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Michael Batz hat ein Buch über das Haus Nummer 26 in der Rothenbaumchaussee geschrieben.
Michael Batz hat ein Buch über das Haus Nummer 26 in der Rothenbaumchaussee geschrieben. Foto: Christiane Tauer
Buchveröffentlichung

Rothenbaumchaussee 26: Erinnerungen als tragende Säulen

Michael Batz hat der Rothenbaumchaussee 26 und den jüdischen Bewohnern mit „Das Haus des Paul Levy“ ein literarisches Denkmal gesetzt. Wie alles mit einer Klarinette begann und bis heute seine Kreise zieht.

Von Christiane Tauer

Wenn Häuser Geschichten erzählen könnten, das Haus Rothenbaumchaussee 26 würde nicht mehr aufhören zu sprechen. Michael Batz hat zugehört und die Geschichten aufgeschrieben.

Der Autor hat mit „Das Haus des Paul Levy“ der Rothenbaumchaussee 26 ein literarisches Denkmal gesetzt. Und zugleich deutsch-jüdische Geschichte in neuer Form erzählt.

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Klarinette lag versteckt unter Dielen

Das Buch, das 2021 erschienen ist, ist jetzt in der dritten Auflage herausgekommen und um 150 neue Fotos und Dokumente erweitert worden. Angehörige der ehemaligen Hausbewohner hatten Batz nach der Veröffentlichung der ersten Auflage kontaktiert und ihm ihre Erinnerungsstücke überlassen.

Erinnerungen – sie sind die tragenden Säulen dieses ganz besonderen Hauses unweit des Grindelviertels. Lebendig wurden sie durch eine Klarinette. Michael Batz hatte vor einigen Jahren über Bekannte davon gehört, dass bei Renovierungsarbeiten im Haus das Musikinstrument gefunden wurde. Versteckt in einem Paket unter den Dielen des Dachbodens.

Rothenbaumchaussee 26 ein besonderes Projekt

Wer hat die Klarinette dort versteckt? Aus welchem Grund? Und was ist das überhaupt für ein Haus, das mit seinen roten Klinkersteinen und dem Löwen über der Haustür aus der Bebauung der Umgebung heraussticht? „Diese Fragen habe ich mir gestellt“, sagt Batz – 2015 fing er an, sie zu beantworten.

Er schaute sich in der Staatsbibliothek die digitalisierten Adressbücher der Stadt an und stieß als erstes auf den Namen Paul Levy. Nach und nach kam über weitere Recherchen die Geschichte eines damals einzigartigen Vorgehens heraus: Das Gebäude war das erste baugenossenschaftliche Projekt Hamburgs.

Paul Levy war Initiator

Anfang der 1920er-Jahre hatten wohlhabende, vor allem jüdische Bürgerinnen und Bürger begonnen, das Haus zu bauen. Der Privatbankier Paul Levy war Initiator, treibende Kraft und erster Bewohner.

Zehn großzügige Fünf-Zimmer-Wohnungen, ein Atelier und eine Hausmeisterwohnung umfasste das Haus, das offiziell als Wohnhaus Rothenbaum GmbH firmierte. Es war eine Kapitalgesellschaft, über die die Anteilseigner Nutzungsrechte an den Wohnungen erwarben – und nicht die Wohnung selbst.

Jüdische Familien zogen weg

Heinrich Theodor Beine, Olga von Löbbecke oder Henri Hirsch lauteten die Namen der Bewohner. Ihre jeweiligen Geschichten stellt Batz in seinem Buch in 100 Kapiteln zusammen. Er berichtet von Familienschicksalen, ihrer Ausgrenzung im Nationalsozialismus und schließlich ihrer Vertreibung.

„Nach und nach sind die jüdischen Familien weggezogen“, erzählt Batz. Einige Bewohner starben im KZ: Auguste Friedberg und Yves Saget. Seit Oktober 2022 erinnern Stolpersteine im Bürgersteig vor der Nummer 26 an sie. Ein weiterer Stein wurde zuvor für Richard Behr in den Bürgersteig verlegt.

Mieter gewährten Zugang zu Wohnungen

Von den Nazis, die nach den jüdischen Bewohnern in die Wohnungen zogen, hat Batz nur wenig Informationen gesammelt.

Heute befinden sich auffällig viele Arzt- und Psychologie-Praxen im Haus. „Meine Deutung ist: Als wäre etwas zu heilen“, sagt Batz. Alle Mieter hätten ihm für seine Recherchen Zugang zu ihren Wohnungen gewährt und waren offen, berichtet er. Eigentümer ist die Sauerland Immobilien GmbH, sie hat das Haus in den 80er-Jahren übernommen.

Rothenbaumchaussee 26: Buch zieht weite Kreise

Die letzte noch lebende Bewohnerin des Hauses ist die 101-jährige Eva Magnus. Sie emigrierte 1934 mit ihren Eltern nach Palästina. Auch die Enkelin von Paul Levy lebt noch. „Sie wird im März nach Hamburg kommen“, berichtet Batz. Von vielen anderen Nachfahren der ehemaligen Bewohner des Hauses hat er weitere Fotos bekommen, die die neue Auflage ergänzen.

„Ich denke, dass noch einige weitere Dokumente kommen werden“, ist Batz überzeugt. Es sei unglaublich spannend, welche Kreise das Buch gezogen habe und noch ziehen werde.

beenhere

Michael Batz

Michael Batz ist 71 Jahre alt und stammt ursprünglich aus Hannover. 1976 kam er nach Hamburg. Er ist als Theaterproduzent, Dramaturg. Lichtkünstler und Autor tätig. Einem breiten Publikum ist er vor allem als Erschaffer des „Blue Port“ bekannt – des blau leuchtenden Hamburger Hafens. An seinem Buch „Das Haus des Paul Levy“ hat er mehrere Jahre gearbeitet.

Michael Batz, Das Haus des Paul Levy – Rothenbaumchaussee No. 26, Dölling und Galitz Verlag, 624 Seiten


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