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Die Olympia-Kritiker kommen zunächst nur durch ihre Schilder zu Wort. Foto: Annika Demgen

Olympia: Hitzige Reden und Buttersäure

Zehn Mannschaftswagen der Polizei bewachen am Montagabend das Haus des Sports. Etwa 20 Aktivisten stehen vor dem Gebäude am Schlump und protestieren gegen Olympia. Eine unbekannte Person hat etwa vier Stunden zuvor stinkende Buttersäure im Foyer verteilt. Die folgende Diskussionsveranstaltung mit Bürgermeister Olaf Scholz wird hitzig.

Von Annika Demgen

Gegen 16:30 Uhr rückte die Feuerwehr an, um die von einem Unbekannten hinterlassene Buttersäure im Eingangsbereich des Veranstaltungsorts zu entfernen. Zu Beginn der Veranstaltung um 20 Uhr riecht es im Treppenhaus nur noch leicht streng. Der Geruch erinnert an den Dreck, der sich gerne unter Fußnägeln sammelt. Das Großaufgebot der Polizei, das angesichts der relativ kleinen Gruppe an Demonstranten etwas übertrieben wirkt, habe jedoch schon vor der Stinkbombe festgestanden, teilt uns die Polizei Hamburg mit.

„Pro Paris“

Vor dem Haus des Sports halten die Protestierenden ihre Plakate hoch. Torsten vom Autonomen Bündnis gegen Olympia befürchtet eine Kostenexplosion durch die Spiele 2024. Henrike gehört zu keiner Organisation ist aber „Pro Paris“. „Das Geld sollte lieber für soziale Dinge ausgegeben werden“, sagt sie. Das sieht auch Karl-Heinz Thier vom Einwohnerverein St. Georg so: „Wir brauchen Geld für die Flüchtlinge und gleichzeitig werden Millionen in diese Image-Kampagne investiert.“ Einer Forsa-Umfrage aus dem März 2015 zufolge sind jedoch 64 Prozent der Hamburger für Olympia. Halil von der Revolutionäre Linke meint, dies liege auch an der emotionalen Pro-Olympia-Kampagne. „Die, die dafür sind, sind jedoch meistens nicht selbst betroffen. Die wohnen nicht in Wilhelmsburg oder auf der Veddel, sondern in den Randgebieten.“

"Das Geld sollte lieber für soziale Zwecke ausgegeben werden." Foto: Annika Demgen
„Das Geld sollte lieber für soziale Zwecke ausgegeben werden.“ Foto: Annika Demgen

Im Veranstaltungssaal sind die Meinungen gemischter. Die Demonstranten protestieren lautstark. Bürgermeister Olaf Scholz redet laut dagegen an. Ein Mann in der zweiten Reihe steht auf und hält ein Plakat hoch: „Olympia Wahnsinn stoppen“. Mehrere Zuhörer aus der schweigenden Mehrheit stehen auf und fordern ihn auf sich hinzusetzen. Einer gestikuliert wild in Richtung Demonstranten: „Geht doch nach Hause!“. Jeder Satz, den Scholz beenden kann, wird von starkem Beifall begrüßt. Scholz: „Viele werden was von Olympia haben.“ Demonstranten: „Dummes Gelaber“. „Es wird Wohnungen für alle geben“. „Lügner“. „Der Sprung über die Elbe wird endlich gelingen“. „Alle wollen dasselbe, Olaf in die Elbe.“ „Wir haben uns dazu entschieden, die Bevölkerung nach ihrer Meinung zu fragen.“ „Zwei Millionen für eine Werbekampagne, ist das fair?“. Keine der Seiten will der anderen zuhören.

Neben Olaf Scholz gehen auch die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Juliane Timmermann und Jürgen Mantell, Präsident des Hamburger Sportbunds, weiter im Programm. Erklären, dass Olympia den barrierefreien Ausbau der Stadt und auch den Breitensport fördere. Auch für die Integration von Flüchtlingen sei Olympia eine gute Sache. „Die habt ihr doch schon abgeschoben“, ruft eine Demonstrantin. Vorgezogen wird die Frage-Antwort-Runde trotz der hitzigen Stimmung nicht. Stattdessen positionieren sich Bodyguards vor dem Rednerpult. Nach 20 Minuten werden rund sechs Demonstranten von der Polizei aus dem Saal gedrängt. Danach wird es ruhiger, wenn auch nicht still. Immer wieder verlassen Protestierende lautstark den Saal. „Das ist mir eine Anzeige nicht wert“, ruft einer.

