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Der Fernsehraum der Tagesaufenthaltsstätte. Hier können Bedürftige Spiele spielen, essen, fernsehen und im Warmen sitzen. Foto Karoline Gebhardt

Hilfsangebote

Winternotprogramm für Obdachlose

Am 01. November ist das bisher größte Winternotprogramm in Hamburg gestartet. Die Zahlen der obdach- und wohnungslosen Menschen in der Hansestadt steigen.

schedule Lesezeit ca. 3 min.

Jedes Jahr werden Schlafplätze für obdachlose Menschen angeboten, um sie vor dem Erfrieren zu schützen. In Hamburg gibt es Schätzungen zufolge rund 8.000 wohnungslose und 2.000 obdachlose Menschen. Neben ganzjähirgen Tagesaufenthaltsstätten und Notunterkünften werden von November bis März rund 900 zusätzliche Schlafplätze zur Verfügung gestellt. Damit ist das Hamburger Winternotprogramm das Größte bundesweit.

Die Unterbringungen sind täglich von 17:00-9:00 Uhr geöffnet, die Übernachtung ist kostenlos und anonym. Tagsüber sind die Unterbringungen geschlossen.

Die Zahl der Menschen, die tatsächlich auf der Straße schlafen, also obdachlos sind, hat sich in den letzten sechs Jahren stark erhöht, wie Erhebungen der Diakonie zeigen. Viele von ihnen sind Arbeitsmigranten aus Ost- und Südosteuropa, die in Deutschland auf der Suche nach Arbeit auf der Straße landen. Derzeit gehören fast 90 Prozent der Menschen im Winternotprogramm zu dieser Gruppe, meint Uwe Martiny, Einrichtungsleiter des Diakonie- Zentrums für Wohnungslose an der Bundesstraße 101. Die Vermittlung von Wohnungslosen in Wohnraum hat sich parallel zur steigenden Zahl verschlechtert, was in erster Linie daran liege, dass es immer weniger Sozialwohnungen gebe.

Senatorin Dr. Melanie Leonhard verfolgt einen anderen Ansatz und verweißt auf das Angebot der Sozialberatungen, in die die Stadt stark investiert. Das Ziel dieser Beratungsarbeit sei die Überwindung der Obdachlosigkeit in Hamburg. Das Diakonie-Zentrum hat das Angebot “Social Bridge” in diesem Jahr gestartet, als Teil des erweiterten Beratungsangebots. Dabei geht es speziell darum, Arbeitsmigranten aus Osteuropa in Arbeit zu bringen.

Tagesaufenthaltsstätten in Eimsbüttel

Die Kirchengemeinden stellen auch einzelne Schlafplätze zur Verfügung, unter anderem in Eimsbüttel. Die Platzvermittlung erfolgt über das Diakonie Zentrum für Wohnungslose in der Bundesstraße 101. Dort befindet sich die Tagesaufenthaltsstätte (TAS). Das Zentrum bietet neben Mittagessen, Wäsche waschen und Internetnutzung auch Beratung und eine hausärztliche Sprechstunde an. Die TAS ist ganzjährig geöffnet. Ein Mittagessen kostet 1,50€, für obdachlose Menschen 0,50€. Pro Tag kommen zwischen 100 und 150 Personen in die TAS.

Die Kemenate ist eine weitere Tagesaufenthaltsstätte in Eimsbüttel speziell für wohnungslose Frauen. Das Wichtigste für die Frauen sei Ruhe und Hygiene, erzählt Tanja Lazarevic, Sozialarbeiterin in der Kemenate. Frauen seien wenig sichtbar und kämen erst in letzter Not in die Kemenate. Oft haben sie Gewalterfahrungen gemacht, daher sei der geschütze Raum für Frauen extrem wichtig, erläutert Lazarevic. Pro Öffnungszeit kommen ungefähr 35 Frauen, die meisten sind zwischen 45 und 70 Jahren. Viele sind wohnungslos, kommen irgendwo unter. Für Frauen ist es gefährlich, auf der Straße zu schlafen.

Winternotprogramm auch tagsüber öffnen

Lazarevic wünscht sich, dass das Programm ganzjährig öffnen würde und auch tagsüber. Der Standard müsse kritisiert werden, solange es keine Einzelbelegung der Zimmer gebe, so Martiny. Dabei ginge es um Menschenwürde. Eine Wochenendöffnung würde er befürworten, die Finanzierung sei aber leider nicht gegeben. Was das Problem sei, die großen Unterkünfte des Winternotprogramms in der Münzstraße und im Schaarsteinweg auch tagsüber zu öffnen, verstehe er nicht. Im Alllgemeinen sieht er das Hamburger Hilfesystem positiv, das große Problem sei die Wohnungsnot.

Die Linken forderten einen runden Tisch, um im Bezirk Eimsbüttel eine Lösung gegen die Obdachlosigkeit zu finden und für kommende Winter vorzusorgen. Die Partei konnte sich jedoch mit der Forderung nicht gegen die anderen Fraktionen der Bezirksversammlung durchsetzen. In diesem Jahr kam es zudem zu einem Streit um einen Zaun am Isbekkanal. Der Zaun sollte, je nach Sichtweise, Obdachlose von der Brücke fernhalten oder vor dem Ertrinken schützen. Der Kompromiss: Die Seitenteile des Zauns wurden wieder entfernt.

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