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Viele portugiesische Gastarbeiter haben in Hamburg Familien gegründet. Foto: Privatarchiv Kempe/Arnedo
Viele portugiesische Gastarbeiter haben in Hamburg Familien gegründet. Foto: Privatarchiv Kempe/Arnedo
Portugiesische Hamburger

“Die Liebe teilt sich nicht – sie verdoppelt sich”

In den 60er-Jahren kommen tausende portugiesische Gastarbeiter nach Hamburg. Viele bleiben und finden eine neue Heimat – ohne die alte zu vergessen. Über das Heimatgefühl in der Fremde.

Von Julia Haas

Heimat kann ein Ort, ein Mensch, ein Gefühl sein. Heimat lässt sich nicht fassen, ist so individuell wie die Person, an die sie sich bindet. Doch während sie manche nie loslässt, zwingt sie andere zur Flucht.

In den 60er-Jahren verlassen tausende Portugiesen ihre Heimat, entfliehen den politischen Umständen. In Hamburg finden sie Zuflucht. Lina Almeida (79) und Isabel Arnedo Campina (64) sind zwei von ihnen.

“Wir haben zwei Heimaten”

Lina bezeichnet sich als erste Generation portugiesischer Migranten, die als Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Ihre Kinder sind in Hamburg aufgewachsen, kennen aber ihre Wurzeln: “Sie sind portugiesische Hamburger.” Heimatgefühle erfüllen sie an zwei Orten – rund 2.500 Kilometer voneinander entfernt. Die ganze Familie pendelt zwischen den Ländern. 

Für Isabel, die als Kind mit ihren Eltern nach Hamburg flüchtete und lange in Eimsbüttel lebte, ist es wichtig, das zu normalisieren: “In Amerika sprechen wir von ‘German Americans’, in Deutschland fehlen solche Bezeichnungen.” Dabei müsse deutlicher werden, dass die Vielzahl an Gemeinschaften und Kulturen Deutschland auszeichnet. 

Als Deutschamerikaner verstehen sich US-Bürger, deren deutsche oder deutschsprachige Vorfahren in die Vereinigten Staaten einwanderten. Das Verständnis lässt sich auf portugiesische Hamburger übertragen. Linas und Isabels Kinder tragen die deutsche Staatsbürgerschaft, ihre Identität reicht jedoch weiter als der Personalausweis. “Hamburg ist unsere Heimat, genauso wie Lissabon – wir haben zwei”, erklärt Isabel. Für ihre Familie sei das eine Bereicherung: “Egal, wie viele Heimaten man hat, man liebt sie alle gleich. Die Liebe teilt sich nicht auf, sie verdoppelt sich.” 

Vielfalt an Nationen

Damit auch folgende Generationen die Geschichten ihrer Wurzeln kennen, hat Martin Kempe sie im Buch “Die portugiesischen Hamburger – Eine besondere Geschichte von Arbeit und Leben” gesammelt. Das Buch richtet sich an junge Portugiesen in Hamburg, die nach ihrem Ursprung suchen, und schlägt Brücken zu anderen Schicksalen. Die Erfahrungen lassen sich auch auf andere Nationen übertragen, ist sich Isabel sicher. “Die Flucht und das Ankommen in der Fremde erfahren viele. Sie alle verbinden die Identitätsfragen: Wo komme ich her? Wer bin ich?”

beenhere

Über den Autor

Martin Kempe ist Journalist und Autor. Er war an der Gründung der „taz“ beteiligt und schrieb als Chefredakteur für die „ver.di“-Mitgliederzeitung. Kempe lebt in Eimsbüttel.

Dass diese Fragen auch eine Last bedeuten, weiß Isabel. Das wiederkehrende “Woher kommen Sie?“ „Auf welcher Sprache träumen Sie?” vermittelt ihr den Eindruck, nicht dazuzugehören. Gleiches passiere ihren Kindern – das müsse sich ändern. Denn die Vielfalt an Kulturen und Sprachen sei etwas Wertvolles: “Diese Vielfalt macht Europa aus. Wir müssen uns nicht immer für eine Nationalität entscheiden.”

Heimat hat viele Facetten. Manchmal ist sie auserwählt, zugewiesen oder zufällig gegeben. Jeder Mensch hat das Recht auf Heimat – egal, wo oder mit wem, egal, wie viele. Heimat lässt sich nicht fassen, doch jeder Mensch sollte sich heimisch fühlen dürfen – genau dort, wo er möchte.


Vom Fliehen und Ankommen

Wie Lina Almeida (79) und Isabel Arnedo Campina (64) vor mehr als 50 Jahren nach Hamburg kamen und warum sie bis heute geblieben sind.

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