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Früher war sie Professorin für "Interior Design", heute entwickelt sie "CityCaddys": Elke Jensen. Foto: Rainer Wiemers
Früher war sie Professorin für Interior Design, heute entwickelt sie "CityCaddys": Elke Jensen. Foto: Rainer Wiemers
Magazin #26

Elegant ausrollen

Die 72-Jährige Start-up-Gründerin Elke Jensen hat den „CityCaddy“ entwickelt, damit man stilvoll alt werden kann. Auch in der Öffentlichkeit. Und hat viel dabei gelernt, auch über alte, eitle Männer.

Von Christian Litz

Sie wirbelt herum, spricht schnell in ihr Handy, lächelt herüber, nickt, bleibt in Kontakt, trotz des Problems am Telefon. Alles geht schnell und ganz leicht, nichts wirkt anstrengend. Elke Jensen hat Spaß.

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Sie ist 72 Jahre alt, gerade noch erzählte sie von ihrem grauen Star und der kommenden Operation und war auch da guter Laune. „Es macht unheimlich Spaß.” Sagt sie so, dass keinerlei Zweifel aufkommen. Die Produktdesignerin hat ein Start-up gegründet und bietet jetzt CityCaddys an.

Dies ist die Geschichte einer Frau, die in die Zukunft gedacht hat, Spaß haben will und dabei die menschliche Eitelkeit eingeplant hat. Eine Frau, die ein Produkt entwickelt und eine Firma gegründet hat. Dies ist dazu eine Geschichte für Leute, die stilvoll alt werden wollen.

„Hingucker“

CityCaddys, das sind elegante Fahrzeuge, die Funk­tionen eines Einkaufstrolleys haben und auch die eines Rollators. Aber schick aussehen: geschwungene Bögen, schöne Formen, bunte Ledertaschen, ein ovaler Griff mit Leder bezogen, der aussieht wie ein verkleinertes Ferrari-Lenkrad, keinerlei Schnickschnack. „Hingucker”, sagt sie.
Sieben Caddys stehen bereit zur Auslieferung, mit roten, grünen, blauen Griffen, mit roten, grünen, blauen Ledertaschen. An einem Caddy hängen zwei Taschen rot und blau. Die Kundin konnte sich nicht entscheiden, also bekommt sie zwei Farben, damit sie sich entscheiden kann.

Elke Jensen lacht derweil und organisiert den Vertrieb am Telefon. In den Pausen erklärt sie: „Die Caddys füllen eine Lücke, sie verbrämen Gebrechlichkeit.” Ein Telefonat und weiter: „Das elegante Tragen, man, frau schafft es einfach nicht mehr.”

Mit dem CityCaddy könnte man tanzen

Die Jungunternehmerin steht in der Bürogemeinschaft in der Heinrichstraße im Süden Eimsbüttels, redet wie ein Sturm. Dabei ist sie präzise, kein Wort zuviel, keine Nebensächlichkeiten. Spannende Thesen und Selbstverständlichkeiten, die aus ihrem Mund neu klingen: „Auch im Alter verlässt einen die Eitelkeit nicht. Mann oder Frau sieht sich selbst immer ein bisschen frischer als die anderen.” Die Gefährte schreien es laut heraus: Eleganz, Stil, Grandezza, Prada, Schönheit, Louis Vuitton, Lässigkeit, Bottega Veneta. Vorne sind Doppelräder, die sich leicht drehen, bestmögliche Kugellager. Mit so einem CityCaddy könnte man in der Disco tanzen.

Fotos: Rainer Wiemers

Die Fahrzeuge sind nicht gerade günstig, fast 1.000 Euro kostet die rollende Eleganz je nach Ausführung. Das ist Luxusklasse. Dennoch: „Ans Geld darf man nicht denken bei sowas.”

„Sonst fliegt uns die Welt um die Ohren”

Sie hat sechs Jahre entwickelt. Gleich nachdem sie als Professorin für Interior Design an der Akademie für Mode und Design in Hamburg in Rente ging, hat sie losgelegt: „Ich hab mir da viel Arbeit an Land gezogen.” Das Entwerfen war nicht so das Problem, eher die Produktion der Prototypen. Da musste sie lange suchen, denn „es rentiert sich für Firmen kaum, wenn ich eine 50er-Charge will”. Neuentwicklungen kosten Firmen und Werkstätten erstmal richtig Geld ohne zu wissen, was danach kommt. Die Firmen sind dann mit ins Risiko gegangen, sagt sie. Zum Glück.