Fragen und Antworten

Olaf Scholz versucht sich stimmlich gegen die Zwischenrufe zu behaupten. Foto: Annika Demgen
Olaf Scholz versucht sich stimmlich gegen die Zwischenrufe zu behaupten. Foto: Annika Demgen

Gegen 21 Uhr kommt das Publikum zum Zug. Wieviel Geld hat die Bewerbungsgesellschaft, die für die Organisation der Bewerbung Hamburgs zuständig ist, bereits von Unternehmen eingesammelt, fragt ein Mann. Noch keines, gibt Olaf Scholz zu. Der notwendige Vertrag sei mit dem dafür zuständigen Unternehmen erst vor einer Woche unterschrieben worden. Daher sei noch keine Zeit gewesen. Die Werbekampagne für Olympia sei zu einseitig und habe viel mehr finanzielle Mittel als die der Gegner, bemerkt ein weiterer Besucher. Olaf Scholz spricht von erhöhten Erwartungen, wenn man davon ausgehe, dass die Befürworter gleichzeitig auch für die Gegner Werbung machen. Außerdem sei die Kampagne komplett privat finanziert. Die Stadt halte sich da völlig raus. Wie will man Gentrifizierung auf der Veddel und in Wilhelmsburg verhindern? „Indem wir genug Wohnraum schaffen“, sagt Olaf Scholz. Das Wohnungsbauprogramm sei hier für der beste Beweis. Mietpreisbremse und soziale Erhaltungsverodnung dagegen nur „Abwehrgefechte“. Der Bürgermeister führt immer wieder Beispiele aus anderen Städten an wie London oder San Francisco. Da seien die Mieten viel höher, weil man nicht rechtzeitig gehandelt habe. Man dürfe sich nicht dem Trugschluss hingeben, dass alles gut wird, wenn man die ganze Zeit nichts tut und keine neuen Wohnungen baut. Antworten auf die Antworten von Scholz dürfen die Fragenden nicht. Einer beschwert sich. „Mach selbst ’ne Veranstaltung“, sagt Scholz.

Der nächste, der das Mikrofon bekommt, bringt die Kritik des Hamburger Rechnungshofs an der Kostenplanung des Senats zur Sprache. Scholz betont, es sei viel Geld in die Planung des vorliegenden Finanzkonzepts geflossen. Die 11,2 Milliarden Euro, die Olympia demnach kosten soll, seien eine „ehrliche Zahl“. Der Rechnungshof ist anderer Ansicht: Zum Zeitpunkt des Referendums sei eine tragfähige Ermittlung der Kosten nicht möglich, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem September. Bringen werden die Spiele der Senats-Kalkulation zufolge 3,8 Milliarden Euro. 7,4 Milliarden Euro müssten demnach vom Steuerzahler bezahlt werden. Scholz hofft nach wie vor auf großzügige Unterstützung vom Bund.

Der nächste Besucher bringt die HSH Nordbank auf den Tisch. „Da ärgere ich mich jeden Tag drüber“, sagt der Bürgermeister. Wie die Garantien für die Bank bedient und gleichzeitig Olympia finanziert werden kann, weiß er jedoch nicht. Es komme auch darauf an, „ob man sich was traut“. Es gelte die Prämisse: Keine neuen Schulden. Daran will Scholz sich halten. „Wir müssen immer wieder prüfen , ob die Rechnung aufgeht, und das werden wir tun.“ Eine Frage zu den Garantien, die die Stadt Hamburg an das Internationale Olympische Kommittee im Rahmen des Host-City-Vertrags geben muss, lässt der Bürgermeister unbeantwortet. Die letzten Fragen, die noch zugelassen werden sollen, gehen in polemischen Äußerungen aus dem Publikum und der allgemeinen Aufbruchstimmung unter.

Wie sich Eimsbüttel zu Olympia positioniert, seht ihr im Video. Alle Hamburger haben am 29. November die Chance für oder gegen die Bewerbung für die Spiele zu stimmen. Mehr zu Olympia.

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