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Seit etwa einem Jahr sucht Familie Wiedermann intensiv nach einer neuen Wohnung in Eimsbüttel. Foto: Julia Haas
Seit über zwei Jahren sucht Familie Wiedermann intensiv nach einer neuen Wohnung in Eimsbüttel. Foto: Julia Haas
Wohnungssuche

Eimsbütteler Familie findet keine Wohnung: Was läuft auf dem Wohnungsmarkt schief?

Olli und Sophie Wiedermann wollen sich vergrößern – eine neue Wohnung, ein zweites Kind. Doch die Wohnungssuche lässt sie verzweifeln. Ihr Beispiel zeigt die Probleme des Wohnungsmarktes auf.

Von Julia Haas

Ihre Vorstellung scheint nicht utopisch – und doch ist sie bislang nicht zu realisieren. Sophie und Olli Wiedermann träumen von einer 3,5- bis 4-Zimmer-Wohnung ab 90 Quadratmetern in Eimsbüttel. Bisher leben sie mit ihrem dreijährigen Sohn auf knapp 60 Quadratmetern in der Fruchtallee. Doch ihre Familie soll wachsen, mehr Wohnraum ist notwendig.

Seit über zwei Jahren suchen sie aktiv nach einem neuen Zuhause. Sie haben sich auf diversen Immobilienportalen mit Premium-Accounts angemeldet, Flyer gedruckt und Hausverwaltungen kontaktiert. Ihr Budget haben sie dabei immer wieder erhöht. Dennoch ergaben sich bisher nur zwei Wohnungsbesichtigungen – und auch diese führten zu keinem neuen Mietvertrag. Was Familie Wiedermann erlebt, zeigt Probleme auf, die viele auf dem Wohnungsmarkt haben.

Auch mit selbst erstellten Flyern sucht die Familie nach einem neuen Zuhause. Foto: Julia Haas
Auch mit selbst erstellten Flyern sucht die Familie nach einem neuen Zuhause. Foto: Julia Haas

Höhere Mieten? „Das Viertel ist es uns wert“

Olli und Sophie Wiedermann leben seit zehn Jahren in Eimsbüttel, ihr Sohn besucht hier die Kita. Im Gespräch mit den Eimsbütteler Nachrichten erzählen sie, in der Nachbarschaft bleiben zu wollen. „Hier haben wir unser soziales und berufliches Umfeld“, sagt Sophie Wiedermann. In Eimsbüttel seien sie zuhause.

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Viele Hamburger teilen den Wunsch, im Viertel zu bleiben

Aus einer Studie zur Entwicklung des Wohnverhaltens in Hamburg von Januar 2024 geht hervor, dass die Bedeutung des Quartiers zunimmt. Für 80 Prozent der Haushalte sei demnach die Ausstattung der Quartiere mit Geschäften, Gastronomie und Kultureinrichtungen wichtig. Neue Wohnungen würden bevorzugt innerhalb des bisherigen Wohnumfelds oder in angrenzenden Stadtteilen gesucht.

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Inzwischen seien die beiden bereit, bis zu 2.100 Euro warm für eine neue Wohnung auszugeben. Das seien knapp 1.000 Euro mehr, als sie aktuell zahlen. „Das Viertel ist es uns wert“, sagt Wiedermann.

Viele Familien scheitern an Wohnungssuche

Sie und ihr Ehemann arbeiten in systemrelevanten Berufen. Sophie Wiedermann ist Lehrerin, Olli Wiedermann Erzieher. „Wir bringen finanzielle Sicherheit mit.“ Und dennoch scheint es nicht auszureichen. Der Leidensdruck sei enorm, die Belastung hoch. Rund vier bis fünf Stunden pro Woche würden in die Wohnungssuche fließen. „Wir sind ratlos“, sagt das Ehepaar.

Eine Studie zeigt, dass die Situation der Wiedermanns kein Einzelfall ist. Insbesondere bei jungen Haushalten und Familien, die zur Miete wohnen, bestehe eine große Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit hinsichtlich wohnflächenbezogener Merkmale. Im Zuge einer Familiengründung gelinge es vielen Familien nicht, die Wohnsituation den veränderten Bedürfnissen anzupassen. So würden Familien mit Kindern und einem eher höheren Einkommen im Mittel 18 Monate nach einer passenden Wohnung oder einem passenden Haus in Hamburg suchen. Ein Drittel der Familien mit geringerem Einkommen suche der Studie zufolge mehr als zwei Jahre.

Wohnungsanzeigen, die Sophie Wiedermann auf Immobilienportalen finde, seien oft nur wenige Minuten online, berichtet sie. Dass das Angebot der Nachfrage nicht gerecht wird, hat verschiedene Gründe.

Einbruch im Wohnungsneubau

In Hamburg ist die Zahl der Haushalte mit Kindern in den letzten Jahren gestiegen (2014: 176.374 Haushalte mit Kindern, 2024: 189.436 Haushalte mit Kindern). Auch in Eimsbüttel zeichnete sich dieser Trend ab.

Während Hamburg dieser Entwicklung in den Anfangsjahren noch einen höheren Wohnungsneubau entgegensetzte – von 2011 bis 2022 stieg der Wohnungsbestand um 9,3 Prozent auf 992.600 Wohnungen –, schwächte sich das in den vergangenen Jahren unter anderem durch die Baukrise ab. Das von der Stadt Hamburg gesetzte Ziel, jährlich mindestens 10.000 neue Wohnungen zu genehmigen, wurde seit 2023 nicht mehr erreicht. Im vergangenen Jahr gab es 6.734 Genehmigungen und damit 24 mehr als im Vorjahr.

