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"Weil ich gerne koche": Jasper Nitz (19) absolviert im Café Büchner seine Ausbildung. Foto: Annika Demgen
"Weil ich gerne koche": Jasper Nitz (19) absolviert im Café Büchner seine Ausbildung. Foto: Annika Demgen
Vor der Eröffnung

Neues Café in der Lenzsiedlung

Neues Team mit vertrautem Konzept: Im Vereinshaus der Lenzsiedlung schwirren ab Ende Mai wieder Jugendliche in der Gastronomie-Ausbildung von Tisch zu Tisch. Am alten Standort des Café Veronika eröffnet das Café Büchner. Bei der Generalprobe vom Betreiber Ausblick Hamburg ging schon mal alles gut.

Von Annika Demgen

Nervosität liegt in der Luft. Parallel zur Präsentation der neuen Zeitung „Rakete“ des Vereins Lenzsiedlung hat das junge Team von Ausblick Hamburg seine erste Generalprobe zu bestehen. Die Gäste müssen mit Getränken versorgt, das Buffet aufgefüllt werden. Die sieben Azubis laufen zwischen Küche und Tischen hin und her. Einer von ihnen ist Jasper Nitz. Für ihn ist Kundenkontakt etwas Neues. In der bestehenden Lehrküche von Ausblick Hamburg in Altona hat er bisher nur die Konfrontation mit Lebensmitteln, Kollegen und Vorgesetzten gelernt. Erfahrung im Servieren und Bedienen sammelt er erst jetzt im Café der Lenzsiedlung. So richtig geheuer ist ihm das noch nicht. „Ich bin aufgeregt, aber ich freue mich auch darauf, dass es losgeht“, sagt der 19-Jährige.

Ausbildung mit Abschluss

Aufgeregt ist auch Udo Marquardt. Gemeinsam mit Karlheinz Spreitzer führt er die Geschäfte der Ausblick Hamburg GmbH. Beide stehen in der Mitte des Restaurants im Vereinshaus der Lenzsiedlung und freuen sich über das bunte Treiben um sie herum. „Wir haben ein ähnliches Konzept wie der Verein Lenzsiedlung. Das passt gut zusammen“, sagt Marquardt. Die Partnerschaft geht über den reinen Gastronomiebetrieb hinaus. Die Auszubildenden sollen Beratungsangebote des Vereins Lenzsiedlung nutzen können. Ausblick Hamburg wiederum soll verstärkt Jugendliche aus der benachbarten Hochhaussiedlung für die Ausbildung im Café gewinnen. Das Ziel des Unternehmens: Diversität auf dem Arbeitsmarkt. Ausblick Hamburg bietet Menschen mit Behinderungen genauso wie Jugendlichen, die beispielsweise keinen Schulabschluss besitzen, eine Ausbildung nicht nur in der Gastronomie, sondern auch im Friseurhandwerk und in der Floristik an. Wer die zwei oder drei Jahre Lehre erfolgreich absolviert, hat am Ende einen von der Handels- oder Handwerkskammer anerkannten Abschluss.

Ralf Helling, Geschäftsführer des Vereins Lenzsiedlung, ist sichtlich begeistert. Vom Team, von der Veranstaltung und davon, dass viele Probleme des Vereins der Vergangenheit angehören. „Wir wussten lange nicht, wie es weitergeht. Umso glücklicher sind wir, dass jetzt gleich mehrere Dinge auf einmal funktionieren“, sagt er gleich zu Beginn des Pressetermins. Kompliziert war das vergangene Jahr vor allem durch einen Wasserschaden in der Küche, durch den der alte Betreiber des Cafés, die Produktionsschule Eimsbüttel, die Arbeit kurzfristig einstellen musste. Nach einigen Wochen startete der Notbetrieb mit ausgelagerter Zubereitung und warmgehaltenen Speisen. Kein Idealzustand, weder für die Auszubildenden noch für den Verein. Parallel gingen die Vorstellungen von Vereinsleitung und Geschäftsführung der Produktionsschule immer weiter auseinander. Im Dezember kam es zum Bruch. Die Zusammenarbeit wurde beendet und das Café Veronika blieb leer. Bis jetzt.

Wasserschaden behoben

Der Wasserschaden, dessen Kosten sich auf einen sechsstelligen Betrag belaufen, ist inzwischen behoben, die Küche wieder einsetzbar. „Allerdings wurden neue Mängel am Bau bemerkt“, sagt Helling. Diese beeinträchtigen aber nicht den Betrieb. Ausblick Hamburg will Ende Mai das Café Büchner – benannt nach Georg Büchner, dem Autor der Erzählung „Lenz“ – für die Allgemeinheit öffnen. Die Preise stehen noch nicht fest, sollen sich aber an dem bekannten finanziellen Niveau orientieren, damit sich die Bewohner der Lenzsiedlung den Mittagstisch auch leisten könnten. Zum Start rechnet das Team mit 60 zubereiteten Portionen pro Tag. Sozialpädagogin Anka Elsner will alle weiteren Entwicklungen auf sich zukommen lassen: „Wir gucken einfach, wer kommt. Wir freuen uns über jeden Gast.“

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