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fullscreen 14 Kleingärten statt 52 Wohnungen – Teil 2
Das Haus an der Hagenbeckstraße 100 - 112. Foto: Fabian Hennig

Julius-Vosseler Siedlung

14 Kleingärten statt 52 Wohnungen – Teil 2

Um das Grundstück wieder in den “Stadtpark Eimsbüttel” zu integrieren und dort Kleingärten zu errichten, muss ein Haus an der Hagenbeckstraße abgerissen werden. Verloren gehen damit 52 preiswerte Wohnungen. Teil 2 der Serie über die Julius-Vosseler Siedlung.

schedule Lesezeit ca. 4 min.

Umgeben von Kleingärten, der Wolfgang-Meyer-Sportanlage und einem Studentenwohnheim liegt das Hagenbeckhaus. Ein schlichter Wohnkomplex, an den lange niemand mehr Hand angelegt hat. Seitdem die graue Vorhangfassade in den 1970er Jahren angebracht wurde, erklärt der ehemalige Bewohner Andreas Imhoff, sei der Altbaucharakter verlorengegangen. Dennoch hat er gerne dort gewohnt – für 15 Jahre. Die schönen Altbauwohnungen seien sehr günstig und angenehm zu bewohnen. Gut geschnitten, Holzdielen, Balkon zum Garten. Das sei heutzutage selten.

Im November 2015 erhält Andreas Imhoff einen Brief seiner Baugenossenschaft dhu: Das Haus, in dem er wohnt, soll abgerissen werden. Dort sollen Kleingärten entstehen. Im Betreff  steht „Planung für die Hagenbeckstraße 100-112.” Damit ist das Schreiben noch keine Kündigung, aber ausziehen muss Andreas Imhoff dennoch.

Bewohner wollen Abrisspläne nicht hinnehmen

Einige der Bewohner wollen die Abrisspläne nicht einfach hinnehmen. Andreas Imhoff ist einer von ihnen. Im Dezember 2015 wendet er sich mit seinem Nachbarn Peter Landversie in der Bürgerfragestunde des Stadtplanungsausschusses an die zuständigen Politiker.

Ihre dringlichsten Fragen: Warum gab es bislang noch keine Bürgerbeteiligung und weshalb wurden bereits Pläne für das Vorhaben entwickelt und herumgezeigt? Rüdiger Rust von der SPD antwortet, es sei nichts Unübliches, wenn bereits vor der Einleitung des Bebauungsplanverfahrens Gespräche geführt würden. Der CDU-Abgeordnete Frank-Walter Döblitz beendet die Bürgerfragestunde mit der Bemerkung, „dass es in jedem Fall ein geordnetes Bebauungsplanverfahren geben wird”. Imhoff und Landversie fühlen sich übergangen.

Eine Woche später in der Bezirksversammlung versucht Andreas Imhoff es erneut. Doch Rüdiger Rust unterbricht ihn mit der Bemerkung, die Frage sei bereits bei der Bürgerfragestunde des Stadtplanungsausschusses geklärt worden. Andreas Imhoff widerspricht, er habe keine Antworten erhalten. Imhoffs Anliegen kommt nicht zur Sprache.

Andreas Imhoff vor seinem ehemaligen Hauseingang an der Hagenbeckstraße 104. Foto: Fabian Hennig
Andreas Imhoff vor seinem ehemaligen Hauseingang an der Hagenbeckstraße 104. Foto: Fabian Hennig

Neue Stadtteile für die Bewohner

Die dhu bietet allen Mietern an, für den neuen Wohnkomplex vorgemerkt zu werden – auch ohne Berechtigungsschein. Bislang haben 20 Genossenschaftsmitglieder davon Anspruch genommen, neun Mietparteien wohnen aktuell noch im Haus. Ob die Hagenbeckbewohner eine Wohnung in der neuen Siedlung bekommen, muss individuell festgestellt werden, erklärt Jan Paul von der dhu.

Nach Auskunft von Andreas Imhoff liegt bei vielen Mietern die Einkommensgrenze knapp über dem Anspruch auf eine Sozialwohnung. Sie wären auf billige Wohnungen angewiesen – gerade im teuren Eimsbüttel. Zudem seien die meisten von der dhu angebotenen Wohnungen auch teurer und lägen nicht in Eimsbüttel, ist Andreas Imhoff verärgert.

Hamm und Hasselbrook statt Eimsbüttel

Für die Bewohner heißen die neuen Stadtteile Hamm, Barmbek-Süd und Hasselbrook – oder auch mal Niendorf. Ein Bewohner, der sich schnell bereit erklärt hat umzuziehen, hat eine neue dhu-Bleibe in Winterhude bekommen. Der Stadtteil sei nett und die Wohnung schön, erzählt er. Größer als vorher, aber teurer. Er wäre lieber in seinem altem Haus in Eimsbüttel geblieben.

