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Bühnen gibt es überall – nicht nur in Theaterhäusern. Der Schauspieler Christopher Weiß nutzt das für sich und seine Arbeit. Über private Momente im Schein­werferlicht und neue Wege in der Theaterwelt.
Schauspieler Christopher Weiß denkt das Theater neu. Foto: Rainer Wiemers
Magazin #29

Interview mit Schauspieler Christopher Weiß: Ohne Konflikt kein Theater

Bühnen gibt es überall – nicht nur in Theaterhäusern. Der Schauspieler Christopher Weiß nutzt das für sich und seine Arbeit. Über private Momente im Schein­werferlicht und neue Wege in der Theaterwelt.

Von Julia Haas

Christopher Weiß fährt mit dem Fahrrad in den Park am Weiher. Es nieselt. Das Café hat geschlossen. „Kein Problem”, sagt Weiß. „Laufen wir eine Runde.” Beim Spaziergang erzählt er, was Schauspielern für ihn bedeutet und wie Theater den Alltag ihrer Zuschauer erreichen.

Eimsbütteler Nachrichten: Wann stand für Sie fest, dass Sie Schauspieler werden?

Christopher Weiß: Ich ­habe schon in der Schule Theater ­gemacht. Mit Freunden hatte ich eine Theater­grup­pe. Nachdem ich die Schule beendet habe, bin ich zum ­Vor­sprechen. Das war aufreibend, weil ich zu Schau­spielschulen in ganz Deutsch­land gefahren bin. Als aus Hannover die Zusage kam, bin ich total erschrocken. Plötzlich stand die Frage im Raum: Will ich das wirklich?

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Das aufregendere Medium

Und Sie wollten?

Ja. Ich finde es toll, Rollen zu spielen, Charaktere zu verstehen und mich dadurch mit gesellschaftlichen Themen zu beschäftigen.

Was bedeutet Schauspielerei für Sie?

Für mich hat das eine ganz besondere Intensität. Schauspielerinnen und Schauspieler spielen nicht nur ein Stück, es geht um Menschen, Beziehungen, Konflikte. Ohne Kon­flikte gibt es kein Theater.

Gleich­zeitig ist das Schauspielern ein Medium, mit dem ich mich ausdrücke. Es geht nicht nur um die Frage, was die Rolle will. Sondern auch: Was will ich auf der Bühne ­erreichen? Warum arbeite ich zum Thema „Tod” oder „Böse”? Die Antworten auf sinnliche Art und Weise darstellen zu dürfen, ist totaler Luxus.

Für mich ist die Schauspielerei ein aufregenderes Medium als das pure Gespräch oder die wissenschaftliche Auseinandersetzung. Es geht darum, sich in irgendeiner Form selbst zu berühren. In der Hoffnung, dass es auch das Publikum berührt.

„Ich muss es nicht selbst gespürt haben, um es spielen zu können.“

Wie viel Christopher Weiß steckt in Ihren Rollen?

Das ist die ewige Diskussion (lacht). Aber es ist immer anders – es kommt auf den Konflikt an. Natürlich versteht man manche Situationen aus seiner eigenen Biografie heraus. Aber ich habe nicht jeden Konflikt selbst erlebt, das muss ich mir dann erarbeiten. Ich muss es nicht selbst gespürt haben, um es spielen zu können.

Manchmal steht aber auch der private Mensch auf der Bühne?

Die Mischung ist wichtig. Es gibt die persönlichen Momente, und dann schlüpfe ich wieder in eine Rolle. Für mich war wichtig zu begreifen: Ich muss nicht als private Person auf der Bühne stehen und kann dennoch im Moment mit den Menschen dort sein. Und das bin dann ich – zumindest in dieser Situation.

Christopher Weiss, Schauspieler, im Interview mit den Eimsbütteler Nachrichten im Park Am Weiher. Foto: Rainer Wiemers

„Großstadtrevier”, „Tatort”, „Der Bulle und das Landei” – für kleinere Rollen standen Sie immer mal wieder vor der Kamera: Wie unterscheidet sich das Schauspielern auf der Bühne vom Filmdreh?

Toll an der Bühne sind der Live-Moment und der Kontakt zu den Zuschauerinnen und Zuschauern. Und dass du innerhalb kurzer Zeit eine Rolle und ihre komplette Entwicklung spielen kannst. Beim Film kann es passieren, dass du den Schluss am Anfang spielst. Es kommt auf den Drehplan an.

