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Boris Matchin (links) und Amadeus Templeton haben das Tonali gegründet. Foto: Julia Haas
Boris Matchin (links) und Amadeus Templeton haben das Tonali gegründet: Das 14. Jahr des Bestehens steht unter dem Motto "Kunst mit allen und für alle". Foto: Julia Haas
Tonali

Erstes Kunstschutzgebiet eingerichtet: Eimsbüttel wird Vorreiter

Von Naturschutzgebieten hat jeder schon gehört. Eine Institution im Grindel überträgt das Konzept nun auf die Kunst und schafft ein Kunstschutzgebiet. Wie Eimsbüttel dabei zum Vorreiter wird.

Von Julia Haas

Es ist still im Kleinen Kielort 8. Alle Augen richten sich auf einen Jungen, vielleicht 14 Jahre alt. Gerade noch saß er zwischen seinen Mitschülern im Publikum, jetzt steht er vor dem Orchester. Wie ein Dirigent streckt er seine Arme nach oben, dann stupst er mit dem Zeigefinger in Richtung der Violine. Der Musiker dahinter setzt den Bogen an und streicht über die Saiten. Auf das Zeichen des Jungen folgt das Klavier, dann die Flöte. Der Klang des Orchesters füllt den Raum. Keiner folgt Noten und doch gelingt das Zusammenspiel.

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„Jeder Mensch ist ein Künstler“, hat Joseph Beuys einmal gesagt. „Jeder Ort ein Atelier.“ Schüler, Lehrer, Studierende und Musikerinnen der Tonali-Bühnenakademie wollen Beuys‘ Worten folgen und ein Kunstschutzgebiet schaffen – einen sicheren Raum, an dem sich jeder künstlerisch entfalten darf. Eimsbüttel soll dabei vorangehen.

Kunstschutzgebiet um Grindel

Das Zusammenspiel von Schüler und Musikern zeigt, was passieren kann, wenn Menschen ihrer künstlerischen Intuition folgen – auch ohne Vorbereitung und vor allem ohne Scheu. Ein Kunstschutzgebiet soll genau das bewirken. Den Menschen dabei helfen, ihr künstlerisches Potenzial zu entfalten, erklärt Initiator und TonaliGründer Amadeus Templeton. Ganz gleich, ob sie Musik studiert oder noch nie ein Instrument in der Hand gehalten haben. 

Schutzgebiet, weil es ein Ort des Zusammenhalts, ohne Diskriminierung sein soll, wo zum Beispiel Schüler zu Dirigenten werden. „Unser Ziel ist es, gleiche Chancen auf kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.“

Eimsbüttel als exemplarischer Raum

Der Begriff Kunstschutzgebiet orientiert sich an dem bekannten Modell Naturschutzgebiet. Man wolle eine Art „Renaturierung“ in der Kunst schaffen, erklärt Templeton.

In der Natur fließen begradigte Flüsse durch Renaturierungen wieder in ihrer ursprünglichen Form. Übertragen auf die Kunst ist das künstlerische Potenzial gemeint, das in Menschen schlummert, aufgrund äußerer Einflüsse aber nicht zum Ausdruck kommt. Im Kunstschutzgebiet soll es sich frei entfalten.

Zusammenhalt schaffen

Das Tonali-Team stellt das Jahr 2024 unter das Motto „Kunst mit allen und für alle“. Für Templeton gerade jetzt ein wichtiges Zeichen: „Um uns herum scheint alles auseinanderzubrechen, wir wollen mit vereinenden Kräften dagegenwirken.“ Er hofft, dass sich viele Menschen im Kunstschutzgebiet einbringen und durch die Kunst ein Zusammenhalt entsteht.

Kunstschutzgebiet im Überblick

Wo genau befindet sich das Kunstschutzgebiet, was passiert aktuell und wie kann man sich beteiligen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Welche Bereiche umfasst das Kunstschutzgebiet?

