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Rosa Müllsäcke am Straßenrand
Bunt ist der Herbst - Müllsäcke gegenüber der Apostelkirche. Foto: Anne Reis
Stadtbild

Rosa Müllsäcke: Ärgernis ohne Ende

Noch immer stellen über 4.500 Haushalte im Bezirk Eimsbüttel jede Woche über 6.300 rosa Müllsäcke an den Straßenrand. Die Stadtreinigung stellt kein Ende in Aussicht.

Von Anne Reis

Die Gegend um die Apostelkirche könnte so schön sein. Es gibt herrliche Altbauten, viel Grün, die Atmosphäre hat etwas Familiäres. “Wären da bloß nicht diese rosa Müllsäcke”, seufzt Anwohnerin Solveig Westphalen. “Sie verschandeln das Straßenbild, im Sommer stinken sie auch noch und ziehen Ratten an.”

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Das Hauptproblem: Viele Anwohner halten sich nicht an die Weisung, die Müllsäcke erst am Tag vor der Abholung an die Straße zu stellen. Zwischen den Abfuhrtagen Montag und Donnerstag hat der Restmüll mehrere Tage Zeit, vor sich hin zu gammeln. “Das verschärft die Vermüllung ungemein, ist aber auch ein Stück weit nachvollziehbar. Niemand hat Lust, eine Müllsammelstelle in der Wohnung zu haben”, so Westphalen. “Und in vielen der alten Häuser im Viertel gibt es nun mal keinen Müllraum.”

Was die Lage noch verschärft: “Die rosa Säcke wirken wie Magnete für Sperrmüll und Müll in anderen Säcken, der dann nicht mitgenommen wird und teilweise wochenlang herumsteht.” Teilweise sei es dadurch für Mütter mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Kinder auf Fahrrädern schwierig, an den Müllbergen vorbeizukommen.

Langlebiges Provisorium

Eingeführt wurde die “Sackabfuhr” als Provisorium in den 60er Jahren – für alle Haushalte, die keinen Platz für Mülltonnen hatten. In Eimsbüttel mit seinem dichten Altbaubestand waren und sind das besonders viele. Schon 1987 begann der Kampf gegen die rosa Säcke mit einer Senatsvorlage.

Zehn Jahre später gab es, angeregt durch Bürgerschaftsmitglied Ole von Beust, die erste Plenardebatte zum Thema “Sackabfuhr in Hamburg”. Damals waren noch etwa 22.000 Haushalte betroffen. Zwölf weitere Male stand das Thema seitdem auf der Agenda des Senats. Unzählige Male haben sich auch die sieben Bezirksversammlungen mit dem Ärgernis beschäftigt. Das Ergebnis: Solveig Westphalen zeigt gegenüber der Apostelkirche auf eine Ansammlung von rosa und lila Müllsäcken, die sich der Gesellschaft von gelben Säcken erfreuen. 

20 Prozent weniger Säcke in fünf Jahren

33 Jahre rosa Stillstand also? Nein, es gibt Fortschritte: “Wir haben die Anzahl von rosa Müllsäcken im Bezirk Eimsbüttel seit 2016 um rund 20 Prozent senken können”, teilt Johann Gerner-Beuerle, Pressesprecher der Stadtreinigung, mit. 2016 fielen jede Woche 7.909 rosa Müllsäcke an, im Oktober 2020 waren es noch 6.351. Um dies zu erreichen, sind elf Unter- und 15 Oberflursysteme eingerichtet worden. Unterflursysteme sind unterirdische Container. Oberflursysteme sind feste Abfallbehälterschränke.

Risiko für Mitarbeiter

Wie die Eimsbütteler hat auch die Stadtreinigung selbst ein großes Interesse an der Reduzierung von rosa Müllsäcken, nicht zuletzt aus Gründen des Arbeitsschutzes. Das betont Klaus-Jürgen Bruck, Leiter des Abschnitts Entsorgungssysteme, in einem aktuellen Artikel für die Fachzeitschrift “Müll und Abfall”: “Für die Mitarbeiter der Stadtreinigung bergen die Müllsäcke zum einen wegen des hohen Gewichts und zum anderen wegen spitzer Gegenstände im Abfall Gesundheitsrisiken. Durch die unsachgerechte Verteilung von Abfall auf Straßen und Wegen gibt es Schwierigkeiten bei der Müllabfuhr.”

Standortsuche extrem schwierig

Aber gerade in Eimsbüttel mit seiner dichten Bebauung ist es schwierig, Standplätze für Müllcontainer zu finden. Bis 2018 kamen öffentliche Flächen nicht infrage, solange private Flächen zur Verfügung standen. Auch dann nicht, wenn die privaten Flächen bereits öffentlich – zum Beispiel als Gehweg – genutzt wurden. So drehte man sich bei der Standortsuche oft im Kreis.

