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Valerie Sirowitzki in einem sozialen Projekt in Gambia. Foto: Marion Döring
Valerie Sirowitzki in einem sozialen Projekt in Gambia. Foto: Marion Döring

Die Grannys erobern die Welt

Nach Vietnam, Tasmanien oder in die Dominikanische Republik. Die Agentur Granny Aupair vermittelt Frauen in die ganze Welt: als Oma auf Zeit.

Von Tanja Schreiner

Valerie Sirowitzki sprüht vor Energie, als sie den Grannys von ihren Erlebnissen erzählt. Mit ihren kurzen blonden Haaren und den großen silbernen Creolen sieht sie nicht wie eine klassische Großmutter aus. Schon zwei Mal war die zierliche Engländerin in Gambia, Westafrika, und hat in einem sozialen Projekt gearbeitet. „Es war so wunderbar“, erzählt sie aufgeregt, „und es gibt einem so viel Energie, weil man etwas gewagt hat.“ Sie habe in einem Camp gelebt und ein altes, klappriges Auto gemietet. Jeden Tag sei sie damit zwischen drei Grundschulen hin- und hergefahren und habe den Kindern Englischunterricht gegeben. Als sie von dem Granny-Aupair-Prinzip zum ersten Mal im Fernsehen erfuht, habe sie sich sofort angemeldet.

Von Fernweh zur Geschäftsidee

Es wirkt wie ein gemütlicher Kaffeeklatsch unter Damen. „Das ist die Welt und die Grannys erobern sie“ –  Initiatorin Michaela Hansen zeigt, in welche Länder sie schon Oma-Aupairs vermittelt hat. Seit die Eimsbüttelerin 2009 die Agentur Granny Aupair gegründet hat, sind mehr als 500 Frauen als Oma-Aupair in die Welt gereist. Zu ihren Infoveranstaltungen kommen mittlerweile sogar Interessentinnen aus der Schweiz, Österreich und aus England. Ehemalige Grannys, wie Valerie Sirowitzki, berichten von ihren Erfahrungen, die Teilnehmerinnen können Fragen loswerden: „Bekommen wir Hilfe mit dem Visum“, „Wie sieht es mit Taschengeld aus“, „Können wir auch reisen, uns Land und Leute angucken“?

Granny-Aupair-Gründerin Michaela Hansen. Foto: Martin Typke
Granny-Aupair-Gründerin Michaela Hansen. Foto: Martin Typke

Als junge Frau wollte sie selbst gerne als Aupair in ein anderes Land gehen, erzählt Hansen. Doch dann kam die Familienplanung zuvor: Mit 19 geheiratet und mit 20 das erste Kind – da war erst einmal keine Zeit für das Abenteuer Aupair. Sehnsuchtsvoll habe sie sich an einem Sonntagnachmittag vor vier Jahren die Fernsehsendung „Auf und davon“ angesehen und sich gedacht: „Wieso gibt’s das eigentlich nicht für ältere Frauen?“ Eine Granny sei vielleicht sogar ein besseres Aupair, habe mehr Lebenserfahrung und Geduld als ein junges Mädchen. Angefangen hat Michaela Hansen dann mit einer einzigen Familie – Freunde in Kanada. Seitdem haben sich immer mehr Familien gemeldet, die sich eine deutsche Oma auf Zeit wünschen.

Wie wird man Granny

Granny Aupair vermittelt Frauen ab 50 als Aupair, Freiwillige oder Gesellschafterinnen in rund vierzig Länder auf der ganzen Welt. Die meisten Frauen gehen als Aupair ins Ausland, berichtet Michaela Hansen. Doch auch die sozialen Projekte kämen gut bei den Frauen an. Das Angebot sei vielfältig und reiche von Frauenprojekten in Indien, über Waisenhäuser in Vietnam zu Kindergärten in Namibia. Manchmal meldeten sich auch Alleinstehende, die sich eine nette Gesellschaft wünschten, oder die deutsche Küche vermissten.

Elke bei einer Familie in Dubai. Foto: Ilona Gehrke
Elke bei einer Familie in Dubai. Foto: Ilona Gehrke

Selbst als Granny Aupair in die Welt zu ziehen ist einfach: Als erstes muss man sich online registrieren und kann dann in der Datenbank nach einer passenden Familie oder einem Projekt suchen. Man zahlt nur den Mitgliedsbeitrag, sagt Gründerin Hansen, eine zusätzliche Vermittlungsgebühr verlangt sie nicht. Den Flug müsse man selbst bezahlen, manche Familien würden den Grannys ein kleines Taschengeld bezahlen. Generell sei es aber nicht ihre Philosophie, dass man als Granny Aupair Geld verdiene, sagt Hansen. Es ginge eher darum ein Familienmitglied auf Zeit zu werden. Viele der Frauen wollten auch gar kein Geld, da sie Angst hätten, es könne das Verhältnis zur Gastfamilie verändern.

