Lieferroboter: Der Paketbote 4.0
Drohnen und Lieferroboter der Zukunft: Paketauslieferung in Eimsbüttel auf Rädern.
Mit Technik gegen Lieferchaos

Lieferroboter: Der Paketbote 4.0

Die Online-Bestellungen steigen stetig, immer mehr Lieferwagen transportieren Pakete vom Versandhaus vor die Haustür. Kann die Technologie helfen, Paketboten und Straßen zu entlasten?

Ganz alltägliche Besorgungen im Supermarkt – gehört das schon bald der Vergangenheit an? Die technischen Möglichkeiten dafür bestehen schon heute: Supermärkte unterhalten eigene Onlineshops und machen den Einkauf zu einer Sache von drei Mausklicks. Wer seine Süßigkeiten, Bananen, Äpfel oder Getränke nicht persönlich an der Kasse in Empfang nehmen möchte, kann sie ganz bequem nach Hause liefern lassen.

Ein Geschäftsmodell, das der Lieferriese Amazon über die letzten Jahre perfektioniert hat. Ein Blick auf die “Alltime-Bestseller-Statistik” von Amazon zeigt allerdings: Vor allem technische Geräte finden über das virtuelle Versandhaus ihren Weg zum Kunden. Dass sich dieser Fokus aber bald bemerkenswert verschieben könnte, dafür sorgt Amazon selbst.

Dienste wie das 2015 eingeführte “Amazon Pantry”, mit dem tägliche Bedarfsartikel in der praktischen Box (und wahlweise als Abo) nach Hause geliefert werden können, sorgen dafür, dass Alltagsartikel auch bei Amazon zunehmenden Absatz finden. Und mit dem “Dash Button” kann der Nutzer Produkte wie Waschmittel, Kaffee oder Toilettenpapier per Knopfdruck bestellen, ohne auch nur den Internetbrowser öffnen zu müssen.

Die Bestellzahlen steigen (und die Belastung steigt mit)

Man stelle sich vor, irgendwann ginge niemand mehr zum Markt, und jeder würde per Knopfdruck mehrere Liefervorgänge pro Tag auslösen. Angaben von Amazon zufolge gab es am 15. Juli 2015, dem ersten “Prime Day” (geradezu ein Amazon-“Feiertag” mit besonders lukrativen Angeboten), weltweit über 400 Bestellungen pro Sekunde – also mehr als 34 Millionen Bestellungen an nur einem Tag. Kann pünktliche Lieferung noch garantiert werden, wenn diese Zahlen irgendwann normal und aus Gelegenheitsbestellungen ein ganz alltäglicher Bestellwahn wird?

Schon 2015 traten Post- und Paketboten in Deutschland aufgrund von Überlastung und mangelnder Bezahlung in einen vierwöchigen Streik, Millionen von Sendungen blieben liegen. Und wer saß nicht schon mal mit seinem Auto in einer der zahlreichen Eimsbütteler Einbahnstraße fest, weil ein ungünstig platzierter DHL-Lieferwagen die Fahrbahn blockiert? Droht der Verkehrskollaps, sollten die Online-Bestellungen und Lieferungen in den kommenden Jahren weiter zunehmen?

Lieferroboter: Fliegende und rollende Boten als Alternative

Schon jetzt sind Unternehmen auf der Suche nach Lösungen – und setzten dabei auf die Technik: Ein Beispiel dafür ist der Lieferroboter der Firma Starship, den der Lieferdienst Hermes aktuell in Eimsbüttel testet (siehe Video). Der kleine Roboter auf sechs Rädern ist aber nur einer unter Vielen: Auch Amazon ist dabei, alternative Handelswege zu erschließen. Einer davon könnte das Projekt “Amazon Prime Air” sein: Lieferdrohnen sollen per Flugroute schnell und ohne den Verkehr zu belasten Pakete an ihr Ziel bringen.