In Eimsbüttel gibt es besonders viele öffentlich genutzte Privatflächen, was bei einem Pilotprojekt im Jahr 2015 die Standortsuche im Vergleich zum zweiten Projektgebiet Altona erheblich erschwert hat.

20 Standorte in Prüfung

Seit November 2018 ist es einfacher: Durch die Änderung einer Verordnung haben Wohnungen mit Rosa-Sackentsorgung ein Recht auf einen Müllcontainer auf öffentlichem Grund. Und durch eine Änderung der Bauordnung können Müllcontainer auf privatem Grund verlangt werden. Zumindest wenn genug Platz auf dem Grundstück vorhanden ist, es nicht mit unverhältnismäßigem Aufwand verbunden ist und die Benutzung des Grundstücks nur geringfügig beeinträchtigt wird. Auf dieser Grundlage prüft die Stadtreinigung laut Gerner-Beuerle momentan 20 mögliche Standplätze in Eimsbüttel.

Freundliche Schreiben

Sein Kollege Andree Möller beantwortet den Eimsbütteler Nachrichten die Frage, was “verlangen” – im Gegensatz zu “verpflichten” – in diesem Zusammenhang bedeutet, und wer die Einrichtung von Müllcontainern verlangen darf: “Sowohl wir, die Stadtreinigung Hamburg, als auch das jeweilige Bezirksamt könnten es ‘verlangen’. Bisher reichten allerdings freundliche Schreiben aus, um den jeweiligen Kunden zu motivieren, einen Standplatz auf Privatgrund zu errichten. Wie eine echte rechtliche Durchsetzung funktionieren würde, haben wir noch nicht ausprobieren müssen.”

Unter die Erde mit den Säcken

Eine Lösung, um den Müll aus dem Straßenbild verschwinden zu lassen, sind Unterflursysteme, bei denen nur der Einfüllschaft oberirdisch zu sehen ist. Sie brauchen weniger Platz, sind relativ unauffällig und erleichtern älteren und behinderten Menschen das Einwerfen von Müllsäcken, weil der Einfüllschaft nur hüfthoch ist. Sind aber auch mit Abstand die teuerste Lösung.

In der Osterstraße weihte Bezirksamtsleiter Kay Gätgens 2018 das erste Unterflursystem auf öffentlichem Grund in Eimsbüttel ein. Foto: Bezirksamt Eimsbüttel

Doch bevor die Stadtreinigung bei der Standortsuche auch nur in die Abstimmung mit Bezirksamt, Polizei und Denkmalschutzamt geht, muss der potentielle Standort eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen. Diese sind in einer “Stellungnahme des Senats an die Bürgerschaft” von 2016 aufgeführt.

Folgende Voraussetzungen müssen vorliegen: Die Zahl an rosa Säcken, die durch das Unterflursystems eingespart werden, sollte möglichst hoch sein. Im geplanten Bereich dürfen keine Leitungen verlaufen. Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs muss gewährleistet bleiben. Keine Parkplätze dürfen verloren gehen. Der Untergrund muss befestigt und für Traglasten von mindestens 26 Tonnen geeignet sein. Außerdem muss der Standort sicher für die Kranfahrzeuge der Stadtreinigung erreichbar sein (das wird oft durch Bäume verhindert) und Fenster und Türen müssen ausreichend weit entfernt liegen. Und nicht zuletzt: Standorte im Wurzelbereich von Bäumen sind grundsätzlich verboten. Vor diesem Hintergrund scheint es erstaunlich, dass die Stadtreinigung in Hamburg bis 2019 immerhin 786 Unterflursysteme installieren konnte, elf davon im Bezirk Eimsbüttel.

Sackfreie Stadt

Trotz aller Bemühungen werden 33 Jahre nach Aufnahme des Kampfes hamburgweit jede Woche noch 13.626 rosa Säcke eingesammelt, 746 weniger als 2019. Fast die Hälfte aller rosa Säcke ziert die Straßenränder im Bezirk Eimsbüttel und die meisten von diesen finden sich im Stadtteil Eimsbüttel. Ein schnelles Ende des ständigen Ärgernisses ist laut Bruck nicht in Sicht: “Für Eimsbüttel […] und den Rest von Hamburg wird das Thema der ‘sackfreien Stadt’ noch längere Zeit weitergehen”, resümiert er am Ende seines Artikels.

Sauberes Viertel

Solveig Westphalen, die Anwohnerin der Apostelkirche, gibt die Hoffnung auf ein Stadtbild ohne Müllsäcke nicht auf: “Vielleicht gibt es ja eine kreative Lösung, auf die einfach noch niemand gekommen ist.” Für die Zwischenzeit äußert sie einen Wunsch: “Wenn wenigstens die gelben Säcke wöchentlich statt zweiwöchentlich abgeholt würden, wäre schon einiges gewonnen für die Sauberkeit des Viertels.”

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