Architektenentwurf für die Julius-Vosseler Siedlung – Teil 1
Der Neubau an der Julius-Vosseler-Straße. Quelle: Quantum AG
Julius-Vosseler Siedlung

Architektenentwurf für die Julius-Vosseler Siedlung – Teil 1

Vor einem Jahr wurden die ersten Pläne für die Julius-Vosseler-Siedlung in Eimsbüttel öffentlich bekannt. Seitdem gab es viel Protest, weil für das Bauvorhaben Mieter und Kleingärtner umgesiedelt werden müssen. In einer dreiteiligen Serie befassen wir uns mit den Auswirkungen des Bauvorhabens. Heute: Was dort gebaut werden soll?

Seit letzter Woche steht der Sieger des Architektenwettbewerbs für die Julius-Vosseler Siedlung in Eimsbüttel fest. Die Jury hat sich  einstimmig für den Entwurf des Hamburger Büros SEHW Architekten entschieden. Das nach eigenen Angaben familiengerechte Neubauprojekt sieht eine Kita, einen Spielplatz und einen begrünten Innenhof vor. Das zentrale Motiv des Entwurfs ist der weitläufige Innenhof mit viel Platz für Kinder und eine attraktive Bepflanzung, heisst es in der Mitteilung.

„Diese von Verkehrslärm befreite, fast parkähnliche, lichte und freie Mitte des Quartiers bietet den Bewohnern eine hohe Aufenthaltsqualität inmitten urbaner Dichte“, erläutert Juan Hidalgo, geschäftsführender Gesellschafter der SEHW Architekten, die Planung. Die Siedlung ist im Süden wie im Norden öffentlich zugänglich. Und Frank Seeger, Vorstand der Baugenossenschaft dhu, erklärt: „Der Entwurf berücksichtigt die Interessen aller – auch die der direkten Nachbarschaft“. Der Abstand zur gegenüberliegenden Beethovensiedlung an der Julius-Vosseler-Straße wird mit 35 Metern außergewöhnlich großzügig bemessen.

Auf dem Entwurf sind die Häuser an der Hagenbeckstraße noch zu sehen. Quelle: Quantum AG
Auf dem Entwurf sind die Häuser an der Hagenbeckstraße noch zu sehen (linker Rand). Quelle: Quantum AG

Die geplanten 20 Stadthäuser sollen drei Geschosse umfassen und sich architektonisch an der benachbarten Bebauung orientieren. Die Kita und ein Spielplatz sollen am südlichsten Punkt des Areals errichtet werden. Dort sieht die Planung vier- bis fünfgeschossige Gebäude vor. Entlang der Bahnlinie sollen Neubauten mit überwiegend drei bis vier Geschossen und einem Staffelgeschoss entstehen. Wie allerdings im letzten Stadtplanungsausschuss dargelegt wurde, prüft das Architektenbüro derzeit noch die Möglichkeit, ob nicht auch sechsgeschossig gebaut werden kann. Der Baustart ist für spätestens Ende 2018 vorgesehen, die Bauzeit wird etwa zwei Jahre betragen.

Konsequenzen für Kleingärtner und Bewohner an der Hagenbeckstraße

Um das Bauvorhaben durchzuführen, sollen die 34 Mitglieder des Kleingartenvereins “Gartenfreunde Mühlenkoppel e.V.” umgesiedelt und ein Mietshaus mit 52 Wohnungen an der Hagenbeckstraße abgerissen werden. Auf deren Gelände soll eine der Ausgleichsflächen für die Kleingärtner entstehen. Allerdings nur für 14 Parzellen, die restlichen 20 Parzellen sollten in ersten Planungen auf dem Gelände an der Niendorfer Straße 99, auf dem derzeit noch eine Flüchtlingsunterkunft steht, errichtet werden. Nach neueren Planungen wird der fußläufig entfernte Kleingartenverein Vereinigung Eimsbütteler Gartenfreunde von 1919 e.V. um 20 Parzellen verdichtet und modernisiert.

Ursprünglich wollte die dhu das Mietshaus abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Der Bezirk Eimsbüttel will das Grundstück allerdings der anliegenden Parkfläche zuführen und machte der dhu ein Angebot über den Rückkauf mit der Option auf einen Teil des Geländes an der Julius-Vosseler-Straße. Im Gegenzug sollen auf der Areal der „Gartenfreunde Mühlenkoppel e.V.” 220 Wohnungen entstehen.

Die Umsiedelungen für die neue Wohnungsbau an der Julius-Voesseler-Straße. Foto: Screenshot Quantum AG
Die Umsiedelungen für die neue Wohnungsbau an der Julius-Voesseler-Straße. Foto: Screenshot Quantum AG

Drittelmix an Sozialwohnungen

Die Hälfte der 220 neugeschaffenen Wohnungen sind sozial geförderte dhu-Genossenschaftswohnungen, die andere Hälfte freifinanzierte Miet- und Eigentumswohnungen, die von dem zweiten Bauherrn Quantum umgesetzt werden. Der vom Senat beschlossene Drittelmix an Sozialwohnungen wird damit eingehalten. Wie viele Miet- und Eigentumswohnungen entstehen, ist nicht bekannt.

Die Strategie zur städtischen Nachverdichtung nennt der Bezirk „intelligente Flächenrochade.” Ein Flächentausch wird in dem Wohnungsbauprogramm 2013/2014 für den Bezirk Eimsbüttel damit begründet, „dass nicht jede Nutzung an jedem Standort möglich oder auch sinnvoll ist.” Ob es sinnvoll ist, das sehr verdichtete Gebiet hinter der Lenzsiedlung weiter zuverdichten und dafür ein Mietshaus mit 52 Wohnungen abzureissen, ist fraglich.

Weitere Informationen

Für weitere Informationen und einer Übersicht zu dem Bauvorhaben “Julius-Vosseler Siedlung” haben Quantum und die dhu eine Internetpräsenz eingerichtet. 

Lesen Sie morgen, Samstag 26.11.2016, Teil 2: “14 Kleingärten statt 52 Wohnungen”. Was passiert an der Hagenbeckstraße? Am Sonntag folgen im dritten Teil “Grünfrass in Eimsbüttel” die Umsiedelungspläne für den Kleingartenverein Gartenfreunde Mühlenkoppel e.V. Trotz 54 neuer Kleingartenparzellen wird nach dem Bauvorhaben die eigentliche Grünfläche kleiner sein als zuvor.

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