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Wohnungen für Flüchtlinge in Eidelstedt

In diesem Jahr wird es 114 neue Wohnungen für Flüchtlinge am Eidelstedter Duvenacker geben. Das Bezirksamt Eimsbüttel informierte am Mittwochabend über den geplanten Bau. Bleibt die Skepsis?

Von Laura Wesseler

Die große Aula des Gymnasiums Dörpsweg ist voll. Der Einladung des Bezirksamts Eimsbüttel sind viele Bewohner aus Eidelstedt gefolgt. Es geht um den geplanten Wohnungsbau auf einem städtischen Grundstück zwischen der Straße Duvenacker und der Autobahn A7. Der Senat hatte im Oktober letzten Jahres ein Konzept zum Bau tausender zusätzlicher Sozialwohnungen in allen Hamburger Bezirken beschlossen. Das Besondere: In den ersten Jahren werden dort Flüchtlinge untergebracht.

In Eidelstedt fiel die Wahl auf die Freifläche am Niendorfer Gehege. Bis Ende des Jahres sollen dort Wohnungen im Schnellverfahren hochgezogen werden. Geplant sind 114 Wohnungen, die sich auf sechs Mehrfamilienhäuser verteilen. So soll Platz für etwa 600 Flüchtlinge geschaffen werden.

Vielen Bürgern ist es ein Anliegen, sich die Gelegenheit zum Gespräch nicht entgehen zu lassen. Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke präsentiert zusammen mit Vertretern des städtischen Wohnungsunternehmens Saga Gwg, des öffentlichen und sozialen Dienstleisters fördern und wohnen (f&W) und Karola Häffner vom Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung den aktuellen Stand des Bauvorhabens.

Planungsprozess

Sevecke bezeichnet die Unterbringung von Flüchtlingen in Massenunterkünften, Containern und Zelten als unverantwortlich: „Wir müssen reagieren, wenn in diesem Jahr wieder voraussichtlich 40.000 neue Bürger in unsere Stadt kommen. Und es ist unsere Aufgabe, diese Menschen vernünftig unterzubringen.“ Die Vertreterin der Saga Gwg Alexa Ahrens, beschreibt die Planungen konkreter: „Es werden 66 Ein-Personen-Wohnungen, 30 Wohnungen für jeweils drei Personen und 18 Wohnungen für vier Personen entstehen.“

Nach 15 Jahren soll es einen „Wohnungsmix“ geben, sodass nicht mehr nur ehemals Geflüchtete dort leben. Bis dahin mietet der städtische Betreiber fördern & wohnen die errichteten Wohngebäude und betreibt sie als öffentliche Unterkunft selbständig. Martin Leo von f&w betont, dass die Bewohner im Idealfall nicht 15 Jahre dort wohnen, sondern in der Lage sein werden, sich nach einer gewissen Zeit selbst eine Wohnung zu suchen. Während der Vorstellung sind Zwischenrufe und hämisches Gelächter zu hören.

„Hauptsächlich sollen Kriegsflüchtlinge in die Wohnungen ziehen, zudem sollen nicht mehr als 40 Prozent Alleinstehende dort untergebracht werden. Vorrang haben geflüchtete Familien.“ Martin Leo führt weiter an, dass es sich nicht um ein abgekapseltes Quartier nur für Flüchtlinge handeln soll, sondern Integration im Viertel an erster Stelle stehe. Dennoch gibt es in der anschließenden Diskussion Unmut.

Deutsche Wohnzimmer kennenlernen

In Sekunden bildet sich eine Schlange hinter dem aufgestellten Mikrofon. Die Angst vor einem Wohnblock mit Parallelgesellschaft ist groß. Damit einher gehen Befürchtungen zur sozialen Infrastruktur und dem Bauvorhaben als Ganzes.“Ich frage mich, warum alle Flüchtlinge plötzlich nach Eidelstedt geschickt werden“, beginnt ein Mann. „Wir sind das Viertel, wo besonders viele sozial Schwache wohnen und haben sowieso schon eine hohe Migrantenquote. Es dauert nicht lange, bis die in letzter Zeit häufig gehörten Schlagwörter fallen. Von „Ghettos“ ist die Rede, von Brennpunkten und von Flüchtlingen, die sich in der Wohnung ihr eigenes Afghanistan oder Syrien schaffen. „Die bewegen sich doch nur wieder in ihrer Community, wie sollen sie da mal ein deutsches Wohnzimmer kennenlernen?“, fragt ein Redner unter Applaus. Zudem tauchen viele Fragen zur baulichen Gestaltung auf, insbesondere wenn es um Lärmschutz und die Gestaltung des Wohnviertels geht. Dazu verweist Karola Häffner vom Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung auf eine öffentliche Plandiskussion Ende März.

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Daniela Bohnet von der Bürgerinitiative. Foto: Laura Wesseler

Daniela Bohnet ist Sprecherin einer Bürgerinitiative gegen den Wohnungsbau am Duvenacker. Sie befürchtet Überforderung im Viertel, weil nicht genug Kindergärten, Schulen und Sportplätze zur Verfügung stünden. „Ich verstehe nicht, warum die Unterkünfte nicht mehr verteilt werden. Das ist eine viel zu große Konzentration auf Eidelstedt. „Ich bin pro Flüchtlinge, aber was machen wir beispielsweise mit traumatisierten Kindern, die unsere Sprache nicht verstehen? Ich brauche konkrete Lösungsansätze und keine Schönfärberei!“

Ein Anwohner macht darauf aufmerksam, dass es menschlich sei Flüchtlinge aufzunehmen. Marco Kudzia, Abiturient am Gymnasium Dörpsweg, bemängelt dagegen eine irreführende Plakatierung für den sozialen Wohnungsbau: „Ich habe mich erst gefreut, dass es neue Wohnungen in Eidelstedt geben soll. Das Wort Flüchtling kam nämlich auf keinem der Plakate vor. Da wurden wir gezielt nicht informiert“, wirft er den Verantwortlichen vor. 

Die Forderung nach „Vermischung“ fällt oft an diesem Abend. „Warum können die Wohnungen nicht zu einem Teil für Flüchtlinge bereit gestellt werden und der andere Teil wird an Menschen auf der Saga-Warteliste vergeben?“ fragt ein Diskussionsteilnehmer. Die Erleichterungen im Bauplanungsrecht, wodurch ein Bauvorhaben viel schneller umgesetzt werden kann, gelten allerdings nur bei Flüchtlingsunterkünften. „Wenn wir von Anfang an auf Vermischung setzen, müssten wir ein normales Bebauungsvorhaben abwarten“, sagt Sevecke. Die Planungen befinden sich in der Entwicklungsphase, daher konnten auch nach mehr als zwei Stunden Diskussion die meisten Fragen nicht konkret beantwortet werden. 

Über den Termin der nächsten öffentlichen Plandiskussion im März informieren wir euch. 

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