Familienzeit: Ein Ort der Begegnung
Beim Projekt „Familienzeit“ können Familien in Burgwedel und Schnelsen gemeinsam kochen und Ausflüge oder sogar Reisen unternehmen. Das schweißt zusammen und schafft Gemeinschaft.
Von GastZwei Menschen tanzen auf einer Wiese vor einem Holzhaus, andere sitzen auf Decken und schauen zu. Zeynab Ghassemi strahlt, als sie die Aufnahmen auf ihrem Smartphone zeigt. „Die Reise nach Plön war sehr, sehr schön“, sagt sie. Ghassemi ist 27 Jahre alt und kommt aus Afghanistan. Ein Urlaub mit der ganzen Familie, mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern, ist für sie keine Selbstverständlichkeit. „Wir machen sonst nie Urlaub.“
Die Reise, von der sie an diesem trüben Januarnachmittag schwärmt, hat das KiFaZ Schnelsen im Rahmen der „Familienzeit“ organisiert. Es ist eine Einrichtung, die den Stadtteil familienfreundlich gestalten will. An seinen beiden Standorten in Burgwedel und Schnelsen-Süd berät das KiFaZ Familien zu allen möglichen Fragen und bietet mehrmals im Monat Aktionen, Veranstaltungen und Ausflüge an.
Keine finanzielle Hürde
„Wir waren schon im Planetarium, im Hansa-Park, im Kino, im Theater, im Schwimmbad“, zählt Sarah Okai auf. Die 42-Jährige ist vor knapp zehn Jahren aus Ghana nach Hamburg gekommen. Sie hat ein Pflegekind sowie drei eigene Kinder zwischen acht und dreizehn Jahren und arbeitet in einem Seniorenheim. Ihr Alltag ist oft stressig. Die KiFaZ-Ausflüge erlauben ihr eine Auszeit davon. „Diese gemeinsamen Ausflüge sind viel entspannter, als wenn ich alleine mit den Kindern unterwegs bin.“ Während die Kinder beschäftigt sind, könne sie sich außerdem mit anderen Eltern austauschen. „Wenn ich mal Probleme mit meinen Kindern habe, finden wir hier oft gemeinsam eine Lösung.“

Mit dem Projekt „Familienzeit“, finanziert vom Deutschen Kinderhilfswerk und gemeinsam organisiert mit dem Spielhaus Sara Goldfinger in Burgwedel, will das KiFaZ Familien die Möglichkeit geben, wertvolle Zeit miteinander zu verbringen, sagt KiFaZ-Leiter Kai Gärtner. „Viele Familien könnten sich solche Ausflüge sonst nicht leisten oder es fehlt ihnen im Alltagstrott der Anstoß für schöne gemeinsame Erlebnisse“, ergänzt Projektkoordinatorin Maya Fahrenkrug. Bei der „Familienzeit“ zahlen sie nur einen symbolischen Beitrag von wenigen Euro für die Aktivitäten.
Familienzeit ermöglicht echte Treffen
Einmal im Monat wird zusammen im Spielhaus gekocht. Mal gibt es ein Gericht aus Ghana, mal aus Eritrea oder Afghanistan. Das Menü überlegen sich die Familien zusammen, die Kinder haben viel Mitspracherecht. Mindestens 40 Leute seien dabei, so Maya Fahrenkrug. Jeder ist willkommen.
Manche Familien sind erst vor kurzem nach Deutschland gekommen, andere leben schon lange in der Nachbarschaft. Bei den Aktivitäten der „Familienzeit“ lernen sich Menschen kennen, die sich sonst vielleicht nicht treffen würden, sagt Kai Gärtner. „Es ist wichtig, dass es solche Orte gibt, wo sich Menschen ,in echt‘ treffen und zum Beispiel auch mal Meinungsverschiedenheiten austragen können – das gibt es heute nicht mehr so oft.“
Wie in einem Dorf
Sarah Okai ist von der guten Stimmung im KiFaZ begeistert. „Hier kann man mit allen reden, alle umarmen sich, es gibt keinen Rassismus oder Diskriminierung.“ Aus den Begegnungen im KiFaZ und bei der „Familienzeit“ entstehen Freundschaften, ein Netzwerk, man passt aufeinander auf. „Als mein Sohn neulich an der Bushaltestelle stand und der Bus ausfiel, hat eine andere Mutter ihn erkannt und mitgenommen und mir über unsere KiFaZ-WhatsApp-Gruppe Bescheid gesagt. Wenn jemand draußen einen Streit zwischen Kindern mitbekommt, geht er hin und schlichtet ihn. Man kennt sich und hilft sich, es ist wie in einem Dorf.“
Die Reise nach Plön im vergangenen Jahr hat alle einmal mehr zusammengeschweißt. Das hilft auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im KiFaZ, wenn sie die Familien bei Problemen beraten, weil es eine viel engere und persönlichere Beziehung gibt, erzählt Kai Gärtner. Mit den Mitteln aus dem Projekt „Familienzeit“ versuchen sie, so oft wie möglich mehrtägige Reisen zu organisieren. „Jetzt müssen wir uns ein neues Reiseziel mit Ö überlegen“, sagt Maya Fahrenkrug und lacht.
Wofür steht KiFaZ?
KiFaZ steht für Kinder- und Familienzentrum Schnelsen –Sozialräumliche Schnittstelle und Unterstützung, die vollständige Abkürzung lautet: KiFaZ SoSU.
Text: Imke Plesch
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