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fullscreen “Schmeißt eure Brillen nicht weg!”
Das Vater-Tochter-Gespann Wilke setzt sich für Flüchtlinge ein. Foto: Louisa Grewe

Flüchtlingshilfe

“Schmeißt eure Brillen nicht weg!”

Karl-Heinz Wilke und seine Tochter Janina statten Bedürftige mit gespendeten Brillen aus. Mit der Aktion “Augen auf und Durchmessen” waren die beiden Optikermeister Anfang März in der Flüchtlingsunterkunft Papenreye zu Gast. Brillen sind wichtig zum Ankommen, sagen sie.

schedule Lesezeit ca. 3 min.

“Das hat unheimlich Spaß gemacht”, sagen Karl-Heinz und Janina Wilke immer wieder, wenn sie über ihr Engagement in der Flüchtlingsunterkunft Papenreye sprechen. Dort haben die beiden gelernten Optikermeister an zwei Tagen die Sehstärke von 70 Bewohnern vermessen und die Brillen entsprechend angepasst.

Ein Blick zurück in den Ärztecontainer der Flüchtlingsunterkunft: Vergangenen Mittwoch bauen die beiden Optiker ihr Equipment in dem Container auf. Schon am Dienstag stattete Karl-Heinz Wilke den Flüchtlingen einen Besuch ab, vermaß mit Sehtestgerät die Augen und notierte die Daten der Menschen. Die Aktion ist von langer Hand mit dem Träger der Unterkunft, dem Arbeiter Samariter Bund (ASB), geplant. Jeder, der an diesem Mittwoch in den Container kommt, hat einen Termin. Dank Dolmetscher können die Optiker mit ihren Kunden über ihre Beschwerden und Sehprobleme sprechen. Unter den mitgebrachten Brillen wird für jeden eine Passende gesucht, jedoch nicht immer gefunden. “Sie können damit oft trotzdem besser sehen als gar nicht”, sagt Karl-Heinz Wilke. Gerade bei den komplizierten Stärken könnten er und seine Tochter nicht immer hundertprozentig passende Brillen dabei haben. “Bei den einfachen Lesestärken haben wir es aber immer geschafft, die perfekte Brille anzupassen”, sagt Janina Wilke.

Mit der Brille integrieren

Janina Wilke hat bei der Aktion vor allem das Einleben der Flüchtlinge im Kopf. “Wir wollen alle, dass sie sich integrieren können”, sagt sie, “das ist aber nicht möglich, wenn die Flüchtlinge aufgrund einer fehlenden Brille nicht lesen können”. Es sei wichtig, dass die Flüchtlinge hier richtig ankommen und “erleben, wie schön es hier ist”. Ihr Vater ergänzt: “Einige Bewohner der Einrichtung bekommen Formulare ausgehändigt, deren Buchstaben sie nicht entziffern können.” Ihm sei während der zwei Tage ein Mann begegnet, der sechs Dioptrien hatte. “Der konnte gerade noch sehen, was direkt vor seinen Augen ist. Und hatte keine Brille”, sagt Karl-Heinz Wilke. Durch eine Brille mit 5,5 Dioptrien konnten die beiden seine Situation verbessern: “Der Mann war so dankbar und wollte uns beide umarmen.”

Die größte Arbeit der Beiden sei die Vorsortierung der gespendeten Brillen. Das sei fast nicht zu schaffen. Die gespendeten Brillen müssten aufbereitet und Seitenstege angepasst werden. Hier und da ersetzen sie auch Bügel und richten die Brillen neu aus, schildert Janina Wilke den Arbeitsprozess. Abschließend würde jede einzelne Brille mit einem Ultraschallgerät gereinigt und poliert, bevor die Doptrien-Zahlen der Gläser vermessen werden. “Wir machen das aus Leidenschaft”, sagt Karl-Heinz Wilke, “nicht weil wir angeben wollen”.

“Schmeißt eure Brillen nicht weg”

Die beiden Optikermeister engagieren sich mit der Aktion “Augen auf und Durchmessen” nicht das erste Mal für Bedürftige. Früher schickten sie Brillen nach Asien oder Afrika. Dann begannen sie damit, Obdachlose mit Brillen zu versorgen. “Hier können wir die Spenden viel besser einsetzen und wir wissen genau wo sie hinkommen”, sagt Janina Wilke. Irgendwann sei die Nachfrage nach Brillen von Seiten der Obdachlosen jedoch gesunken, sagen die beiden, während gleichzeitig die Bestände an gespendeten Brillen wuchsen. Daher kam die Idee, zusätzlich Flüchtlingen zu helfen.

Bei der Vorbereitung und Durchführung der Brillen-Aktion habe vor allem eins geholfen: “Wir sind eine Familie. Das klappt und man fährt auf der gleichen Schiene.” Karl-Heinz und Janina Wilke planen eine Wiederholung der Brillen-Aktion in der Unterkunft in der Papenreye. Sie seien aus Überzeugung dabei und werden “alles versuchen”, um einen erneuten Anlauf zu starten. Wichtig sei auch bei allen Menschen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass alte Brillen helfen können. “Schmeißt eure Brillen nicht weg”, betont der Optiker.

Unser Netzwerk Eimsbüttel hilft informiert dich über Hilfsinitiativen in deiner Nähe. Du willst die Menschen hinter den Zahlen kennenlernen? Dann schau dir unsere audiovisuelle Reportage Triff deine neuen Nachbarn an.

Brillen könnt ihr bei Wilke-Optik spenden. Jarrestrasse 37 in Winterhude. Telefon:  270 82 91 E-Mail: info(at)brillenhaus-wilke.de

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