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Mit ihrem Hund kehrte Iris zum Ort des Überfalls zurück. Foto: Julia Haas
Während des Angriffs war Iris mit ihrem Hund unterwegs: Einen Tag später kehrten sie zurück. Foto: Julia Haas
Antisemitismus

Frau putzt Stolpersteine – und wird angegriffen

Um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern, sucht eine Frau am Sonntag verschiedene Stolpersteine auf, reinigt sie und entzündet Kerzen. Bei ihrer letzten Station in Eidelstedt wird sie attackiert. Trotz Schock und Schmerzen steht für sie fest: Jetzt erst recht.

Von Julia Haas

Sie wollte ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen – und wurde schließlich selbst zum Opfer. Einen Tag, nachdem Iris beim Putzen eines Stolpersteins in Eidelstedt angegriffen worden war, kehrte sie zum Ort des Geschehens zurück. Ihre Botschaft: Hass und Gewalt dürfen nicht gewinnen.

Es war der 9. November 1938, als die Gewalt gegen Jüdinnen und Juden mit den Novemberpogromen ein neues Ausmaß erreichte. 87 Jahre später, am Jahrestag der Pogrome, zieht Iris mit Putzmittel, Tüchern und Kerzen los. Sie will Stolpersteine reinigen und Kerzen anzünden – ein Zeichen des Erinnerns, wie sie im Gespräch mit den Eimsbütteler Nachrichten erzählt.

„Ich habe nicht verstanden, was los ist“

An der Kieler Straße in Eidelstedt habe sie sich plötzlich beobachtet gefühlt. Etwas entfernt entdeckte sie einen Mann – wohl einen Anwohner der Straße. Während sich Iris weiter dem Erinnerungsort widmete und eine Kerze aufstellte, habe der Mann mehrfach „Dreck“ gesagt.

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Zunächst glaubte Iris, der Mann meine ihre Putzutensilien. „Ich habe nicht verstanden, was los ist“, sagt sie. Sie habe ihm erklärt, jeglichen Müll mitzunehmen. Doch der Mann habe nicht abgelassen.

Polizei zufällig vor Ort

Als er schließlich die Kerze ausgepustet und weggeworfen habe, griff Iris zum Handy und filmte den Mann – auch um sich zu schützen. „Er war voller Hass“, erinnert sich die 63-Jährige. Dann sei er auf sie zugestürmt, habe sie geschlagen und gewürgt. „Ich konnte mich nicht befreien und habe um Hilfe geschrien.“

Eine Autofahrerin habe schließlich angehalten und die Tochter des Angreifers sei herbeigeeilt. Zufällig seien auch Einsatzkräfte in einem Streifenwagen auf die Situation aufmerksam geworden.

Schmerz und Schock

Nach Angaben der Polizei Hamburg handelte es sich bei dem Angreifer um einen 71-jährigen Mann. Die Polizei nahm die Personalien des Mannes auf, entließ ihn jedoch noch vor Ort. Nun ermittelt der Staatsschutz.

Iris wurde schließlich in einem Rettungswagen und später im Krankenhaus behandelt. Noch immer spüre sie Schmerzen. Vor allem sei es aber der Schock, der nicht verschwinde.

Stolpersteine putzen: Viel positive Resonanz

In diesem Jahr hatte sich Iris zum ersten Mal dazu entschieden, Stolpersteine zu putzen. Im Spätsommer hatte sie von einer Aktion erfahren, die dazu ermutigte, Stolpersteine zu reinigen. An verschiedenen Orten waren Kuverts mit Ortsangabe, Putzanleitung und einer kurzen Information zu den Stolpersteinen hinterlegt worden. Iris hatte einen solchen Umschlag in der Bücherhalle abgeholt, sei dann aber krank geworden, erzählt sie.

Sie beschloss, die Aktion am 9. November nachzuholen. Bereits am Freitag hatte sie Stolpersteine in Schnelsen geputzt. Schüler seien dabei mit ihr ins Gespräch gekommen. „Alle waren interessiert und fanden es toll.“

Nach Angriff: „Jetzt erst recht“

Am Sonntag sei sie zunächst zum Langenfelder Damm gefahren. „Die Stolpersteine dort waren schon geputzt.“ Auch in der Kieler Straße in Eidelstedt war sie nicht die Erste: Mit Kreide war bereits „9.11. – Reichspogromnacht“ auf den Gehweg geschrieben worden. Iris reinigte den Stein und stellte eine Kerze auf – dann kam es zum brutalen Übergriff.

Trotz des Erlebten will sie sich nicht einschüchtern lassen. „Jetzt erst recht“, sagt sie immer wieder im Gespräch. Spätestens im August will sie zurückkehren – an dem Tag, an dem die Person, an die der Stolperstein erinnert, von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

Noch in der Nacht nach dem Übergriff stellte Iris’ Tochter erneut eine Kerze am Stolperstein in der Kieler Straße auf. Am Montagnachmittag brannte sie immer noch. Menschen blieben stehen und lasen den Namen, für den das Licht leuchtet.


Ein Monitoring des Projekts „Empower“ zeigt, dass rassistische, antisemitische und rechte Vorfälle in Hamburg immer häufiger werden. Die Hintergründe.


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