Wie sieht die ideale Granny aus?

Einige Teilnehmerinnen waren schon als junge Frau als Aupair im Ausland, andere suchen nach einer neuen Herausforderung. Bei Dietlinde Honold hatte die Rente nicht so richtig „gezündet“. Als sie einer Bekannten vorjammerte, sie habe jetzt genug ausgeschlafen und alle Termine durch, schlug diese ihr Granny Aupair vor. Sie sei sofort von der Idee begeistert gewesen, sagt sie, und auch ihre Familie habe gut gefunden, dass sie etwas Neues angehe. Zwei Mal war sie seitdem als Granny Aupair im Einsatz: für drei Monate in Portugal und für fünf Wochen in New York. Portugiesisch konnte sie vorher überhaupt nicht, aber man habe sich schon irgendwie verständigen können, erzählt sie. Ihre bisherigen Erfahrungen seien durchweg positiv. „Man muss einfach offen sein und bereit über mögliche Schwierigkeiten zu reden“, findet sie.

Gerda bei einer Familie in England. Foto: Privat
Gerda bei einer Familie in England. Foto: Privat

Was man als Granny mitbringen muss, steht bei Hansens Infoveranstaltung auch auf dem Programm. Natürlich sollte man Lust haben ein kleines Abenteuer zu wagen, sagt sie. Besonders wichtig sei außerdem fit, offen und anpassungsfähig zu sein. Man solle sich auf jeden Fall schon vor seiner Abreise mit dem Kulturkreis seines Ziellandes auseinandersetzen, rät die Granny Aupair Gründerin. Nicht, dass man bei der Ankunft plötzlich geschockt feststelle, dass in Indien Kühe auf der Straße laufen und in Gambia mit der Hand gegessen wird. Man darf einfach keine Angst haben, findet Valerie Sirowitzki. Ihr Aufenthalt in Westafrika sei Abenteuer pur gewesen.

Plan B im Gepäck

Am Anfang seien die meisten noch ganz euphorisch, sagt Hansen. Doch sobald die Reisepläne konkreter würden, kämen oft auch Zweifel, Ängste und Befürchtungen auf. In dem Workshop „Frauen, die sich was trauen und doch manchmal den Mut verlieren“ lernen die zukünftigen Grannys deshalb, wie man sich in schwierigen Situationen verhält. Natürlich gibt es auch Grannys, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, sagt Hansen. Es sei schon vorgekommen, dass Teilnehmerinnen nach wenigen Tagen wieder abgereist sind. Sie findet es daher wichtig, dass beide Seiten im Voraus ihre Erwartungen besprechen. Generell sollte man sich einen Plan B überlegen, falls es dann doch nicht so hinhaue wie geplant. Es komme aber auch vor, dass sich eine anfangs problematische Situation ganz plötzlich ins Positive wende. So habe eine Granny in Bangkok ihre Aupair Enkelkinder nach einigen Schwierigkeiten schließlich vor die Wahl gestellt: Soll sie bleiben oder gehen? Drei Jahre später lebt die Aupair Oma immer noch bei der Gastfamilie in Bangkok. „Sie sind ein Herz und eine Seele geworden“, erzählt Michaela Hansen.

Ria in einem sozialen Projekt in Vietnam. Foto: Privat
Ria in einem sozialen Projekt in Vietnam. Foto: Privat

Stolz und voller Tatendrang

Viele Grannys seien von ihren Aufenthalten so begeistert, dass sie immer wieder führen. Auch Dietlinde Honold würde gerne noch einmal mit Granny Aupair ins Ausland gehen. Dieses Mal vielleicht in ein soziales Projekt in Südamerika, sagt sie. Sie habe gerade einen Spanischkurs angefangen. Michaela Hansen ist begeistert, wie sich die Frauen durch ein kleines Abenteuer im Rentenalter verändern. Die meisten seien nach ihrem Aufenthalt voller Tatendrang, selbstbewusster und stolz auf sich selbst. Oft bringe eine kleine Aupair-Pause außerdem noch ganz andere Vorteile mit sich: Sich bei der Männerwelt mal etwas rar zu machen, belebe sogar die Liebe, sagt Michaela Hansen lachend.

Trotz ihres Fernwehs war die Granny-Aupair-Gründerin selbst noch nicht als Oma-Aupair im Ausland. Vor hat sie es aber auch jeden Fall noch, sagt sie. Aktuell tendiere sie zu Südafrika oder London. Doch jetzt warten erst einmal ihre eigenen vier Enkelkinder auf ihre Oma.

Zur Homepage von Granny Aupair geht es hier… Die spannendsten Geschichten der Granny Aupairs gibt es seit November auch als Buch.

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