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Zum Jahresbeginn haben die Eimsbütteler Nachrichten Christian Zierau zum Gespräch im Bezirksamt Eimsbüttel getroffen. Foto: Rainer Wiemers
Zum Jahresbeginn haben die Eimsbütteler Nachrichten Christian Zierau zum Gespräch im Bezirksamt Eimsbüttel getroffen. Foto: Rainer Wiemers
Interview

Er ist der Neue im Bezirksamt Eimsbüttel: Was sich mit Christian Zierau ändern soll  

Eimsbüttel hat einen neuen Bezirksamtsleiter – Christian Zierau hat die Stelle zum Jahresbeginn angetreten. Welche Probleme es in der Verwaltung zu lösen gilt und warum er auf Zuversicht setzt.

Von Julia Haas

Christian Zierau ist 50 Jahre alt, Vater von drei Töchtern und der neue Bezirksamtsleiter von Eimsbüttel. Aktuell pendelt er von Kiel nach Hamburg – dort war er zuletzt als Stadtrat tätig. Im Laufe des Jahres will er nach Eimsbüttel umziehen.

Eimsbütteler Nachrichten: Eine Woche im Bezirksamt Eimsbüttel liegt hinter Ihnen. Wie ist Ihr erster Eindruck?

Christian Zierau: Das Wetter war natürlich sehr präsent – auch politisch. Alle sind damit konfrontiert, wie sie von A nach B kommen und, dass es etwas langsamer gehen muss als sonst.

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Im Laufe des Jahres will Zierau nach Eimsbüttel ziehen. Foto: Rainer Wiemers
Im Laufe des Jahres will Zierau nach Eimsbüttel ziehen. Foto: Rainer Wiemers

„Die Verwaltung hat auch ohne mich funktioniert“

Ansonsten gibt es kaum etwas Schöneres, als neu zu starten. Menschen, Themen, Strukturen und Orten offen begegnen und sie kennenlernen. Politisch ist Eimsbüttel sehr spannend und durch den neuen Koalitionsvertrag kommt jetzt Dynamik rein.

In den vergangenen Jahren gab es keine gewählte Bezirksamtsleitung. Wie ist die Stimmung in Verwaltung und Bezirksversammlung?

Die Verwaltung hat auch ohne mich funktioniert – und das in guter Qualität. Hier wird nach meinem ersten Eindruck werteorientiert, modern und effizient gearbeitet. Gleichzeitig gibt es Herausforderungen, etwa wie im letzten Jahr beim Elterngeld oder bei der Ausstellung von Geburtsurkunden. Da müssen wir dranbleiben, damit das Kerngeschäft zuverlässig läuft.

Was die Bezirksversammlung betrifft, fühle ich mich durch die hohe Zustimmung bei meiner Wahl im Oktober breit getragen. Ich möchte Brücken bauen – zwischen Verwaltung und Politik, zwischen den Fraktionen sowie zum Senat und allen Akteuren im Bezirk.

Von Kiel nach Eimsbüttel – trotz Wahlamt

Sie waren zuletzt Stadtrat in Kiel. Wie kam der Kontakt nach Eimsbüttel zustande?

Hamburg ist Teil meines Lebens. Ich habe von 2008 bis 2016 in Hamburg beim Rechnungshof und in zwei Behörden gearbeitet und kenne hier viele Menschen.

Als die Anfrage aus Eimsbüttel kam, habe ich mich sehr gefreut. Der Bezirk ist lebendig, sogar etwas größer als Kiel und Berlin-Spandau, wo ich aufgewachsen bin. Auch ist Eimsbüttel sehr vielfältig – von verdichteten Innenstadtquartieren bis zum Stadtrand in Schnelsen. Größe und Mix passen zu mir und meinen Erfahrungen.

Fiel Ihnen die Entscheidung leicht?

Ganz leicht war sie nicht. Kiel ist mir ans Herz gewachsen und ich wurde erst 2024 wiedergewählt. Wer ein Wahlamt annimmt, geht eine Bindung ein. Kiel befindet sich zudem im Umbruch, den ich weiter hätte mitgestalten können. Ich habe dann aber nicht lange gezögert, denn eine solche Anfrage aus Hamburg kommt nicht alle Tage, und es war für mich die Möglichkeit, quasi vom Co-Trainer zum Chef-Trainer zu wechseln.

