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Seit dreizehn Jahren betreibt Sinan Esmer seinen Kiosk im Eidelstedter Weg 63. Foto: Valentin Hillinger & Julia Haas
Seit dreizehn Jahren betreibt Sinan Esmer seinen Kiosk im Eidelstedter Weg 63. Foto: Valentin Hillinger & Julia Haas
Magazin #28

Der Zuhörer

Er ist da und hört zu: Sinan Esmer betreibt im Eidelstedter Weg, angrenzend an die Lenzsiedlung, einen Kiosk. Für die Nachbarschaft ist es mehr als das.

Von Julia Haas

Während Sinan Esmer Filterkaffee über den Ladentresen reicht, prasselt das Leben auf ihn ein. Er hört zu, hat ein Ohr für jeden. Ist ein Psychiater für alle in Eimsbüttel. Nah dran, sagt eine junge Kundin. Immer wieder lehnt sich die Frau in Bikerstiefeln mit ihrem Pappbecher zu Esmer, erzählt vom Einkauf am Morgen, ihrem neuen Freund und woran sie glaubt – an Buddha und die Liebe.

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Sinan Esmer sitzt hinter dem Verkaufsfenster seines Kiosks, wippt auf einem Schreibtischstuhl. Manchmal steht er auf, um Kaffee nachzuschenken. Dann sitzt er wieder, lächelt, zwinkert und hört zu.

Weniger allein

Seit dreizehn Jahren betreibt Sinan Esmer seinen Kiosk im Eidelstedter Weg 63. Kaffee und Zeitungen für die Älteren, Lollies und Spielzeug für die Jüngeren. Ein offenes Ohr für alle. Als würde er in einem Kummerkasten sitzen, sagt Esmer und zuckt die Schultern. „Sie erzählen mir alles, ich weiß alles.” Manche Geschichten treiben ihm Tränen in die Augen, andere bringen ihn zum Strahlen.

Mimie kommt dreimal die Woche. Wie immer trinkt sie Filterkaffee und plaudert mit Esmer – über die Gardinen, die sie nicht mehr selbst waschen kann, und ihren Mann Otto, mit dem sie ihr Leben im Lenzweg verbracht hat – bis zu seinem Tod vor fünf Jahren. In ihrer Wohnung hat sie Bilder von ihm aufgestellt. Dadurch fühlt sie sich weniger allein – und wegen Esmer. Sie nennt ihn „mein Süßer” und flüstert: „Ich darf das.” Ihre Wangen erröten. Mimie ist 88 Jahre. Sie lehnt an der Kiosk-Front, während Esmer im Kiosk sitzt.

Sinan Esmer: Er kennt sie

Kurz vor halb zwölf sagt der 51-Jährige: „Noch drei Minuten, Mimie.” Als hätte er einen Wecker gestellt, um Mimie daran zu erinnern, dass sie seit vierzig Jahren den Mittag in der Kneipe Behr verbringt. Nur dass Esmer dafür keinen Wecker braucht.

Sinan Esmer kennt die Leben derer, die an seinem Kiosk lehnen. Die Geschichten von Mimie, Klaus, Holger, Verena und all den anderen. Esmer weiß, wer seinen Kaffee mit oder ohne Milch trinkt. Er weiß aber auch, dass sein Stammkunde Klaus im Heim aufwuchs, eine Frau ihn adoptierte, er seine Ersatzmutter später pflegte. Er weiß, dass er den Rentner zum Strahlen bringt, wenn die Wildecker Herzbuben auf seinem Smartphone ertönen. Die passende Melodie, das treffende Wort zur richtigen Zeit.

Die Sorgen der anderen

Als Esmer den Kiosk übernimmt, geht er davon aus, dass Zeitungen, Limos und Bier das Tagesgeschäft ausmachen. Heute sind es die Gespräche, die seinen Alltag im Kiosk prägen. Das ist nicht immer einfach. „Man nimmt viel mit, macht sich Gedanken”, sagt Esmer, die schwarzen Haare nach hinten gegelt, die Unterarme mit Tattoos gespickt. Er macht die Sorgen der anderen zu seinen.

Eine Sorge, die ihn viele Jahre lang begleitet: Ronny. Ronny ist alkoholabhängig, findet in Esmer eine Konstante. „Wenn er mal verschwunden ist, kamen die Leute zu mir und haben gefragt, wo er ist.” Esmer ist da, hört zu. Und: Er kümmert sich, renoviert Ronnys Wohnung, sammelt am Kiosk Spenden für ihn.

Es lief anders

Als das nicht mehr reicht, die Sucht Ronny das Leben entgleiten lässt, bricht Esmer eines Nachts in Tränen aus. Der 51-Jährige holt ihn zu sich und sorgt schließlich dafür, dass Ronny in eine Pflegeeinrichtung kommt. Esmer erzählt das so, als wäre es seine Pflicht gewesen. Als läge das Leben seiner Kunden in seiner Verantwortung.

Esmer hat damit nicht gerechnet, wollte Limos und Bier verkaufen. Obwohl es anders lief, hat er es nicht bereut. Er wendet sich nicht weg, wenn sich ein Kunde zu ihm beugt, findet die richtigen Worte. Seit dreizehn Jahren betreibt Esmer seinen Kiosk, zwanzig Jahre möchte er noch durchhalten.

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