Nach Einschätzung der dhu lohnt es sich nicht, das Wohnhaus an der Hagenbeckstraße zu sanieren. Deswegen wurde 2008 ein Antrag auf Neubebauung gestellt, der auch genehmigt wurde. Doch ein Jahr später tritt der Bezirk mit dem Vorschlag an die dhu heran, dieses Grundstück gegen das Grundstück an der Julius-Vosseler-Straße zu tauschen. Mit der Begründung, man wolle das Grundstück in den “Stadtpark Eimsbüttel” integrieren und dort Kleingärten errichten.

Öffentliche Planungsveranstaltung eskaliert

Ende Mai gab es eine öffentliche Plandiskussion zu dem Vorhaben. Mieter, Kleingärtner, Anwohner — der Großteil der Anwesenden kann die politischen Entscheidungen nicht nachvollziehen. Zudem wird aus dem Publikum Kritik an der Quantum Immobilien AG geäußert. In einem Beitrag spricht sich eine Anwohnerin gegen eine Zusammenarbeit des Bezirksamts Eimsbüttel mit Quantum aus. Diese sei nur am Profit, jedoch nicht an den Bedürfnissen der Stadtbewohner interessiert. In diesem Zusammenhang verweist sie auf andere Projekte von Quantum im Stadtgebiet.

Ein anderer Anwohner fragt, warum an das Haus an der Hagenbeckstraße abgerissen werden soll. Es sei zwar häßlich, biete aber preiswerten Wohnraum. Der Bauexperte vom Bezirksamt Kay Gätgens antwortet, dass die Bausubstanz des Hagenbeckhauses für eine Wohnnutzung nicht mehr tragbar sei. Deshalb solle das einzige Wohngebäude im Stadtpark Eimsbüttel nicht erhalten werden. Das Grundstück könne zur weiteren Entwicklung und Stärkung des Eimsbütteler Stadtparks beitragen. Daher solle auch kein Neubau auf dem Grundstück errichtet werden.

Auch Andreas Imhoff ist bei der Veranstaltung zu Gast. Er denkt nicht nur an sich, er hat eine andere Vision von Eimsbüttel im Kopf: Sein Vorschlag, ob man nicht einfach die gesamten Kleingärten sozialverträglich auflösen sollte, um am Rande des „Stadtpark Eimsbüttel” mehr Wohnungen zu schaffen und in der Mitte eine Parkanlage mit großem See für alle Eimsbütteler zu errichten, stößt auf wenig Verständnis. „Sie sind ja mutig”, entgegnet Kay Gätgens.

Keine weitere Planungsdiskussion

Eine weitere öffentliche Diskussion über das Planverfahren ist nicht vorgesehen. Dieser Wunsch war in der Bürgerfragestunde im letzten Stadtplanungsausschuss an die Politiker gerichtet worden. Rüdiger Kuhn von der CDU äußert sich im Ausschuss zu der damaligen Planungsveranstaltung und bringt damit das generelle Problem mit den Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten auf den Punkt: “Es ging gar nicht mehr darum, an diesem Bauvorhaben Korrekturen vorzunehmen, sondern es ging nur darum, das Verfahren zu verhindern.” Eine Beteiligung von Seiten der Bürger scheint nur korrektiv zu sein, politische Entscheidungen können nicht beeinflusst werden.

In der “Vereinbarung zwischen Senat und Bezirken zum Wohnungsneubau” steht:

“Die Bezirke stellen bei Planungs- und Bauvorhaben frühzeitig, umfassend und gegebenenfalls in Alternativen mit den möglichen Folgen der Planung in geeigneter Form die umfassende Information und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger nach § 3 BauGB sicher.”

Bei der Plandiskussion im Mai fühlten sich viele Teilnehmer von der Politik übergangen, weil sie zu spät über das Bauvorhaben informiert wurden. Das wurde dort deutlich.

Mittlerweile wohnen Andreas Imhoff und Peter Landversie nicht mehr in der Hagenbeckstraße. Andreas Imhoff hat eine Wohnung in Winterhude bekommen. Sein Ziel ist es, wieder nach Eimsbüttel zu ziehen.

Lesen Sie morgen Teil 3: “Grünfrass in Eimsbüttel”. Was passiert mit den Kleingärtner? Gestern erschien der erste Teil “Architektenentwurf für die Julius-Vosseler Siedlung”. 

 

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