Probleme sind komplex

Welche Themen werden 2026 für Eimsbüttel besonders wichtig?

Auch hier sorgen sich viele Menschen wegen steigender Preise und was alles in der Welt passiert. Gerade jetzt müssen gesellschaftlicher Zusammenhalt und Zuversicht ganz oben auf der Agenda stehen. Wir müssen unsere Demokratie stärken und zugleich deutlich machen, dass viele Themen nun mal komplex sind. Emotionen und einfache Antworten bekommen schnell Aufmerksamkeit, aber Lösungen bedürfen einer sorgfältigen Analyse und oft einer längeren Aushandlung.

Das zeigt sich auch beim Schnee: Viele beklagen pauschal, dass es nicht funktioniert, oder zeigen auf andere. Dabei gibt es unterschiedliche Akteure und Zuständigkeiten. Eigentümer, Mieter, Universität, Schulen, beauftragte Firmen und am besten trägt einfach jeder dazu bei, wie er kann oder verpflichtet ist.

Ja zu Olympia – aber …

2026 ist Olympia Thema. Sport prägt mich stark. In Eimsbüttel gibt es viele aktive Sportvereine, die nicht nur für Gesundheit, sondern auch für Integration sorgen. Das müssen wir fördern.

Für mich persönlich ist die Wohnungssuche ein Thema. Ich will noch in diesem Jahr nach Hamburg ziehen, aber eine Wohnung zu finden, ist schwer. In der ganzen Stadt, aber auch vor allem in Eimsbüttel müssen wir weiter bezahlbaren Wohnraum schaffen. Gleichzeitig brauchen wir attraktive Grünflächen und funktionierende Verkehrsräume. Es wird in hohem Maße darum gehen, abzuwägen und zu entscheiden – nicht nur in 2026, sondern während meiner gesamten Amtszeit. 

Sie sind parteilos und vertreten keine politische Agenda. Wie stehen Sie persönlich zu Olympia in Hamburg?

Ich persönlich halte Olympia in Hamburg für eine gute Sache. Entscheidend für Eimsbüttel ist aber, dass nicht nur der Spitzensport profitiert, sondern auch der Breitensport. Die großen, weltweit agierenden Sportorganisationen sehe ich kritisch – oft steht der Kommerz im Vordergrund. Sollte Olympia nach Hamburg kommen, sollten wir Nachhaltigkeit und langfristigen Nutzen berücksichtigen.

„Natürlich lässt sich nicht auf Knopfdruck alles umgestalten“

Große Baustellen wie Fernwärmeleitung und U5 sorgen für Unmut. Welche Rolle spielt das Bezirksamt?

Viele unterstützen die übergeordneten Ziele – etwa eine nachhaltige Wärmeversorgung oder neue Mobilitätsangebote –, wollen aber keine Baustelle vor der Haustür. Hinzu kommt die Belastung durch mehrere parallele Großprojekte, besonders für Gewerbetreibende.

Für mich sind zwei Punkte entscheidend: Erstens eine frühzeitige, vorausschauende Kommunikation. Wir dürfen nicht erst reagieren, wenn Probleme auftreten. Zweitens müssen wir abstrakte Ziele konkreter rüberbringen. Nachhaltige Wärmeplanung bedeutet eine signifikante CO₂-Reduktion, zukunftsfeste Versorgung und oft auch günstigere Energie.

Ein großer Streitpunkt sind Verkehrsräume. Oft wird der Wert dieser Räume zu wenig gesehen, ein Blick in andere europäische Städte hilft eindrucksvoll. Natürlich lässt sich nicht auf Knopfdruck alles umgestalten, aber ich bin auch hier, da es in Hamburg attraktive Pläne gibt, Stück für Stück etwas zu bewegen. 

Zierau: Es heißt oft, der Staat funktioniere nicht

Im Gespräch erzählt Zierau, wie er mit Interessenskonflikten umgeht. Foto: Rainer Wiemers
Im Gespräch erzählt Zierau, wie er mit Interessenskonflikten umgeht. Foto: Rainer Wiemers

Wie gehen Sie mit diesen Interessenkonflikten um?

