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Noch liegt das Rettungsboot Greif 10 beim Ruderclub Germania vor Ort. Foto: DLRG
Noch liegt das Rettungsboot Greif 10 beim Ruderclub Germania vor Ort. Foto: DLRG
Alster

Lebensretter ohne Unterschlupf

Seit mehr als 20 Jahren hilft die DLRG als Teil der ARGE Wasserrettung Menschen in Seenot auf der Außenalster. Selbst sind die Rettungsschwimmer jedoch ohne Schutz. Sie haben keinen Stützpunkt. Ihre Motorboote liegen lediglich zur Untermiete vor Ort. Im November wird sich die Unterbringungslage weiter zuspitzen.

Von Annika Demgen

An sonnigen Wochenenden ist die Außenalster ein Meer aus Farben. Auf dem Wasser kreuzen Schiffe mit großen weißen Segeln, bunte Ruderboote schießen über den See und die Alsterdampfer mit ihren roten Dächern schippern ihre Routen entlang. Mittendrin in diesem Tumult sind die Sonntagstretboot und –kanufahrer, die mal mehr mal weniger geschickt versuchen, sich in der Wasser-Rush-Hour zurecht zu finden.

Ein Auge auf dieses farbenfrohe Chaos hat Bernhard Hänel von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). In der Saison von Mai bis September sorgen die Ehrenamtlichen des Vereins am Wochenende für Sicherheit auf der Außenalster. Mit zwei Motorbooten sind sie bei Wind und Wetter unterwegs, helfen Gekenterten wieder ins Boot. Doch jede Woche wird es schwieriger für den Vorsitzenden der Rettungsschwimmer, seine Truppe für den Wasserrettungsdienst zu begeistern.

DLRG wohnt zur Untermiete

„Wir haben keinen festen Sitz an der Alster. Also auch kein Klo, keinen Platz um unsere nassen Klamotten aufzuhängen und keinen Ort, um uns aufzuwärmen“, sagt Hänele gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten. „Wir sitzen den ganzen Tag im Boot und fahren rum, weil wir keinen Platz haben, von dem wir aus agieren dürfen.“ Derzeit liegen die zwei Boote des Vereins – Greif 10 und Michaela – bei zwei ortsansässigen Wassersportclubs. Der Hamburger Segel-Club und der Germania Ruderclub gewähren dem DLRG Asyl. Im November wird sich die Unterbringungslage für die Ehrenamtlichen jedoch weiter zuspitzen, denn Germania baut um. Für ein Motorboot ist dann erst einmal bis voraussichtlich 2016 kein Platz mehr. Eine Alternative für die kommende Saison gibt es noch nicht.

Die Forderung der DLRG, einen eigenen Hauptsitz an der Alster zu bekommen, ist nicht neu. Nachdem ein 13-Jähriger im letzten Jahr tödlich verunglückte, wurde viel über die Sicherheitslage und in diesem Zusammenhang auch über einen festen Standort der Rettungsschwimmer an der Alster debattiert. Ein Jahr später hat sich jedoch kaum etwas getan. Die Behörde für Schule und Berufsbildung hat eine allgemeine Schwimmwestenpflicht für den Schulsport eingeführt. Das war’s.

Eine lange Geschichte

Ein Antrag der Grünen auf Einrichtung eines Stützpunkts der DLRG wurde von der SPD abgewiesen, obwohl auch FDP und Linke für das Vorhaben plädierten. Eine erneute Anfrage der FDP-Abgeordneten Martina Kaesbach im Februar dieses Jahres führte zu einem ähnlichen Ergebnis. Ein Runder Tisch, den es mit den Vereinen über das Thema Sicherheit an der Alster geben sollte, kam nie zustande. Die zuständigen Ausschüsse tagten stets ohne Beteiligung der DLRG.

Die Feuerwehr, die offiziell für den Wasserrettungsdienst zuständig ist, und die Polizei, die eine Außenstelle an der Alster betreibt, sind sich einig, dass „eine Erhöhung der Präsenz von freiwilligen Wasserrettern auf der Alster nicht erforderlich“ ist. Beide verweisen auf die Zuständigkeit der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), die die Genehmigung für Einsätze auf der Außenalster erteilt. Die BSU teilte auf Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten wiederum mit, dass die Lebensretter zwar ein „fester, bewährter Partner“ seien, aber „eine Extra-Station“ unnötig ist.

Auch der Eimsbütteler Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke schließt sich diesem Urteil an. Er habe von keiner der zuständigen Stellen einen Hinweis darauf erhalten, dass eine DLRG-Station für die öffentliche Sicherheit erforderlich ist. Er will jedoch noch einmal eine formelle Klärung der BSU anfordern und das Thema auf einer der kommenden Bezirksversammlungen behandeln. Vor der Sommerpause wird das allerdings nichts.

Ist die DLRG überflüssig?

„Die denken wir sind überflüssig“, ärgert sich Hänel „dabei sind wir im letzten Jahr 200 Einsätze gefahren und ersparen der Stadt Hamburg pro Fahrt bis zu 2.000 Euro.“ Er hat das Gefühl, dass den Verantwortlichen gar nicht klar ist, wie viel die Ehrenamtlichen leisten. Tatsächlich führt weder die BSU noch die Feuerwehr eine entsprechende Statistik.

Die ortsansässigen Ruder- und Segelclubs sind geteilter Meinung über die Notwendigkeit eines DLRG-Stützpunkts.  Aus dem Ruder-Club Favorite Hammonia heißt es, man kümmere sich in erster Linie selbst um seine Mitglieder und sei nicht darüber informiert, ob die DLRG jemals an einer Rettungsaktion der eigenen Leute beteiligt gewesen sei. Joachim Schacht, Inhaber der Segelschule Pieper, erklärte den Eimsbütteler Nachrichten hingegen, dass er einen dauerhaften Sitz der DLRG vor Ort für sinnvoll hält: „Hobbysegler kommen immer wieder in Situationen, in denen sie Hilfe brauchen.“ Dies bedeute nicht immer gleich Lebensgefahr, aber derzeit gebe es keine Zuständigkeit für solche Fälle. „Man hilft sich, wenn man es bemerkt“, lautet Schacht zufolge die Devise.

Ein Verein ohne Vereinshaus

Bernhard Hänel befürchtet einen weiteren Schwund der Ehrenamtlichen, wenn sich an der Lage der DLRG an der Außenalster nichts verbessert. Ohne Platz für Vereinsleben, eine gemütliche Grillparty oder eine Feierabendrunde lassen sich vor allem junge Menschen kaum zu einer Aufopferung ihrer kostbaren Freizeit am Wochenende bewegen, glaubt er. Für ihn steht fest: der Senat weigert sich bewusst, die Sicherheitssituation zu verbessern. „Zwangsläufig wird dann irgendwann demnächst wieder etwas passieren. Und das im Jahr des Wassersports.“

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