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Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen: Schlange vor dem XXL-Kiosk an einem Mittwochnachmittag im Dezember. Foto: Anne Reis
Kommentar

Trari, trara, die Post ist weg: bittere Entscheidung, katastrophales Timing

Wie viele Kunden bedauert unsere Autorin die Schließung der Postbank-Filiale an der Hoheluftchaussee. Sie regt an, in der Weihnachts- und Lockdownzeit etwas Positives daraus zu machen.

Von Anne Reis

Mitten im Winter und mitten im harten Lockdown schließt die Postbank-Filiale an der Hoheluftchaussee ihre Türen für immer. Eine Entscheidung, die vielen in Hoheluft wehtut. Eine Entscheidung, die anhand von dürren Zahlen getroffen wurde – von einem Betriebswirt bei der Postbank in Bonn oder bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Die Post ist ein Kollateralschaden.

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Anstehen in Corona-Zeiten

Der Betriebswirt hat die alte Dame aus der Klosterallee nicht im Sinn, die, um ein Päckchen aufzugeben, bald einen noch längeren Weg zurücklegen muss – auch bei Schnee und Eis. Seine Excel-Tabelle bildet auch nicht ab, dass sie wegen der Abstandsregeln lange draußen in der Schlange stehen muss. Damit die Zahlen stimmen, werden die Menschen ausgeblendet.

Keine Zeit fürs Telefon

Die Post pocht darauf, dass die gesetzlich verlangte Grundversorgung gewährleistet sei. Sie geht aber nicht darauf ein, dass Hoheluft sehr dicht besiedelt ist und deshalb mehr Filialen braucht als vorgeschrieben. Immerhin scheint man wahrgenommen zu haben, dass der XXL Kiosk schon jetzt aus allen Nähten platzt und dem Ansturm zeitweise nicht gerecht werden kann. Auf Anfrage erklärt ein Angestellter den Eimsbütteler Nachrichten, dass die Post den Mitarbeitern verboten habe, ans Telefon zu gehen. Das koste zu viel Zeit.

Weiterkämpfen

Die Schlangen vor dem XXL Kiosk winden sich zu Stoßzeiten bei Blume 2000 um die Ecke. Da kann es schon mal eine halbe Stunde dauern, bis man ins warme Poststübchen kommt. Wie soll das im Januar werden, wenn auch viele der Kunden kommen, die vorher die Post in der Hoheluftchaussee genutzt haben? Die prekäre Situation lässt hoffen, dass früher oder später eine neue Partnerfiliale im Quartier eröffnen wird. Wenn Bezirksversammlung und Postkunden den in den letzten Wochen aufgebauten Druck aufrecht erhalten, könnte das den Prozess beschleunigen.

Zeit schenken

In der Zwischenzeit können die Menschen in Hoheluft dem Federstrich des Betriebswirts etwas Positives entgegensetzen. Sie können alten Damen und Herren oder Müttern mit kleinen Kindern anbieten, Exkursionen zum XXL-Kiosk für sie zu übernehmen. Die Zeit sollte jeder übrig haben – jetzt, wo shoppen, Essen gehen und Freunde treffen ausfällt.

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