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Durch eine spezielle Entwicklung wird ein Luftbild von Hamburg auf den Tisch projiziert. Foto: Walter Schießwohl
Finding Places: Diskussionen am Modelltisch. Foto: Walter Schießwohl
Finding Places

Eine Flüchtlingsunterkunft an der Osterstraße?

Wo in Eimsbüttel soll die nächste Flüchtlingsunterkunft entstehen? Vielleicht an der Osterstraße oder doch lieber in Uni-Nähe? Das CityScienceLab der HafenCity Universität lädt Interessierte dazu ein, auf einer virtuellen Hamburg-Karte Standortvorschläge zu liefern. Am 30. Mai fand der erste Workshop zu Eimsbüttel statt.

Von Jannika Grimm

Zwei viereckige Tische stehen an der Wand des CityScienceLab. Auf den ersten Blick wirken sie wie zwei normale Esstische. Doch beim genaueren Hinsehen sind kleine viereckige Plättchen auf der Tischplatte zu erkennen. Sobald die Technik startet, erscheint das Luftbild von Hamburg auf einem der Tische. Jede Straße und jedes Gebäude ist zu erkennen. Um den Tisch stehen ungefähr 30 Teilnehmer. Sie zeigen auf den Tisch und gestikulieren. Die Stimmung ist einladend aber erhitzt. Das Thema der Diskussion ist aktuell und beherrscht die Medien wie kein anderes: Es geht um Flüchtlinge und deren Unterbringung.

Finding Places – aber wie?

Finding Places heißt die Workshop-Reihe in dem CityScienceLab, welches zur Hafencity Universität gehört und in enger Zusammenarbeit mit der Stadt entstanden ist. Das Besondere: Das Labor und die Technik ist in Kooperation mit dem MIT Media Lab in Boston entwickelt worden. In dem Labor wird der Prozess der Urbanisierung im digitalen Zeitalter erforscht und dargestellt. Die Projektleiterin Gesa Ziemer hat mit dem MIT Boston die Technologie entwickelt: Die beiden rechteckigen Tische, sogenannte CityScopes, sind mit Datensteinen versehen. Die Modelltische sind zwei mal zwei Meter groß und werden durch Beamer an der Decke, Kameras unter dem Tisch und einer kartografischen Datenbank bedient. Durch einen Datenstein, der einem Laien wie ein einfacher Legostein erscheint, und einem Raster können Grundstücke genauestens erfasst und positioniert werden. Das soll den Teilnehmern die Lage veranschaulichen und dabei helfen Standorte zu identifizieren.

Das Viereck grenzt ein Gebiet ein und kann dadurch genauer begutachtet werden. Foto: Walter Schießwohl
Das Viereck stellt einen Ausschnitt von 1,5 Quadratkilometern dar. Foto: Walter Schießwohl

Im Bezirk Eimsbüttel leben mehr als 250.000 Menschen. Die Bevölkerungsdichte im Kerngebiet ist hoch. Wohnraum knapp und daher teuer. Das ist jedem bewusst, der hier bereits auf Wohnungssuche war. Für Flüchtlinge fehlen schon jetzt in ganz Hamburg 20.000 Plätze in Wohnungen, erfahren die Teilnehmer zu Beginn des Workshops. Doch woher soll dieser Platz kommen. Vorschläge dafür soll die Gruppe liefern. Dabei gibt es viel zu beachten.

Die Grundstücke müssen sich im städtischen Besitz befinden, größer als 1.500 Quadratmeter und für die Modulbauweise geeignet sein. Die Gebäude sollen für die nächsten drei bis fünf Jahre errichtet werden und sollten möglichst zweistöckig sein. Hinzu kommen verschiedene Kriterien, die die Auswahl begünstigen oder einschränken. Die Grundstücke sind je nachdem in gelb-, organge- und rotfarbene Bereiche aufgeteilt. Je dunkler die Farbe desto schwieriger das Bauvorhaben. Liegt das Grundstück in einem Naturschutz- oder Industriegebiet wird es schwierig. Ebenso kompliziert ist es, wenn eine Grünanlage oder ein Sportplatz abgerissen werden müsste. Jede freie Fläche im Bezirk Eimsbüttel unterliegt einer solcher Einschränkung. Die Mehrheit der Flächen ist orange und rot.