Man kann es nicht allen recht machen. Aber Beteiligung und transparente Information schaffen Verständnis. Gleichzeitig braucht es unterschiedliche Lösungen – in Stellingen andere als im Kerngebiet. Das ist aufwendig, aber machbar.

Welche Rolle kann das Bezirksamt für Zusammenhalt und Zuversicht spielen?

Es heißt oft, der Staat funktioniere nicht. Dabei gibt es viele einfache Möglichkeiten, das Gegenteil zu zeigen. Saubere Straßen und Parks zum Beispiel – ausreichend Mülleimer und Grünpflege sind kein hoher Aufwand, haben aber eine große Wirkung. Hier sollte man nicht sparen, sondern mehr machen.

Eine moderne Verwaltung

Auch ist wichtig, stärker sichtbar zu machen, dass staatliches Handeln jetzt auch digital gut funktioniert. Hamburg war und ist dafür immer schon ein gutes Beispiel. Mein Rat: Probiert es aus und nutzt diese Angebote!

Ganz elementar sind für mich auch alle Mitarbeitenden, die den Staat repräsentieren und gerade in diesen Zeiten viel zum Gelingen beitragen können.

„Unsere Gesellschaft ist vielfältig – das sollte sich auch in der Verwaltung widerspiegeln“

Was sind für Sie die Grundpfeiler einer funktionierenden Verwaltung?

Es gibt nicht mehr den Plan, der die nächsten Jahrzehnte funktioniert. Wichtig ist, bestehende Strukturen immer wieder zu überprüfen und anzupassen. Die fachlichen Silos müssen wir knacken und mehr übergreifende Lösungen schaffen. In Kiel haben wir zum Beispiel mit einer FLEX:Unit als mobile Einsatzeinheit gezeigt, wie Innovation in Verwaltung geht und praktisch wirksam ist.

Außerdem müssen wir uns noch stärker für Quereinstiege öffnen. Unsere Gesellschaft ist vielfältig – das sollte sich auch in der Verwaltung widerspiegeln.

Und Kommunikation müssen wir immer zeitgemäß mitdenken. Amtliche Bekanntmachungen am Eingang erreichen heute kaum noch jemanden. Wir müssen auf Social-Media mitreden, brauchen immer wieder neue Formate und Gesprächsangebote.

Hoffnung auf gute Debatten und interfraktionelle Lösungen

Das Verhältnis zwischen Bezirksversammlung und Bezirksamt war zuletzt nicht immer spannungsfrei. Was haben Sie sich vorgenommen?

Ich möchte zunächst ankommen, zuhören und verstehen. Mein Eindruck ist, dass die Verwaltung stabil aufgestellt ist und die Bezirkspolitik mit großer Mehrheit progressiv unterwegs ist. Gleichzeitig werden sich alle daran gewöhnen müssen, dass es mit mir jetzt jemanden gibt, der sich einmischt.

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Weitere Informationen

Der geschlossene Koalitionsvertrag ist dabei eine sehr gute Arbeitsgrundlage und wird zu mehr Beschlüssen führen. Bezirkspolitik ist in Hamburg die kommunale Ebene und damit ausdrücklich keine Landespolitik. So hoffe ich auf viele gute Debatten und möglichst viele interfraktionelle Lösungen.

Nicht nur streiten, sondern auch Kompromisse finden

Wie sehen Sie Ihre Rolle dabei konkret?

Ich möchte Zuversicht, verbindliche Kommunikation und Umsetzungsstärke einbringen. Wir sollten mehr darüber sprechen, was Eimsbüttel in der Zukunft braucht. Da der politische Wettbewerb hart ist, braucht es Raum für unterschiedliche Positionen der Fraktionen. Vielleicht gelingt es mir, diese stärker zusammenzuführen. Für mich bedeutet Politik nicht nur Streit, sondern vor allem gute Kompromisse zu finden. Dafür müssen wir miteinander reden und menschlich zugewandt die Lösungen aushandeln.


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