Unsichtbares Theater

Mit Ihrem Schauspielkollegen Kai Fischer haben Sie die Theatergruppe „Die Azubis” gegründet. Was machen Sie in der Gruppe?

Wir haben ganz verschiedene, auch interaktive Theaterformate entwickelt. Es läuft meistens nicht so, dass wir uns eine Bühne suchen und dort das klassische Theater spielen. Der Inhalt entscheidet über den Raum.

Zum Beispiel?

Einmal haben wir „Faust” auf der Reeperbahn ­gespielt. Während der Vorführung sind wir mit sechs Zuschauerinnen und Zu­schauern über den Kiez ­gelaufen. In diesem ganzen Trubel von Jung­gesel­len­abschieden ist unsere Gruppe nicht aufgefallen – wir waren ein unsichtbares Theater.

Wie lief das ab?

Das Publikum hat Audioguides bekommen und Mephisto hat sie geführt. Es ging in eine Privatwohnung, wo eine Party gefeiert wurde, auf der Faust Gret­chen kennenlernt. Danach in eine Kirche und später nach Altona. Der Trick war: Der Zuschauende war Faust – zumindest wurde er oder sie als Faust angesprochen. Es gab auch geheime Performer, die während der Aufführung aus der Menge getreten sind und plötzlich mitgemacht haben. Die ganze Umgebung hat sich dadurch aufgeladen. Alle wurden zu Darstellenden. Das war sehr aufregend. Auch wir, die Macher, wussten nie, was passiert. Die Kulisse war immer anders.

Schauspieler Christopher Weiss im Interview mit unserer Autorin. Foto: Rainer Wiemers

„Das Theater ist immer noch da.“

Was war Ihr Antrieb, die ­klassische Bühne zu verlassen und Theater in den öffentlichen Raum zu ­bringen?

Wir wollten die Bühne im Alltag integrieren und das Theater zu den Leuten bringen. Das Projekt wurde damals von der Stadt ­gefördert. Da­durch konnten wir Klassiker in den öffentlichen Raum bringen: „Faust” auf die Reeperbahn oder „Antigone” auf den Ohlsdorfer Friedhof.

Es war auch eine Möglichkeit zu ­schauen, ob diese klassischen Stoffe noch Relevanz haben. Bei einer „Wilhelm Tell”-Aufführung haben wir über Stadtentwicklung gesprochen. Es ging um Kleingärten, die Wohnflächen weichen sollten. Wilhelm Tell hat die Kleingärtner vertreten. Uns ist wichtig, die Menschen mit Themen abzuholen, die sie im Alltag bewegen.

Ist das eine Möglichkeit, Theater zukunftsfähig und für Jüngere attraktiv zu machen?

Es ist auf jeden Fall ein Versuch. Inwieweit die Theater das brauchen, weiß ich nicht. Es gab schon immer die Diskussion, dass Theater aussterben. Früher wegen des Kinos, dann kam das Internet, heute Streamingdienste. Aber: Theater ist noch da.

„Mit Menschen im selben Raum zu sein, löst Energien aus“

Netflix statt Theater: Muss die Bühne digitaler werden?

Während der Pandemie haben wir viel im digitalen Raum ausprobiert. „Hamlet” war eine Corona-Produktion. Wir haben zu Hause gespielt – im Wohnzimmer, auf dem Klo. Durch die Kamera konnten wir mit Filmschnitten und Zooms arbeiten. Das war aus der Not geboren, aber für uns super. Wir waren live und gleichzeitig im Wohnzimmer. Irgendwann habe ich mich gefragt: Ist das noch Theater oder nicht? Wir fanden das spannend und haben die Produktion später wiederholt, aber die Leute hatten keinen Bock mehr darauf. Sie wollten wieder raus und nicht mehr vor ihren Laptops sitzen.

Ich habe das auch gemerkt. Als wir wieder auf der Bühne standen, war das ein riesiger Unterschied. Mit anderen Menschen im selben Raum zu sein, löst andere Energien aus. Den­noch wird es wichtig sein, herauszufinden, welchen Mehrwert das Digitale dem Theater geben kann.

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