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Michael Rosenthal wohnt in der Tresckowstraße und setzt sich für den Erhalt des Kopfsteinpflasters ein. Foto: Julia Haas
Michael Rosenthal wohnt in der Tresckowstraße und setzt sich für den Erhalt des Kopfsteinpflasters ein. Foto: Julia Haas
Tresckowstraße

Anwohner kämpfen für Kopfsteinpflaster: Rettung noch möglich?

In der Tresckowstraße soll das Kopfsteinpflaster einer Asphaltdecke weichen. Die Anwohner wollen das verhindern. Wie stehen die Chancen?

Von Julia Haas

Die Bauarbeiten in der Tresckowstraße sind in vollem Gange. Aktuell arbeiten die Hamburger Energiewerke hier an ihrer neuen Fernwärmeleitung. Das Bezirksamt Eimsbüttel will die Gelegenheit nutzen und im Anschluss die Oberfläche der Straße neu gestalten. Der Plan: Asphalt statt Kopfsteinpflaster. Bei den Anwohnenden der Straße kommt das nicht gut an.

Über 1.500 Menschen haben sich im Rahmen einer Online-Petition für den Erhalt des Kopfsteinpflasters ausgesprochen. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet. Ihre Gründe sind vielfältig: Es geht unter anderem um Klimaschutz und um das historische Straßenbild. Am Donnerstag beschäftigt sich die Bezirksversammlung mit der Thematik.

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Warum plant das Bezirksamt Eimsbüttel, die Tresckowstraße zu asphaltieren?

Nach Angaben des Bezirksamts Eimsbüttel befinde sich die Kopfsteinpflasterdecke in der Tresckowstraße zwischen Eichen- und Goebenstraße in einem „sehr schlechten Zustand“. Es bestehe „dringender Sanierungsbedarf“, sagt Kay Becker, Sprecher des Bezirksamts. 

Die Entscheidung für Asphalt habe mehrere Gründe. Becker sagt unter anderem, der schlechte Zustand der Straßenoberfläche habe dazu geführt, dass viele Radfahrende auf den Gehweg ausweichen. Dieser sei dafür aber zu schmal – auch wegen dort parkender Fahrzeuge. Eine Lösung wäre gewesen, das Parken neu zu gestalten. Im Rahmen des „Moratoriums Parken“ sei das aber nicht möglich. Also müssen die Radfahrenden zurück auf die Straße und dafür brauche es wohl Asphalt.

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Anwohner war bereits in Bezirksversammlung

Bereits im Januar hatte Michael Rosenthal, Sprecher der Initiative aus der Tresckowstraße, sein Anliegen in der Bezirksversammlung vorgetragen. Dabei stand auch im Fokus, dass die Nachbarschaft über den geplanten Umbau nicht informiert worden sei. Eher zufällig hätten die Anwohner von den geplanten Änderungen erfahren.

Die Fraktionen signalisierten damals Verständnis. Der Tenor: Man wolle den Sachverhalt überprüfen.

Gespräch mit dem Bezirksamtsleiter?

Vor der Sitzung könnte es noch ein Gespräch von Vertretern der Bürgerinitiative mit Bezirksamtsleiter Christian Zierau geben. Kein idealer Zeitpunkt aus Sicht der Initiative: „Ein Gespräch am Tag der Abstimmung wirkt wie ein formaler Akt ohne echte Dialogbereitschaft.“

Vom Bezirksamt wiederum heißt es, es seien zwar Gesprächsangebote gemacht worden, man habe aber keine Antwort erhalten. Ob der Termin stattfinde, sei unklar.

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Besser für die Umwelt? Was kostet mehr?

Neben dem Erhalt des historischen Straßenbilds weist die Initiative auf mögliche Auswirkungen für die Umwelt hin. In einer Pressemitteilung heißt es: Die ökologischen Folgekosten durch zusätzliche Versiegelung, veränderte Wasserableitung und mögliche Folgen für den Baumbestand der Straße seien bislang nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Auch im Bezirksamt weiß man, dass unter gewissen Bedingungen bei Kopfsteinpflaster der Versickerungseffekt von Niederschlagswasser höher sein kann. Im Fall der Tresckowstraße scheinen aber andere Aspekte zu überwiegen. So sei das bisherige Natursteinpflaster nicht für den Wiederaufbau geeignet. Ein neues, hochwertigeres Material würde erheblich höhere Kosten für die Lieferung, den Einbau und die Unterhaltung gegenüber einer Asphaltdecke bedeuten.

