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Die Zahl an rassistischen, antisemitischen und rechten Gewaltvorfällen in Hamburg steigt an. Grafik: Alexis Milne, Quelle: empower
Die Zahl an rassistischen, antisemitischen und rechten Gewaltvorfällen in Hamburg steigt an. Grafik: Alexis Milne, Quelle: empower
Bilanz 2024

Rassistische, antisemitische und rechte Gewalt nimmt zu

Ein Monitoring des Projekts „Empower“ zeigt, dass rassistische, antisemitische und rechte Vorfälle in Hamburg immer häufiger werden. Die Hintergründe.

Von Alexis Milne

1.326 rassistische, antisemitische und rechte Vorfälle wurden im Jahr 2024 in Hamburg erfasst. Eine „alarmierende Bilanz“, heißt es vom Projekt Empower, das die Vorfälle in einem Bericht zusammengefasst und eingeordnet hat.

Empower berät seit 2015 Betroffene von rassistischer, antisemitischer und rechter Gewalt. Über die vergangenen Jahre habe das Projekt einen Zuwachs an diesen Taten verzeichnet.

Rechte Gewalt – mit welchen Motiven?

Von den Vorfällen aus 2024 können 504 einem rassistischen Motiv zugeordnet werden. 300 waren dem Bericht zufolge antisemitisch motiviert und 93 queerfeindlich. 24 Vorfälle richteten sich gegen wohnungslose und behinderte Menschen, elf gegen politische Verantwortungsträger, 72 gegen politische Gegner und drei gegen Journalisten. Laut Empower würden die übrigen 319 Fällen mehrere Ideologien gleichzeitig betreffen.

Empower fasst unter „rechter Gewalt“ solche Gewalttaten zusammen, „die auf Grundlage von Vorstellungen über die Ungleichwertigkeit von Menschen und über die Homogenität bestimmter konstruierter sozialer Gruppen begangen werden“.

Darunter fallen unter anderem Beleidigungen und Drohungen, Sachbeschädigung und (versuchte) Körperverletzung, sowie Brandstiftung und Volksverhetzung. Was die „vollendeten Körperverletzungen“ angeht, verzeichnete Empower einen Zuwachs: 2024 wurden 122 Fälle erfasst, 2023 noch 81.

Zuwachs an rassistischen Vorfällen

Die 504 rassistischen Vorfälle bedeuten einen Anstieg von 45 Prozent gegenüber 2023, so Empower. Teilweise wurden spezifische Formen des Rassismus erfasst. Von den Fällen im Jahr 2024 betreffen 23 Rassismus gegen Sinti und Roma, 121 Anti-Schwarzen- und 77 antimuslimischen Rassismus.

Weitere erfasste Formen von rassistischer Gewalt richteten sich unter anderem gegen Personen mit asiatischer, slawischer oder kurdischer Herkunft.

Antisemitismus und Queerfeindlichkeit

Empower erfasste im Jahr 2024 300 antisemitische Vorfälle. Diese scheinen seit den Angriffen der Hamas auf Israel am 7. Oktober zuzunehmen – 2022 waren es 195 Vorfälle, 2023 waren es 282.

Auch die Zahl an queerfeindlichen Vorfällen steigt laut dem Monitoring. 2022 erfasste Empower 30 Vorfälle. Zwei Jahre später waren es 93, also mehr als die dreifache Menge. Besonders Veranstaltungen im Pride-Month oder CSD-Paraden würden verstärkt Ziele rechter Gewalt.

Empower verweist auf strukturelles Problem

Im Jahr 2023 erfasste Empower noch 993 rassistische, antisemitische und rechte Gewaltvorfälle. Laut dem Bericht müsse insgesamt von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgegangen werden.

Laut Empower werde kaum über Prävention, Intervention und vor allem eine Stärkung des Opferschutzes gesprochen. Dabei seien diese Taten keine Einzelfälle, sondern würden sich durch die gesamte Stadt, durch alle gesellschaftlichen Schichten, Milieus und Institutionen ziehen.

Update vom 7. November, 11:35 Uhr: In der ursprünglichen Version wurden die Gewaltvorfälle als „fremdenfeindlich und rechts“ beschrieben. Diese Betitelung wurde nach einem Hinweis von Empower zu „rassistisch, antisemitisch und rechts“ angepasst. Denn: Laut Empower verstärkt der Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ die Vorstellung, dass die Opfer dieser Gewalt Fremde seien – dabei könnte jeder Opfer dieser Gewaltformen werden.


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