Der interaktive Tisch regt zu Diskussionen an und begeistert, die Workshop Teilnehmer. Foto: Walter Schießwohl
Wo in Hamburg könnte die nächste Flüchtlingsunterkunft stehen? Foto: Walter Schießwohl

Lego für Erwachsene

Die Teilnehmer sind gefordert, trotz dieser Einschränkungen geeignete Flächen auszumachen. Anwesend sind Vertreter vom Zentralen Koordinierungsstab Flüchtlinge und dem Bezirksamt Eimsbüttel. Ein anderer Teilnehmer ist aus privaten Gründen erschienen: „Ich interessiere mich für das ehrenamtliche Engagement und habe im Internet gelesen, dass jeder sich zu diesem Workshop anmelden kann.“

Mithilfe des Lego-ähnlichen Datenstifts können sie den Standort der Unterkunft festlegen und erhalten daraufhin Feedback von der Technik, welche Faktoren bei einer möglichen Bebauung beachtet werden müssen. Die Gruppe einigt sich auf zwei 1,5 Quadratkilometer große Gebiete im Bezirk Eimsbüttel. Was nach einer einfachen Entscheidung aussieht, zieht eine lange Diskussion mit sich. Die einen sind für ein Gebiet in der Nähe der Uni, weil dort noch keine Unterkunft ist. Die anderen für die Osterstraße aus dem gleichen Grund. Wieder andere bevorzugen Eidelstedt oder Schnelsen, weil sie aus dieser Gegend kommen. Viel Zeit geht so verloren, bis zwei Vierecke in den Stadtteilen Rotherbaum und Eimsbüttel gefunden sind.

Flüchtlingsunterkunft an der Osterstraße?

Die Gebiete werden jeweils 20 Minuten begutachtet und besprochen. Am Anfang wird das Grindelviertel genauer untersucht. Es werden verschiedene Ideen eingeworfen, wie beispielsweise der Abriss und Neubau der Sportstätten der Universität Hamburg oder die Bebauung der kleinen Moorweide. Im Workshop zeigen sich die gleichen Probleme wie in der öffentlichen Diskussion. Sollte dieser Spielplatz wirklich für eine Flüchtlingsunterkunft weichen oder sollten einige alte knorrige Bäume auf der kleinen Moorweide verschwinden?

Die zweite Runde findet im Herzen von Eimsbüttel statt. Rund um die Osterstraße suchen Teilnehmer nach geeigneten Flächen für Flüchtlingsunterkünfte. Arlette Andrae von dem Verein Osterstraße nimmt vertretend für die Gewerbetreibenden an dem Workshop teil. Sie sagt, dass die Mitglieder offene Augen und Ohren für Belange und wichtige Themen in Eimsbüttel haben. Es werde immer nach neuen Engagements gesucht, die auch mit Wohltätigkeitsaktionen kombinierbar sind. Doch auch der Bereich um die Osterstraße bietet kaum Platz. Der Else-Rauch-Platz beispielsweise ist den Anwensenden zu wichtig für das Zusammenleben im Viertel. Den Teilnehmern wird bewusst, dass es kompliziert ist, den geeigneten Platz zu finden.

Der kleine Legoblock verdeutlicht dem System über welches Gelände in Eimsbüttel diskutiert wird. Foto: Walter Schießwohl
Ein kleiner Legoblock reicht aus, um dem System zu verdeutlichen, über welches Gelände diskutiert wird. Foto: Walter Schießwohl

Die Eröterung der Ideen verläuft größtenteils freundlich – trotz des großen Konfliktpotenzials: Schrebergärten abreißen oder nicht? Sollten Sportanlagen schrumpfen? „Die Unterkunft sollte am besten in die Hagenbeckstraße, direkt neben die Polizeiwache. Dadurch können die Beamten dann immer schnell zur Stelle sein“, meint ein Mann ironisch. Alle Vorschläge prüft die Stadt binnen zwei Wochen. Die Ergebnisse werden danach auf der Webseite des Projekts veröffentlicht. Im Idealfall entstehen auf diesem Weg neue Unterkünfte für Flüchtlinge. Unsere Zeit ist nun um. Ohne wirklich befriedrigendes Ergebnis. Es stehen jedoch noch weitere Workshops zum Bezirk Eimsbüttel an, bei denen weitere Ideen gesammelt werden.

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