Kammerspiele: Wiedereröffnung des Logensaals
Berührende Lesung von Texten Wolfgang Borcherts zu Wiedereröffnung. Foto: Anja von Bihl
Theater

Kammerspiele: Wiedereröffnung des Logensaals

Zum 70. Mal jäherte sich am 21. November der Tag der Uraufführung von Wolfgang Borcherts “Draußen vor der Tür”. Die Kammerspiele nahmen dies zum Anlass, die Wiedereröffnung des Logensaals mit einer musikalisch untermalten Lesung von Texten Borcherts zu feiern.

Feierlich führt Intendant Axel Schneider in den Abend ein. In dieser und der nächsten Spielzeit kann durch die Unterstützung des Eigentümers Jürgen Hunke nach längerer Pause eine erneute Bespielung gewährleistet werden. Mitnichten solle dabei das wiederholt werden, was schon im großen Saal geboten werde, sondern der Logensaal solle mit einem neuen, bunten Programm in die Stadt hinein wirken, so Schneider.

Worte der Qual

In Kooperation mit dem Altonaer Theater entwickelten die Schauspieler zu Wiedereröffnung eine szenische Lesung mit Texten, Gedichten und Kurzgeschichten Wolfgang Borcherts. 70 Jahre zuvor hatte sein Stück “Draußen vor der Tür” unter der Prinzipalin Ida Ehre in den Kammerspielen seine Uraufführung gefeiert – tragischer Weise starb der Autor im Alter von nur 26 Jahren genau einen Tag vor der Premiere.

Die ganze Tragik seines kurzen Lebens spiegelt sich in Borcherts Texten. In beinah allen Werken kann das Trauma des Krieges und die Verzweiflung einer verlorenen Generation junger Menschen nachgefühlt werden. Immer wieder die Frage nach dem Warum, Worte der Qual und der Not und dem Zweifeln an einem gerechten Gott: “Wann warst du eigentlich lieb, lieber Gott?”

Großartige Interpretation

Keinen Gefallen taten sich die Organisatoren jedoch mit der Auswahl der Band “boehmer”, die die Lesung musikalisch begleitete. Zu abrupt wirkten die Brüche zwischen den tieftraurigen Texten Borcherts und der Unterhaltungsmusik, die dem Weltschmerz des viel zu früh Verstorbenen Texte über Betrunkenheit und Alltagssorgen entgegensetzten. Trotzdem konnte dies die dichte Atmosphäre der vorgetragenen Texte nicht mindern – großartig gelesen von Hannelore Droege, Elena Meißner, Anne Schieber und Jacques Ullrich.

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