Das Tonali-Team hat ein Gebiet rund um seinen Campus im Grindelviertel als exemplarisches Kunstschutzgebiet definiert – innerhalb eines 15-Minuten-Radius. Es teilt sich in sechs Segmente.

Das Kunstschutzgebiet um das Tonali im Grindel teilt sich in sechs Segmente. Foto: Julia Haas
Das Kunstschutzgebiet um das Tonali im Grindel teilt sich in sechs Segmente, die aktuell von der Bühnenakademie mit Schülern erforscht werden. Grafik: Tonali
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15-Minuten-Stadt

Das Konzept orientiert sich an der stadtplanerischen Idee der „15-Minuten-Stadt“. Damit ist gemeint, dass Anwohnende alle notwendigen Angebote von Wohnen, Arbeiten sowie sämtliche Dienstleistungen in einem Bewegungsradius von 15 Minuten Fuß- oder Radweg zur Verfügung stehen.

Was passiert aktuell im Kunstschutzgebiet?

Jeweils ein bis zwei Musiker der Tonali-Bühnenakademie und Schüler ausgewählter Partnerschulen erforschen ein Segment des Kunstschutzgebiets. Im Januar fanden dazu die ersten Workshops statt.

Gemeinsam wollen sie herausfinden, wie sich aus der Wohngegend ein Kunstschutzgebiet entwickeln kann. Dafür schauen sie sich an, welche künstlerischen Projekte bereits stattfinden und welche Möglichkeiten beispielsweise in Cafés, Restaurants und Vereinen vor Ort liegen. Danach geht es darum, Musik raus aus dem Konzertsaal und rein in den Stadtteil zu bringen.

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Tonali-Bühnenakademie

Die Bühnenakademie ist ein kostenloses, dreijähriges Ausbildungs­programm, das jungen Musikern im Bereich der Klassik ermöglicht, ihre Kunst mit gesellschaftlichem Engagement zu verbinden.

Wo können sich Interessierte informieren?

Jeder der sechs Abschnitte des Kunstschutzgebietes bekommt eine Kunststelle, eine Anlaufstelle für Interessierte. Um diese vorzustellen, sind Veranstaltungen geplant. Die Termine dafür gibt das Tonali-Team voraussichtlich Ende Februar bekannt.

Das Projekt Kunstschutzgebiet ist explizit darauf angelegt, Anwohnende zu involvieren.

Welche Möglichkeiten gibt es, sich zu beteiligen?

Neben den Kunststellen können sich Anwohnende über die App „Parti“ am Kunstschutzgebiet beteiligen. Die wurde bereits vor zwei Jahren von Tonali veröffentlicht und ermöglicht es Publikumsgästen, mehr als das zu sein. Sie können sich über die App registrieren und an Konzerten aktiv mitwirken – sei es künstlerisch oder organisatorisch. 

Tonali-Gründer Amadeus Templeton sieht darin eine Chance, demokratische Prozesse in der Gesellschaft zu fördern. “Mittendrin, statt nur dabei”, lautet die Devise.

Was ist eine „soziale Symphonie“?

Im Kunstschutzgebiet soll in den nächsten Monaten unter der musikalischen Leitung des Stegreif Orchesters eine „soziale Symphonie“ entstehen, die die verschiedenen Stimmen der Gesellschaft hörbar macht. Wie das konkret klingt, wird spätestens im Rahmen des Tonali-Festivals vom 30. Juni bis 6. Juli zu hören sein – und zwar in der Elbphilharmonie.

Bleibt das Kunstschutzgebiet für immer? 

Insgesamt ist die Erprobung des Kunstschutzgebietes auf drei Jahre angelegt. Sie wird wissenschaftlich begleitet – unter anderem von Schulmusik-Studierenden der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Später soll sich das Kunstschutzgebiet auf andere Stadtteile und Städte ausweiten, hoffen die Initiatoren.


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