Grünes Licht für Bebauung im Grindelhof – Anwohnende wollen Gericht einschalten
Seit Jahren setzen sich Anwohnende für den Erhalt der Freifläche im Grindelhof 87 ein. Gleichzeitig gibt es immer wieder Bestrebungen, eben dort zu bauen – jetzt hat das Bezirksamt eine Baugenehmigung erteilt. Die direkte Nachbarschaft findet deutliche Worte.
Von Julia Haas46 Wohneinheiten sollen im Grindelhof 87 entstehen. Das Bezirksamt Eimsbüttel hat dafür eine Baugenehmigung erteilt – und lässt damit eine der letzten Lücken im Grindelhof schließen. Menschen aus der direkten Nachbarschaft haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder dagegen gewehrt.
Baulücke für Wohnqualität?
Die Anima Projektentwicklung verfolgt seit Längerem die Absicht, den Hinterhof im Grindelhof 87 zu bebauen. Abgeschirmt von einem Vorderhaus an der Straße erstreckt sich dort bislang eine Rasenfläche, darunter liegt eine Tiefgarage.
Für die Nachbarn im Grindelhof 83 und 89 bedeutet diese Freifläche Wohnqualität. Im Rahmen der Bürgerinitiative „Wundervolles Grindel“ setzen sie sich seit Langem für deren Erhalt ein. Auf Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten heißt es in einer Stellungnahme: Man sei über die erteilte Baugenehmigung tief enttäuscht. Das geplante Vorhaben verschließe die Innenhöfe weiter, verstärke die Verschattung und verschlechtere die Durchlüftung.
Der lange Streit um den Grindelhof 87
Die Diskussionen um eine Bebauung des Hinterhofs sind nicht neu. Bereits 2015 gab es Pläne für zehn Stadthäuser. Die Anwohner wehrten sich dagegen und bezogen sich auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts von 1994. Demzufolge dürfte auf der Tiefgarage nicht gebaut werden. Eine gärtnerische Gestaltung der Fläche sei vorgesehen.
Seit 2022 verfolgt die Anima das Vorhaben, den Hinterhof zu bebauen. In der Bezirksversammlung regte sich Widerstand. Allen voran versuchte die FDP, eine Bebauung zu verhindern. Auch Grüne und Linke sprachen sich im Herbst 2023 dafür aus, den Hinterhof zu schützen. Am Ende scheiterten die Bemühungen. Das Bezirksamt beanstandete den Beschluss der Bezirksversammlung, woraufhin ihn der Hamburger Senat aufhob.
„Für uns ist das nicht nur ein städtebaulicher Fehler, sondern auch ein Schlag gegen den Charakter dieses Quartiers“, heißt es weiter. Dabei gehe es vor allem um den Denkmalschutz der bestehenden Gebäude. Diese würden durch die Bebauung beeinträchtigt und gefährdet. „Wer so plant, riskiert, dass nicht nur Grün und Luft, sondern auch Geschichte und Identität dieses Ortes verloren gehen.“

Grindelhof: Projektentwickler sprechen von Stadtreparatur
Die Anima sieht das anders. In einer Pressemitteilung heißt es, mit der Wiedererrichtung der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Terrassenhäuser erfolge auf dem Areal im Hinterhof Stadtreparatur. „Die Planung orientiert sich an der quartiertypischen Struktur innerstädtischer Vorkriegsbebauung: einer klar gefassten Straßenfront und einer kleinteiligen, geschlossenen Hofbebauung im rückwärtigen Bereich“, sagt die Hamburger Architektin Jessica Borchardt, die für das Projekt zuständig ist.
Geplant seien neun terrassenartig gegliederte Gebäude mit drei Etagen plus Dachgeschoss. Die Größen der Eigentumswohnungen reichen von 40 bis 150 Quadratmetern.
Dass diese Pläne und vor allem die Bauhöhe als „historisch“ dargestellt würden, sei für die Anwohnerinitiative unverständlich. Durch die nach dem Zweiten Weltkrieg erbaute Tiefgarage liege das Baugrundstück heute höher als früher. Zudem würde der geplante Bau die anliegenden Gebäude überragen.
Was bedeutet der Bau für das Mikroklima?
Nicht nachvollziehen könne die Anwohnerinitiative außerdem, dass bei den Planungen die Bedeutung der Grünfläche für das Mikroklima im Grindelhof außen vor gelassen werde.
Von der Anima heißt es hingegen: Das dortige Mikroklima sowie den Grünanteil wolle man durch versiegelungsarme Freiflächen, Hecken, Stauden und Bäume, Spiel- und Aufenthaltsbereiche sowie Dachbegrünungen erhalten – oder sogar verbessern. So geht es aus der Pressemitteilung hervor.
Kein zeitnaher Baubeginn im Grindelhof
Doch nicht nur für den Hinterhof verfolgt die Anima Pläne: Auch das Vorderhaus soll sich grundlegend verändern. Hier sei ein Neubau mit sieben Etagen im Gründerzeit-Stil des Grindelhofs geplant. Elf Eigentumswohnungen mit Größen von 80 bis 200 Quadratmetern sollen darin Platz finden. Eine Baugenehmigung gibt es noch nicht.
Bis zum Baustart könnte noch einige Zeit vergehen. Die Anima spricht von „voraussichtlich 2028“ – dann, wenn auch für das Vorderhaus eine Baugenehmigung vorliegt.
„Das halten wir für falsch – stadtpolitisch, menschlich und rechtlich“
Die Anwohnerinitiative sieht in den Bauplänen ein Nullsummenspiel, was den Wohnungsmarkt angeht. Im Vorderhaus gab es ursprünglich 70 kleine Einzelapartments, zuletzt waren noch 49 Einheiten bewohnbar. „Wenn die im Vorderhaus bestehenden Wohnungen verschwinden und durch wenige neue Wohnungen ersetzt werden, ist die Schaffung neuen Wohnraumes netto nahe null“, heißt es von der Initiative.
Besonders von den beiden regierenden Parteien im Bezirk sei man politisch enttäuscht: „Der Schaffung von (teurem) Wohnraum wird jede politische Ethik untergeordnet.“ Die Anwohnenden würden sich mit ihren Interessen kaum noch wahrgenommen fühlen. Statt eines sensiblen Umgangs mit Denkmalschutz, Klima, Licht, Luft und bestehender Wohnqualität erlebe man eine Planung, die auf maximale Kapitalisierung ausgerichtet sei. „Das halten wir für falsch – stadtpolitisch, menschlich und rechtlich.“
Wie geht es weiter?
Die Anwohnenden planen, rechtliche Schritte einzuleiten. Es gebe zahlreiche offene und angreifbare Punkte. „Wir werden uns gegen dieses Vorhaben mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen.“
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