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Barbara Strauß ist seit Anfang 2015 Koordinatorin für das ehrenamtliche Engagement im Bezirk Eimsbüttel. Foto: Bezirksamt Eimsbüttel

„Vermittler, Organisator und manchmal auch die Kotztüte“

Seit dem 1. Januar 2016 gibt es in jedem Hamburger Bezirksamt eine Vollzeitstelle für die Koordination von ehrenamtlichem Engagement. Barbara Strauß ist dafür seit über einem Jahr in Eimsbüttel zuständig. Sie spricht mit uns darüber, was die Verwaltung leisten kann und leisten sollte.

Von Gast

Eimsbütteler Nachrichten: Wie in allen Teilen Hamburgs sind 2015 auch in Eimsbüttel viele neue Flüchtlingsunterkünfte entstanden und Initiativen zur Unterstützung. Wie sehen Sie die aktuelle Lage hier im Bezirk?

Barbara Strauß: Wir haben die wunderbare Situation, dass mit jeder neuen Unterkunft auch neue Helfer hinzukommen. Sobald die Unterkünfte und die Bewohner hier sind, sind sie Teil unserer Stadtteile und wir damit auch verantwortlich. Das gilt insbesondere für die ehrenamtliche Unterstützung. Wir wollen keine Parallelwelt für Menschen mit Flüchtlingshintergrund schaffen, sondern integrativ arbeiten.

Eimsbütteler Nachrichten: Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Barbara Strauß: Meine Aufgabe ist es, Strukturen zu schaffen, ein Netzwerk aufzubauen und Helfer mit Informationen zu versorgen. Als ich anfing, habe ich viel Zeit am Telefon verbracht und mit Interessierten und Ehrenamtlichen gesprochen. Mir sind Fragen auf den Tisch geflogen, auf die ich so schnell keine Antwort hatte. Das musste ich erst einmal herausfinden. Ich habe viel recherchiert und Informationen weitergegeben. Im Moment bin ich vordergründig mit Informationsveranstaltungen beschäftigt. Regelmäßige Treffen mit den Initiativen sollen außerdem helfen, dass Angebote von Ehrenamtlichen in einem Stadtteil sich nicht überschneiden.

Eimsbütteler Nachrichten: Wo sehen Sie Schwierigkeiten? Gibt es genügend finanzielle Mittel?

Barbara Strauß: Geld war in Eimsbüttel nie ein Problem. Die Ehrenamtlichen benötigen in den seltensten Fällen Geld. Sie brauchen Räume, Fachinformationen, Fortbildungen und auch immer mal eine gemeinsame Linie. Eine meiner Aufgaben ist es, mit den Ehrenamtlichen vor Ort und den Teams in den Einrichtungen diese zu entwickeln. Das ist manchmal schwierig, weil die einen schon in den Startlöchern stehen und mit den Bewohnern arbeiten wollen, während die Mitarbeiter der Träger mit Organisation und Aufbau beschäftigt sind. Ich kann dann von außen als neutrale Größe einfliegen, mit den Aktiven Gespräche führen, Verständnis füreinander aufbauen und sie so besser zusammenbringen. Ich bin Vermittler, Organisator, Sprachrohr und manchmal auch einfach nur die Kotztüte.

Eimsbütteler Nachrichten: Die Verwaltung wird oft mit dem Vorwurf konfrontiert, Entscheidungen zu langsam zu treffen und zu spät zu handeln. Als immer mehr Menschen nach Deutschland und Hamburg geflohen sind, hätte das Bezirksamt nicht früher reagieren müssen?

Barbara Strauß: Zwischenzeitlich kamen 350 Flüchtlinge am Tag. Man muss sich klarmachen, wie komplex so eine Verwaltungsführung ist und was es bedeutet, Personal zu finden, die Aufgabe zu beschreiben, den Unterschieden in den Bezirken gerecht zu werden, Kommunikationslinien aufzubauen – das alles dauert einfach. Eine Verwaltung ist ein großer schwerer Tanker und dafür haben wir uns schon extrem schnell gedreht – mir ist jedenfalls schwindelig. Aber wir sind dabei, uns aufzustellen und es wird mit jedem Tag besser. Man wird aber nicht verhindern können, dass es auch mal hakt.

Eimsbütteler Nachrichten: Eigentlich sollte ehrenamtliche Unterstützung zusätzlich zur staatlichen Organisation bestehen. Derzeit ist sie zur Bewältigung der Situation vielmehr das Fundament, oder?

Barbara Strauß: Sie brauchen sich nur die Kleiderversorgung anzugucken. Das ist eigentlich eine Rechtsleistung, die wir staatlich organisieren müssten. Es läuft aber fast komplett ehrenamtlich. Ohne dieses Engagement hätte Hamburg das nicht geschafft. Wir müssen viel mehr für die strukturelle Unterstützung tun und flexibler darin werden, Räumlichkeiten für Kleiderkammern anzumieten und zur Verfügung zu stellen. Wenn schon jemand die Arbeit leistet, müssen wir wenigstens die Struktur stellen. Wir müssen dafür sorgen, dass Angebote in einer dafür angebrachten Umgebung stattfinden können. Deutschunterricht in der Ecke einer Wohn-Tennishalle ist kein angemessener Rahmen.

Eimsbütteler Nachrichten: Was ist ihr nächstes großes Projekt?

Barbara Strauß: Ich arbeite an einer bezirklichen Kleiderkammer. Es hat wenig Sinn, dass jeder kleine Räume anmietet und Spenden organisiert. Man müsste es von der Logistik und Struktur größer aufstellen und ein gemeinsames Lager aufbauen – so vereinen wir Erfahrungen und Manpower. Vor Ort in den Stadtteilen sollen Sammelstellen bestehen bleiben. Denn das erleben wir oft: Die Menschen wollen dort spenden, wo sie leben.

Das Gespräch führten Lina Beling und Francesca Köslin.

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