Corona hat gebremst und zwar ordentlich. „Pro­duktions­­stopp”, sagt sie und lacht, als sei das lustig gewesen. Dazu kamen ihre Ansprüche: „Durabel, reparabel, nachhaltig.” Das ist das Motto. Den Stahl könne man verschrotten, sie habe sich deshalb gegen das leichtere Carbon entschieden. „Ich bin durchaus interessiert an neuen Materialien, aber bei Carbon weiß ich nicht, wie kriegt man das wieder aus der Welt?” Nachhaltigkeit sei wichtig, es sei sowas wie eine Lebenshaltung. Sie lächelt: „Sonst fliegt uns noch die Welt um die Ohren.”

Also entstehen die City­Caddys in Wedel. Die Stahl­rohlinge kommen aus Tschechien. Stahl kann man leicht wieder einschmelzen. Täschner-Arbeiten werden in Süddeutschland erledigt. Es gibt Zwischenteile, besondere Schrauben, Kleinteile. Es sei „erstaunlich viel Arbeit”.

Elke Jensen hat einen Platz in einer schicken Fotografen-Bürogemeinschaft, „ich bin das älteste Mitglied der Bürogemeinschaft und das jüngste Mitglied, erst seit Juli dabei”.

Elke Jensen in ihrer Bürogemeinschaft in der Heinrichstraße. Foto: Rainer Wiemers

In CityCaddy haben zehn Investoren Geld rein gesteckt. „Ein Drittel gehört mir nicht mehr.” Aber sie sei der Motor des Ganzen und halte den Laden zusammen. Sie seien eine Mannschaft, eine Frauschaft, „da sind Freundschaften entstanden”.

„Das muss laufen, das ist kein Hobby”

Nicht mit dem Einzelhandel, denn „der braucht jede Menge Marge”. Deshalb könne sie nicht so klassisch in den Handel gehen. Dann würde ein CityCaddy mindestens 1.500 Euro kosten, und auch wenn Geld keine Rolle spielen sollte, in den Dimensionen spielt es dann doch mit. Jetzt sei das eine gesunde Geld­anlage. „Das muss laufen, das ist kein Hobby.”

Das rollt zumindest ziemlich geschmeidig. Aber dafür hat sie auch viel getan: „Die Straße ist rau.” Sie lächelt. „Die Straße ist hart.” Mit dem Caddy drinnen zu rollen, sie sagt indoor, sei leicht gewesen, von Anfang an. Aber das Fahrzeug für draußen stark zu machen, ist viel Aufwand und Arbeit. Denn: „Nichts darf die Eleganz zerstören.” Es gehe um Eitelkeit.

CityCaddy – auch für Männer?

„Ich liefere persönlich mit einer Freundin oder einem Freund aus, denn da erfahre ich ganz viel.” Sie hat die Dame kennengelernt, die wie ein Teenager gesagt hat, „das steht mir doch”. Oder die, die indoor mit Rollator unterwegs ist, nach draußen, in die Öffentlichkeit aber mit dem CityCaddy. „Niemand will doch seine Gebrechlichkeit zur Schau stellen.” Ausliefern mache, klar, Spaß. „Ich hole mir da natürlich nette Sachen ab.

Es ist schön, wenn sich Leute freuen wie Bolle.” Männer nicht so, das sei eher nicht die Klientel. Wahrscheinlich seien die zu eitel. Sie lacht.

Im Moment mache sie viel zu viel, „er macht Spaß, der Kontakt. Aber er ist energieintensiv”. Da müsse sie jetzt durch: „Ich baue eine neue Marke auf und ich bin nunmal keine Marketing-Frau.” Da sei dieses Gefühl: Dieses Ding will die Welt haben. Falls nicht: Es hat Spaß gemacht. „Man braucht das Praktische, aber man braucht auch was fürs Auge und die Seele.”

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