Eine Alternative, die in Hamburg allerdings vorerst keine Zukunft haben wird: In der Hansestadt gilt ein umfassendes Flugverbot für Drohnen. Denn laut der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation ist der Einsatz von Drohnen und anderen Fluggeräten verboten, wenn:

  • diese über Menschenansammlungen gesteuert werden
  • diese sich außerhalb der Sichtweite des Steuernden befinden
  • die Gesamtmasse des Geräts mehr als 25 Kilogramm beträgt

Ein autonomer Lieferbetrieb per Drohne lässt sich in Hamburg also wohl kaum aufbauen, was auch ähnliche Projekte wie den “DHL Paketkopter 3.0” oder das mittlerweile auf Eis gelegte Google-Experiment “Project Wings” in naher Zukunft für Hamburg irrelevant macht.

“Die Drohnen-Technik ist noch nicht so weit ausgereift, dass wir eine sichere Lieferung gewährleisten können – mit dem Starship-Roboter geht das”,

meint Hermes-Pressesprecher Ingo Bertram, der davon überzeugt ist, dass der Kurzstrecken-Lieferroboter eine Alternative zum Lieferwagen werden könnte. Und noch dazu sei er auch “viel niedlicher” als eine durch die Luft schwirrende Drohne.

Ein Lieferroboter von Hermes wird mit Paketen befüllt. Die Firma Starship stellt die Roboter her.
Ein Lieferroboter von Hermes wird mit Paketen befüllt. Die Firma Starship stellt die Roboter her.

Die von Bertram gelobte technische “Unterstützung und Entlastung” findet auch bei der Kommunikationsgewerkschaft DPVKOM Anklang – zumindest bis zu einem gewissen Grade. “Ein Briefzusteller schleppt an einzelnen Tagen mitunter eine halbe Tonne an Gewicht zu den Kunden”, so Pressesprecher Maik Brandenburger. “Wir begrüßen alle technischen Neuerungen, die zu einer Entlastung der Beschäftigten von dieser schweren, körperlichen Arbeit führen.”

Ein vorstellbares Modell sei, dass ein Roboter den Postboten bei seiner Zustelltour begleite. Einen komplett autonomen Roboter hingegen sieht die DPVKOM dagegen kritisch:

“Dass ein Roboter selbstständig Pakete ausliefert, mag vielleicht im Sinne des Unternehmens sein, aber so weit sind wir noch lange nicht.”

Doch genau diese Vision verfolgt Starship: Das Unternehmen will etwa hundert autonome Roboter von nur einem “Controller” am Bildschirm überwachen lassen. Brandenburger sieht das skeptisch: “Das Aushängeschild eines Unternehmens wie der Deutschen Post sind doch die Zusteller. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kunde, der einen Brief oder ein Paket erhält, lieber mit einem Roboter kommuniziert als mit einem Menschen. Insofern wird der Zusteller nicht verschwinden, der wird immer da sein.”

Auch die technischen Limitierungen wie Akkulaufzeiten oder der mögliche Lieferumfang (der Starship-Roboter schafft aktuell mittelgroße Pakete mit bis zu 15 Kilo Gewicht) lassen Zweifel aufkommen, ob diese technischen Lösungen die nötige Entlastung gewährleisten können. Die autonome Fahrweise allerdings hat der Roboter auf seinen Testfahrten bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt und kommt, gerade bei den Eimsbüttelern im Testgelände, sehr gut an.

Autoren: Max Handwerk und Susanne Brand

Mobilität der Zukunft in Eimsbüttel

Mobilität der Zukunft in Eimsbüttel: Das Mobilitäts-Dossier der Eimsbütteler Nachrichten in Kooperation mit der Universität Hamburg.
Mobilität der Zukunft in Eimsbüttel: Das Mobilitäts-Dossier der Eimsbütteler Nachrichten in Kooperation mit der Universität Hamburg.

Gemeinsam mit Studierenden der Uni Hamburg haben die Eimsbütteler Nachrichten ein Dossier erstellt, das eine Bestandsaufnahme und den Blick in die Zukunft der Mobilität in Eimsbüttel bietet. Hier gelangt ihr zum Mobilität-Dossier.

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