Heimatlose Pfadfinder: Protestaktion vor dem Bezirksamt Eimsbüttel
Der Pfadfinderstamm “Saliskiaron” hat kein eigenes Heim mehr. Eine Demonstration vor dem Bezirksamt Eimsbüttel sollte Aufmerksamkeit dafür schaffen.
Von Ella Schinkel„Wir brauchen ein Hei-ei-eim, um irgendwo zu Hause zu sein“, sangen rund 35 Pfadfinderinnen vorm Bezirksamt Eimsbüttel. Sie hielten hier am Mittwochabend ihren wöchentlichen Gruppenabend ab, denn ihr Stamm Saliskiaron hat bereits seit mehreren Wochen kein eigenes Heim mehr.
Die Aktion sollte ein deutliches Zeichen an die Bezirksversammlung Eimsbüttel senden. “Dass wir uns heute Abend hier treffen, zeigt, dass wir gerade kein richtiges Heim für unsere Treffen haben”, sagt Iska Treibel. Sie ist seit 11 Jahren Pfadfinderin und leitet seit 6 Jahren ihre eigene Gruppe.
Pfadfinder wollen ins Kutscherhaus ziehen
Ihr altes Heim mussten die Pfadfinderinnen bis Ende Oktober räumen, das Gebäude wurde abgerissen. Seitdem treffen sich die Kinder und Jugendlichen übergangsweise in anderen Räumlichkeiten. Langfristig brauche es dringend die Perspektive auf ein neues Heim, sagt Iska.
Eine Möglichkeit: das leerstehende Kutscherhaus in Lokstedt. Schon Anfang des Jahres habe sich der Stamm an Bezirksamt und Bezirksversammlung gewendet, und gebeten, ein Gutachten für das Gebäude erstellen zu lassen, um eine mögliche Nutzung zu prüfen. Bisher sei die Forderung ignoriert worden, sagt Iska.
Pfadfinder organisierten Kundgebung
Bereits vor einigen Wochen trafen sich daher rund 500 Pfadis vor dem leerstehenden Kutscherhaus für eine Kundgebung. Sie werfen der Politik fehlende Beteiligung im gesamten Planungsprozess vor.
Zwar sei nun eine Besichtigung des Kutscherhauses geplant, diese soll jedoch ohne Mitglieder des Stammes stattfinden, erzählt Iska. Eine Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten an das Bezirksamt bzw. die Bezirksversammlung Eimsbüttel blieb bislang unbeantwortet.
Pfadfinderarbeit braucht Zuhause
„Unser Heim ist wie ein zweites Zuhause – die jetzigen Zwischenlösungen fühlen sich nicht danach an“, erzählt eine Pfadfinderin. Sie habe bei den Pfadis tolle Freundinnen gefunden, die gemeinsamen Abende und Fahrten seien ihr wichtig.
Hamburgweit gibt es rund 10.000 aktive Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Nach dem Prinzip „Jugend leitet Jugend“ lernen Kinder hier selbständiges Handeln und die jugendlichen Gruppenleiter Verantwortung zu tragen. Gemeinsame Gruppenabende und Fahrten ins In- und Ausland, soziale Projekte und andere Outdoor-Aktivitäten sind fester Bestandteil der gemeinsamen Zeit.
„Wir stecken gerne viel Energie und Freizeit in unsere Jugendarbeit, um Kindern und Jugendlichen einen Raum zu bieten, in dem sie sich entfalten können”, sagt Iska. Ohne ein eigenes Heim sei das jedoch auf lange Sicht nicht möglich.