Vertreter der Bürgerinitiative wollen das Kostenargument widerlegen. Mithilfe einer selbst erstellten Kosten-Nutzen-Analyse, die Folgekosten für die nächsten Jahrzehnte berücksichtigt, komme man zu dem Ergebnis, dass der Erhalt des Pflasters auf Dauer wirtschaftlich deutlich günstiger als eine vollständige Asphaltierung sei.

Antrag für den Erhalt des Kopfsteinpflasters

Auf der Tagesordnung für die Bezirksversammlung am Donnerstag ist bisher ein Antrag zu finden, der sich mit der Tresckowstraße beschäftigt. Darin schreibt die FDP-Fraktion: „Die Argumente für den Erhalt des Kopfsteinpflasters sind nachvollziehbar und verdienen Beachtung.“

Sie fordert deshalb, zu prüfen, ob in der Tresckowstraße die Straßendecke mit neuem Kopfsteinpflaster unter Einbindung barrierefreier Querungsmöglichkeiten bepflastert werden könne, sofern das bisherige Pflaster nicht mehr verwendbar sei. Bei positiver Prüfung plädiert die FDP-Fraktion dafür, die Asphaltierung der Straße zu stoppen.

Was sagen die anderen Fraktionen?

Zustimmung für den FDP-Antrag kommt von der CDU. Thomas Thomsen sagt im Gespräch mit den Eimsbütteler Nachrichten, das Vorhaben sei grundsätzlich zu unterstützen. Noch besser wäre es jedoch, im Antrag festzuhalten, das Kopfsteinpflaster abzuschleifen, um es für Radfahrer besser befahrbar zu machen.

Nicht infrage stellen will Thomsen, dass die Straße saniert werden muss. Außerdem sei unterschätzt worden, wie wichtig der Erhalt des Kopfsteinpflasters für die Nachbarschaft sei. „Ich finde es gut, dass sich die Menschen hier einbringen.“

Die fehlende Information der Anwohnenden sei nicht hinnehmbar. Zwar wurde in einem Ausschuss der Bezirksversammlung über das Vorhaben berichtet, man könne aber nicht erwarten, dass sich alle Eimsbüttelerinnen und Eimsbütteler regelmäßig über sämtliche Tagesordnungspunkte informieren. Vielmehr hätte es hier Plakate und Informationsveranstaltungen gebraucht.

Volt: Ja zur Initiative, nein zum FDP-Antrag?

Von der Volt-Fraktion heißt es, die Argumente der Initiative seien stichhaltig. Man unterstütze den Erhalt des Kopfsteinpflasters. Gegenüber einer Asphaltierung würde das Kopfsteinpflaster Vorteile für das Stadtklima bringen – unter anderem wegen seiner Wasserdurchlässigkeit. Gleichzeitig verweist die Fraktion auf die begrenzten Handlungsmöglichkeiten der Bezirkspolitik. Die Entscheidung liege beim Senat, die Umsetzung bei einem städtischen Unternehmen. Dennoch wolle Volt das Gespräch mit der Bezirksamtsleitung suchen.

Bezüglich des FDP-Antrags zeigt sich die Fraktion unschlüssig. Einerseits begrüße man jede Initiative, die Anwohnenden zu unterstützen, andererseits seien die konkreten Forderungen und Wirkungsmöglichkeiten entscheidend. Die Fraktion hinterfrage, welche praktische Wirkung ein möglicher Bezirksbeschluss in dieser Konstellation entfalten könne – und ob er den berechtigten Erwartungen der Initiative gerecht werde.

