaptiert wurde. Zusammen mit Frank Oberpichler hat ihr Ehemann Jan Haarmeyer dazu die Musik geschrieben. Entstanden ist ein tolles Familienmusical, das geballtes Wissen über die Hamburger Geschichte witzig und kurzweilig vermittelt.

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