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Von wegen Schlaraffenland

Trotz des Überangebots an Nahrung leben Tauben in Stadtteilen wie Eimsbüttel nicht lange. Stress und Krankheiten raffen die vermehrungsfreudigen Tiere dahin. Gleichzeitig beschädigt Taubenkot Häuser und gefährdet die menschliche Gesundheit. Was wir dagegen tun können.

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Taube
In der Stadt werden Tauben im Schnitt nur zwei bis drei Jahre alt.

Klatschendes Flügelschlagen. Flatternd landet eine graue Taube auf der Balkonbrüstung. Direkt über einem Meisenknödel, der in seinem grünen Netz baumelt. Der Kopf der Taube zuckt ein paar Mal hin und her. “Ruh – Ruh”. Die Luft ist rein. Gierig hackt der Vogel auf den Meisenknödel ein. Körner fliegen nach allen Seiten. Als die Taube genug hat, kackt sie gefährlich nahe am Rosmarintopf vorbei und fliegt weg. Für Tauben muss das Leben in Hamburg wie im Schlaraffenland sein, könnte man meinen. Hier ein Meisenknödel, dort etwas Brot beim Entenfüttern im Eimsbütteler Park oder auch mal ein paar Pommes. Doch der Schein trügt. Das Taubenleben in einem dicht besiedelten Stadtteil wie Eimsbüttel ist alles andere als artgerecht.

Für Menschen, die sich anstecken, können diese Krankheiten sogar tödlich enden

Mit unserem Müll als Nahrung vermehren sich die Tiere unentwegt und gehen zugleich scharenweise an ihrer einseitigen Ernährung und vergammelten Lebensmitteln zugrunde. Ihre natürliche Lebenserwartung von bis zu fünfzehn Jahren reduziert sich in der Stadt auf durchschnittlich zwei bis drei Jahre. Zu viele Tauben auf engem Raum bedeutet Stress für die Tiere. Erreger der Papageienkrankheit, der Pilzinfektion Kryptokokkose und Salmonellen breiten sich rasant unter den Vögeln aus. Für Menschen, die sich anstecken, können diese Krankheiten sogar tödlich enden.

Einst wertvoller Briefträger, Friedensbote, Symbol der Liebe und Delikatesse, ist die Taube heute in Großstädten wie Hamburg als „Ratte der Lüfte“ nicht mehr gern gesehen. Der säurehaltige Taubenkot verätzt Gebäude und verdreckt Balkone. Tauben, die in zerfledderten Dönertüten nach Nahrung suchen, verstärken das Bild von der Ratte noch. Die Population in Hamburg wurde zwischenzeitlich auf 25.000 Tiere geschätzt. Wie viele es tatsächlich sind, könne niemand seriös beurteilen, sagt Rico Schmidt von der Hamburger Gesundheitsbehörde. Fest stehe nur, dass es zu viele seien. Auch in Eimsbüttel tummeln sich Schwärme von Tauben auf Dächern und in Parks. Die Tiere, die ursprünglich von Felsentauben abstammen, lieben die Häuserschluchten zwischen den Eimsbütteler Altbauten. Doch was unternimmt die Stadt, um Hausbesitzer und Einwohner vor der gefiederten Invasion zu schützen?

Die Eier würden durch Attrappen ersetzt, um die Vermehrung zu stoppen

Die Hamburger Behörden versuchen schon länger, der Plage Herr zu werden. Wer Tauben füttert, muss ein Ordnungsgeld von bis zu 5.000 Euro bezahlen. In Billstedt werden Tauben in Lebendfallen gefangen und anschließend – so heißt es – an Züchter vermittelt. Eine Lösung für Eimsbüttel könnte die Einrichtung eines Taubenhauses sein, wie es im Februar für den Hauptbahnhof im Gespräch war. Dort würden die Tiere medizinisch versorgt, gefüttert und könnten ein Nest bauen. Die Eier würden durch Attrappen ersetzt, um die Vermehrung zu stoppen. Da Tauben mit Vorliebe dort koten, wo sie fressen, könnte man den Taubenmist einfach vor Ort sammeln und entsorgen. In Städten wie Basel, Tübingen und Berlin ging die Taubendichte mit dieser Methode nach Angaben der Tierschutzorganisation NABU dauerhaft um ein Drittel zurück. Auch Marco Sommerfeld, Ornithologe beim NABU, würde ein Taubenhaus in Eimsbüttel als „tierschutzgerechte Regulierung“ des Bestandes begrüßen. Doch Schmidt relativiert: „Die Stadtverwaltung denkt schon seit Jahren über eine Möglichkeit nach, Taubenhäuser einzurichten. Aber bislang ist völlig unklar, wer ein solches Taubenhaus betreiben und bezahlen soll.“

Wer den Vögeln etwas Gutes tun möchte, lässt den Brotbeutel stecken

Für die Regulierung des Bestandes in Eimsbüttel sorgen derzeit allein Raubvögel wie Habichte, Uhus und Wanderfalken. Sie nisten in großen Parkanlagen wie dem Niendorfer Gehege und machen in der ganzen Stadt Jagd auf kranke und geschwächte Tauben. „In den Brutkästen der Wanderfalken findet man regelmäßig Taubenringe“, sagt Sommerfeld. Doch die Raubvögel könnten nach Einschätzung des Ornithologen mit der Vermehrungsrate der Tauben einfach nicht mithalten. Er sieht das eigentliche Problem bei selbsternannten „Taubenmüttern und -vätern“, die aus falsch verstandener Tierliebe die Vögel fütterten, wodurch die Population auf ein krankhaftes Maß anschwillt. Dabei können die Tiere sogar kilometerweit fliegen, um abwechslungsreiche Nahrung zu finden und müssen auch ohne den Menschen nicht Hunger leiden. Wer den Vögeln etwas Gutes tun möchte, lässt den Brotbeutel stecken und keine Lebensmittel offen auf der Straße herumliegen. Dann können wir uns vielleicht bald an weniger, dafür aber gesünderen Tauben erfreuen – so wie es die Menschen seit Jahrhunderten getan haben.

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