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fullscreen Gegen Kahlschlag in den Gärten
Biotop an den Eisenbahngärten. Foto: Anja von Bihl

Bahnhofsverlegung zum Diebsteich

Gegen Kahlschlag in den Gärten

Sie sind ein Paradies, die Kleingärten zwischen den Bahnhöfen Langenfelde und Diebsteich. Wenn es nach der Deutschen Bahn geht, droht im Zusammenhang mit der Verlegung des Fernbahnhofs Altona zum Diebsteich schon im kommenden Jahr die Vertreibung und mit der Ruhe ist es aus. Um dies abzuwenden, haben sich aktive Bürger zusammengetan – zum Langenfelder Signal.

schedule Lesezeit ca. 3 min.

Zur Bedienung der Großbaustelle auf dem Bahngelände am Diebsteich plant die Bahn eine Baustraße. Sie soll von der Kieler Straße aus durch die Wolffstraße und den Försterweg direkt in die Kleingartenanlage „Besthöhe“ führen. Weil die derzeitige Asphaltstraße durch das Gelände für Schwerlastverkehr zu schmal ist, sollen die Kleingärtner einen Teil ihrer Anlagen opfern. Nach Angaben der Bahn ist vorgesehen, sie dafür zu entschädigen und das abgetrennte Gelände nach Ende der Baumaßnehmen zurückzugeben.

Ein Spaziergang durch die Gärten macht deutlich, worum es geht. In der „Besthöhe“ müssen 29 von insgesamt 57 Parzellen um vier Meter beschnitten werden. Die kleine Bahnlandwirtschaft auf dem Eisenbahn eigenen Gelände nahe dem Diebsteich soll ganz verschwinden, die offizielle Kündigung und die Räumung sind für 2017 zu erwarten.

Und auch das Teichbiotop am Bahnhof Diebsteich soll abgepumpt und trocken gelegt werden. Dabei handelt es sich um ein ehemaliges Postgleisbett, wo sich inzwischen Amphibien und Brutvögel angesiedelt haben.

Ein Signal

Besorgte Anwohner und Kleingärtner wollen auf die Pläne der Bahn aufmerksam machen und versuchen, das grüne Erholungsgebiet zu retten. Vor zwei Monaten haben sie das Langenfelder Signal gegründet. Kleingartenpächter Volker Müller-Rode ist dabei. Er verweist auf den starken Verkehrslärm durch Kieler Straße, S-Bahn und Bundesbahn und den Fluglärm über dem Stadtteil: „Wir haben hier die einzige grüne Lunge, nicht nur für die Kleingärtner, sondern auch für die Menschen aus der Umgebung, die hier frische Luft schöpfen können.“

Dem Langenfelder Signal haben sich auch Anlieger der Wolffstraße und der Kieler Straße angeschlossen. Sie befürchten Schäden an ihren Gebäuden durch die täglichen Erschütterungen des Schwerlastverkehrs. Das Bündnis machte sein Anliegen im Juli durch ein Protest-Fest und eine Demonstration bekannt und bekam reichlich Zuspruch. Weitere Aktionen sind geplant.

Geht es auch anders?

Volker Müller-Rode ist sich gar nicht sicher, dass es überhaupt möglich wäre, die Straße durch die „Besthöhe“ als Großbaustellenzufahrt zu nutzen. Würde die unter dem Asphalt befindliche Wasserversorgung für die Gärten die Verkehrserschütterungen aushalten? In der vergangenen Woche seien zudem Bodenproben genommen worden. Soweit er gesehen habe, sei dort Torfboden entdeckt worden, dieser wäre für schwere Lasten zu nachgiebig.

Nach Ansicht des Bündnisses könnte die Bahn die Großbaustelle am Diebsteich auch über einen anderen Weg erreichen. Diese Zufahrt ginge über das Gewerbegebiet Große Bahnstraße und das dann leergepumpte ehemalige Postgleisbett. Die Hamburger Wirtschafts- und Verkehrsbehörde lehnt diesen Vorschlag bislang jedoch ab – aus Zeitgründen, da das Gleisbett auch neu ausgebaut werden solle und dann nicht mehr als Transportweg zur Verfügung stehe.

Informationen mangelhaft

Matthias Müller hat einen der Gärten auf dem Gelände der Bahn, das im kommenden Jahr geräumt werden soll. Er kritisiert, dass die Pächter überhaupt nicht einbezogen worden seien. Nicht einmal der Leiter des Geländes sei informiert gewesen, dass die Bahnlandwirtschaft aufgelöst werden soll. Für die Betroffenen in Langenfelde habe es auch keinerlei öffentliche Anhörung von Seiten der Bahn gegeben, bemängelt er ebenso wie Volker Müller-Rode.

Und beide äußern – mit einem Augenzwinkern – die Hoffnung, dass vielleicht eine geschützte Tierart im Biotop am Diebsteichbahnhof entdeckt wird. „Dann würde die Natur uns retten.“ In der Zwischenzeit ist das Bündnis weiter aktiv und sieht noch viel Aufklärungsbedarf. Auf der Altonale beispielsweise habe man den Eindruck gewonnen, dass selbst Pressemitarbeitern der Bahn nicht bewusst sei, was hier zerstört würde, sollten die Baustraßenpläne verwirklicht werden. Sie seien herzlich in die Gärten eingeladen.

 

Mehr Politik.

Ein Kleingartenverein muss dem Wohnungsbau im Norden von Eimsbüttel weichen. Wie Anwohner um den Erhalt kämpfen, erfahrt ihr in unserem Magazin #4. Seit 28. Juli ist es an mehr als 800 Hamburger Kiosken erhältlich.

Informationen im Zusammenhang mit der Verlegung des Bahnhofs Altona hier:
http://www.langenfelder-signal.de/

http://prellbock-altona.de/bahnhof-altona-am-friedhof/
http://bhv-stellingen.de/
http://buergerinitiative-volkspark.de/

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