Spendenrallye: Mit dem Trabi um die Ostsee
Team "Smartstep Racing" vor ihrem "Trabatoni". Foto: Fabian Hennig
Für einen guten Zweck

Spendenrallye: Mit dem Trabi um die Ostsee

Drei Freunde machen sich auf, um bei der Spenden-Rallye “Baltic Sea Circle” mit einem Trabi die Ostsee zu umrunden. Bei dem Roadtrip geht es auf über 7500 Km durch zehn Länder. Die einzige Sorge des Teams: Halten die Bremsen?

Der Motor knattert leise und wird dann lauter in den höheren Umdrehungen. Wenn der Trabant 601 auf der Strasse beschleunigt, klingt das ein bisschen wie in einem Rennauto. Aber eben nur ein bisschen. Während der Probefahrt zieht der Automobil-Klassiker eine blaue Abgasfahne hinter sich her. Weil für den Zweitaktmotor ein Benzin-Öl-Gemisch verwendet wird, riecht es an der Hoheluftchaussee wie zu DDR-Zeiten.

“Ich bin nur dabei, wenn wir mit dem Trabi teilnehmen”, war die Forderung von Sebastian Dombrowski an seine Teamkollegen. Damit waren sich die drei Freunde aus Hamburg schnell einig, ab Mitte Juni beim “Baltic Sea Circle” mitzufahren. Mit der Teilnahme sammeln alle Teams Spenden für ein selbst ausgewähltes soziales Projekt. 7.500 km werden dafür in 16 Tagen zurückgelegt, durch insgesamt zehn Länder. Und das ohne GPS und Navi – ebenso wenig Autobahnfahrten. So sieht es das Reglement vor.

Suche nach Abenteuer und Entschleunigung

“Gleichzeitig wollen wir Spendengelder sammeln und unsere Sommerferien mit einem Abenteuer verbringen”, erklärt Teamchef Torben Weichaus. Der 28-Jährige aus Rothenbaum war der Initiator und hat seine Freunde überzeugt, an dem Abenteuer teilzunehmen und Spenden für das Kinder-Hospiz Sternenbrücke zu sammeln. Zudem wünsche er sich auch etwas Entschleunigung, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometer vorprogrammiert sei. Dennoch müssten sie zwischendurch doch etwas arbeiten, gibt er zu.

Zusammen mit Sebastian Dombrowski, 26, und Lennart Hörwald, 26, bilden sie das Team “Smartstep Racing” – benannt nach dem ersten Sponsor und der Firma, bei der Torben Weichaus arbeitet. Schon während der Studienzeit sind die drei viel zusammen gereist. Dennoch ist es Torbens erster Zelturlaub. Jeder hätte sein eigenes Zelt mit, erzählt er: “Wenn man so viel Zeit am Tag miteinander in einem kleinem Auto verbringt, wollen wir nachts getrennt voneinander schlafen.” Auch wenn bei dem Gepäck auf das Gewicht geachtet wird, nehmen die Drei alles Wichtige für den Roadtrip mit: Camping-Grill, Schlafsäcke Medikamente. Nur ob eine Kühlbox mitgenommen wird, diskutieren die Drei gerade noch.

Ein Werkstattbesuch in der Hoheluftchaussee:

Spenden sammeln für einen guten Zweck

Alle Ausgaben für Reise, Auto und Startgebühren von 750,- Euro werden von den drei reisebegeisterten Freunden selbst getragen. Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an das Kinder-Hospiz. Größtenteils wollen sie zelten und ab und zu in Jugendherbergen übernachten. Letzten Herbst hat Torben das Team angemeldet. Danach wurde geplant und Aufgaben verteilt. Zum Glück wären die Rollen eindeutig, sagt Torben. Er kümmert sich um die Spendengelder, Sebastian um das Auto und Lennart um das Design und die Technik.

“Uns Dreien geht es so gut, wir hatten viel Glück im Leben”, sagt Torben. Deswegen sammele er zusammen mit den anderen Geld für die Kinder und Jugendlichen aus dem Hospiz. Über seine Arbeit als Pharma-Berater ist er auf das Kinder-Hospiz gestoßen, wobei ihn die palliative Arbeit, die dort geleistet wird, sehr beeindruckt hat. Bislang wurden 4.600 Euro beigesteuert, 10.000 Euro ist das erklärte Ziel. Gespendet haben vier Firmen und viele ihrer Freunde.

Ein Auto names “Trabatoni”

Im April wurden 500 Testkilometer zurückgelegt und im Mai haben sie ein Trabi-Treffen auf Rügen besucht, um so viele Tipps wie möglich von erfahrenen Besitzern mit auf die Reise zu nehmen. “Wir sind froh, dass das Auto noch mal von meinem Vater durchgecheckt wurde”, meint der gebürtige Rügener Sebastian. Normalerweise vermietet sein Vater den Trabi an Touristen auf Rügen. Im Anhänger werden wichtige Ersatzteile mitgenommen: Anlasser, Lichtmaschine, Vergaser. Und das übliche Werkzeug. “Nur bei einem Motorschaden müssen wir aufhören”, ergänzt Sebastian. In der Garage eines Freundes in der Hoheluftchaussee wird jetzt noch geschraubt, getestet und geklebt.

Für die 7500 Km benötigt der Trabant 16 Liter Motoröl, das mit ins Benzin gekippt wird. Der Benzintank fasst 20 Liter, mit denen jeweils 260 Km zurückgelegt werden. Ein Ersatztank ist auch an Bord. Die eigentliche Reise bereitet den Dreien keine Sorge, auch Russland finden sie unproblematisch. “Meinem Respekt gilt vor allem der Trommelbremse”, erzählt Sebastian. “Bei all dem Gewicht mit dem Anhänger und Gepäck muss die ganz viel aushalten.”

Mindestens 20 Jahre altes Auto

Letztes Jahr sind durch die 202 Teams fast 400.000 Euro zusammengekommen. Für dieses Jahr haben sich knapp 230 Teams angemeldet. Die teilnehmenden Autos müssen älter als 20 Jahre sein, auch das gehört zum Reglement des Charity-Rennens. Der Start ist am 17. Juni, enden wird der Roadtrip in Hamburg am 2. Juli.

Wie die Drei ihre Zeit im Auto verbringen wollen, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall wurden schon ordentlich viele Hörspiele heruntergeladen. Darunter die Drei Fragezeichen, die Herr der Ringe Trilogie oder ein Fachbuch über den vermeintlichen Erfinder des Darknets Ross Ulbricht. Und Lennart möchte gerne lokales Radio hören: Am liebsten drei Stunden lang auf finnisch: “Auch wenn ich es nicht verstehe, irgendwie hat das etwas für mich.”

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