Fest steht aber auch für Volt: Die Kommunikation zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern und Bürgerinnen muss besser werden. „Dass Anwohnerinnen und Anwohner vor einer so weitreichenden Maßnahme weder frühzeitig noch ausreichend informiert und beteiligt wurden, ist ein erhebliches Versäumnis“, erklärt die Fraktion.

Linksfraktion lehnt FDP-Antrag ab

Von Nikolai Drews, Mitglied der Eimsbütteler Linksfraktion, heißt es, der Ärger der Anwohnenden sei sehr verständlich. Jedoch habe die Fraktion keine eindeutige Meinung für oder gegen das Kopfsteinpflaster. Dem Antrag der FDP werde die Linksfraktion nicht zustimmen. Das liege auch an den unabsehbaren Kostenfolgen, sagt Drews.

Was die Linksfraktion aus dem Vorfall zieht: „Das Konfliktpotenzial der Planung hätte frühzeitig erkannt werden müssen.“ In Zukunft dürfe so etwas nicht wieder passieren. „Unsere Fraktion stellt deshalb aktuell einen Antrag mit dem Prüfauftrag, wie eine regelhafte Beteiligung oder Information von Betroffenen von Planungsprozessen auf Bezirksebene aussehen könnte und was für die Umsetzung nötig wäre.“

SPD und Grüne: Erst prüfen, dann entscheiden

Etwas zurückhaltender bezüglich einer konkreten Entscheidung äußert sich bisher die SPD-Fraktion. Roland Oehlmann, Sprecher der SPD-Fraktion im Kerngebietsausschuss, sagt, man nehme den Wunsch der Nachbarschaft, das Kopfsteinpflaster zu erhalten, ernst. Deswegen setze sich die Fraktion für eine sorgfältige Abwägung aller Aspekte ein. Fragen der Inklusion, der Barrierefreiheit, der Verkehrssicherheit und finanzielle Auswirkungen müssten berücksichtigt werden. „Eine tragfähige Lösung kann nur entstehen, wenn alle diese Punkte transparent geprüft und verantwortungsvoll miteinander abgewogen werden“, sagt Oehlmann. Aktuell warte die Fraktion die fachliche Prüfung durch die Verwaltung ab.

Auch die Grünenfraktion wolle noch abwarten, bevor man eine Entscheidung treffe. „Wir nehmen das Thema und die Wünsche sehr ernst, aber wir brauchen valide Zahlen“, sagt Fraktionsvorsitzender Ali Mir Agha. Dabei gehe es unter anderem um die Kostenfrage. „Asphalt ist zwar günstiger, aber wie lange hält er?“

Wird am Donnerstag über die Tresckowstraße entschieden?

Dass aktuell eine Prüfung läuft, bestätigt das Bezirksamt Eimsbüttel. Hintergrund sei, dass sich Anwohnende der Tresckowstraße auch an den Eingabenausschuss der Bürgerschaft gewandt hätten. Dieses Verfahren laufe noch bis in den März hinein. Die Oberflächenwiederherstellung für die Tresckowstraße ist gemäß aktuellem Bauablaufplan für Ende April 2026 angesetzt, sagt Kay Becker, Sprecher des Bezirksamts. Einen ersten Zwischenstand könne der Bezirksamtsleiter im Rahmen der Sitzung am Donnerstag darstellen.

Zum Antrag der FDP-Fraktion erklärt er: „Sollte eine aufwendigere Pflasterung im Raum stehen, sind insbesondere die finanziellen Auswirkungen im Blick zu behalten, die der Bezirk tragen müsste.“ Zum geforderten Baustopp im Falle einer positiven Prüfung sagt er bereits jetzt, dass dieser nicht sicherzustellen sei, da nicht das Bezirksamt, sondern die Hamburger Energiewerke Auftraggeber seien.

Mit einer Entscheidung sei am Donnerstag, also vor Abschluss der Prüfung, eher nicht zu rechnen, so Becker. Auch Ali Mir Agha sagt: „Das Thema wird geschoben.“ In welchen Ausschuss wisse er noch nicht.

Update der Redaktion vom 26. Februar 2026, 12:53 Uhr : Der Artikel wurde um die Stellungnahme der Grünenfraktion ergänzt.


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