Streit um befristeten Mietvertrag: Diese WG will bleiben
Eine Lokstedter WG soll ausziehen – angeblich wegen einer anstehenden Sanierung. Diese scheint aber nicht unmittelbar bevorszustehen, weshalb die Bewohner bleiben wollen.
Von Alexis MilneEine WG im Sorthmannweg in Lokstedt stellt sich gegen ihre Vermieter. Diese hatten den Mietvertrag bis Ende Februar befristet. Der Grund: Es solle saniert werden. Weil das bisher aber nicht abzusehen sei, will die WG vorerst bleiben.
„Wir sind den Vermietern immer wieder entgegengekommen, aber es kommt nichts zurück“, sagt Sophie F. gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten. Sie wohnt mit Kurt F., Ferdinand S., Sofia O. und Justus W. in der WG. Sophie F. ist im November 2020 eingezogen, ursprünglich war der Mietvertrag auf anderthalb Jahre befristet. Doch es gab immer wieder Verlängerungen – zuletzt bis Ende Februar. Kurz zuvor hatte die WG plötzlich einen Aufhebungsvertrag erreicht – die Bewohner weigerten sich, diesen zu unterschreiben. Ausziehen wollen sie nicht.
WG verweigert Auszug
Um die Befristung eines Mietvertrags wirksam zu machen, braucht es einen Grund, zum Beispiel eine bevorstehende Sanierung. Im Vertrag der WG heißt es: „Der Vermieter wird das Gebäude abreißen und einen Büro-Neubau erstellen oder das Gebäude vollständig entkernen und vollständig neu aufbauen/gestalten.“ Zwar sei eine Sanierung vonseiten der Vermieter angekündigt und geplant worden, konkrete Daten gebe es aber nicht, sagt Sophie F.

Auf Anfrage beim Bezirksamt Eimsbüttel heißt es, es liege weder ein Bauantrag noch eine Baugenehmigung beim zuständigen Amt vor. Bekannt sei, dass ein Bauprojekt geplant werde. Zwischen 2021 und 2025 haben die Vermieter im Unternehmen Urbainity fünf Anträge gestellt, für die das Bauamt jeweils Vorbescheide ausgestellt hat.
Bald „Serviced Apartments“ im Sorthmannweg?
Darin informiert Urbainity über Bauvorhaben auf dem Grundstück. Demnach sei vor einigen Jahren geplant worden, das Bestandsgebäude abzureißen und neu zu bauen. Im letzten Vorbescheid heißt es hingegen, dass saniert werden soll. Es sollen „Serviced Apartments“ eingerichtet werden – so der letzte Vorbescheid.
Das Unternehmen Urbainity hat sich zu einer Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten nicht geäußert.
Reagieren Vermieter mit Räumungsklage?
Urbainity hätte der WG einen Aufhebungsvertrag zugesendet, den wollte Sophie F. jedoch nicht unterzeichnen, sagt sie. Die WG hätte zum März ausziehen sollen und ihre Rechte als Mieter abgegeben, sagt sie.
Ende Februar hätten die Vermieter der WG mit einer Räumungsklage gedroht, so die WG. Diese wurden bislang nicht in die Tat umgesetzt. Ferdinand S. sagt, es werde eine „Drohkulisse“ aufgebaut. Die WG sehe sich jedoch im Recht, zu bleiben, da es noch keine konkreten Sanierungsvorhaben gebe. Das begründen die WG-Bewohner auch damit, dass die anderen Parteien im Haus noch keine Kündigung erhalten hätten. Neben der WG befinden sich im Gebäude ein Büro und eine Lagerhalle.
Unklare Lage am Sorthmannweg
Sophie F. vermutet: Die Vermieter könnten die etwa 150 Quadratmeter große Wohnung renovieren wollen, um anschließend eine höhere Miete zu verlangen. Ähnliches vermutet wohl auch die Eimsbütteler Linksfraktion. Es wirke wie eine Vorgehensweise, um anschließend teurer zu vermieten, heißt es in einer Kleinen Anfrage.
Der Frust der WG hat neben der fragwürdigen Befristung weitere Gründe. Nach Angaben der Bewohner kümmern sich die Vermieter nicht um die Wohnung: Ein Überdach auf dem Balkon sei zusammengebrochen, eine Reparatur habe es nicht gegeben. Zudem gebe es jeden Winter ein Schimmelproblem, das nicht behandelt werde. Das Argument der Vermieter sei, dass das Haus bald abgerissen beziehungsweise die Wohnung saniert werde, sagt Sophie F.
„Wollen uns nicht rausekeln lassen“
Für sie und ihre Mitbewohner stehe fest: „Wir wollen uns nicht rausekeln lassen.“ Dazu motiviert habe sie auch ein Fall in der Bismarckstraße. Dort hatte sich ebenfalls eine WG geweigert, auszuziehen. Auch hier gab es Unklarheiten hinsichtlich einer geplanten Sanierung, die als Befristungsgrund fungierte.
Anderen Mietern, die sich in ähnlichen Situationen wiederfinden, raten die WG-Bewohner, einen Mieterschutzverein mit Rechtsschutzversicherung aufzusuchen. Außerdem sei es ratsam, die Miete weiterzuzahlen – so handhabe es auch die WG selbst.
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