Nachverdichtung statt Neubau?

Auch im Bezirk Eimsbüttel spiegelte sich dieser Rückgang wider. Eigentlich sollten hier jährlich 1.050 Genehmigungen im Wohnungsbau erreicht werden, 2023 waren es nur 779, ein Jahr später 605. Im vergangenen Jahr übertraf der Bezirk das Ziel erstmals wieder mit 1.053 Baugenehmigungen. Neben der Baukrise hemme in Eimsbüttel vor allem die Flächenverfügbarkeit. Im Wohnungsbauprogramm 2024/2025 des Bezirks heißt es: „Da die Erhaltung von Grünflächen prioritär behandelt wird und es an städtischen Flächen mangelt, gibt es kaum Möglichkeiten für großflächige Neubauprojekte.“

Dennoch sei das Engagement hoch, die Wohnraumknappheit zu bewältigen. Neben Neubauten spiele auch die Nachverdichtung eine entscheidende Rolle, indem beispielsweise bereits bestehende Gebäude aufgestockt würden.

„Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum“

Auf Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten heißt es vom Mieterverein zu Hamburg, dass bezahlbarer Wohnraum für jede Haushaltsgröße fehle. Vierzimmerwohnungen etwa seien sehr schwer zu finden. Zudem erscheine es mit zunehmender Kinderanzahl auch noch einmal schwieriger, die Vermieterseite zu einem Vertragsschluss zu bewegen, so Marielle Eifler, stellvertretende Vorsitzende des Mietervereins.

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Sozialwohnungen

Der soziale Wohnungsbau stockt in Eimsbüttel. 2025 wurde der Bau von 98 Sozialwohnungen genehmigt. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist das Mittelmaß. 2024 wurden 244 Sozialwohnungen genehmigt, in den Jahren davor mal über 100 und mal keine einzige.

Im letzten Jahr sind 267 Sozialwohnungen fertiggestellt worden – 2024 waren es nur 90. Doch verloren 2025 auch einige Sozialwohnungen ihren Förderstatus. Das passiert meistens nach 20 bis 40 Jahren. So fielen in Eimsbüttel 2025 insgesamt 295 Sozialwohnungen aus der Bindung. Insgesamt ergibt sich dadurch ein Minus von 28 Sozialwohnungen. 

Im April 2024 hat die Stadt Hamburg einen 3. Förderweg eingeführt. Dieser richtet sich an Menschen mit mittlerem Einkommen. Insbesondere Familien, Menschen ab 60 Jahren und Menschen mit Behinderung sollen davon profitieren. Im Bezirk Eimsbüttel gab es im Januar 2026 jedoch nur 45 Wohnungen im 3. Förderweg.

Große Wohnungen vorhanden, aber nicht verfügbar?

Dass ihre Wohnungssuche bislang erfolglos blieb, könnte für die Wiedermanns aber noch einen anderen Grund haben: „Es gibt große Wohnungen in Eimsbüttel, sie sind aber nicht verfügbar.“ Eine Rolle spielt dabei, dass Senioren und Seniorinnen in Wohnungen leben, die einst für die ganze Familie Platz boten. Ein Umzug in kleinere Wohnungen wäre jedoch mit höheren Mieten verbunden und deswegen nicht attraktiv.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wohnten 2022 27 Prozent der alleinlebenden über 65-Jährigen auf je mindestens 100 Quadratmetern. Weiter heißt es dort: „Ältere Menschen leben in sechs von zehn Fällen bereits länger als 20 Jahre in ihrer Wohnung und besonders häufig auch allein – unter anderem deshalb steht dieser Gruppe pro Kopf auch durchschnittlich die größte Wohnfläche zur Verfügung.“

Kleinere Wohnung, höhere Mieten

In Hamburg hat die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen eine Anlaufstelle eingerichtet, an die sich Personen, die in Hamburg leben und eine kleinere, geeignetere Wohnung suchen, wenden können. Auch das städtische Wohnungsunternehmen Saga biete Angebote zum Wohnungstausch für Mietende an – jedoch habe sich gezeigt, dass das Interesse daran relativ gering sei. Nur wenige Seniorinnen und Senioren würden sich final für einen Wohnungstausch entscheiden, wie aus einem Protokoll des Hamburger Integrationsbeirats hervorgeht.

Dass in diesem Bereich wenig Bewegung herrscht, beobachtet auch der Mieterverein zu Hamburg. „Es erscheint sehr verständlich, dass Seniorinnen und Senioren ihr gewohntes Lebensumfeld nicht verlassen möchten, wenn für die gleiche Bruttomiete eine viel kleinere Wohnung angemietet werden könnte“, sagt Eifler. Um die Attraktivität für einen Umzug zu steigern, bräuchte es mehr bezahlbare und altersgerechte Wohnungen. Solange es diese Möglichkeit nicht gebe, würden die Menschen in ihren Dreizimmerwohnungen bleiben.

Die Wiedermanns können das nachvollziehen. Deswegen wären sie sogar dazu bereit, die Mehrkosten, die die neue Miete verursachen würde, zu übernehmen.

Fast nur Tauschwohnungen

Unabhängig davon scheint das Tauschgeschäft zu boomen. Eine Suche im Immobilienportal Immoscout, die den Anforderungen der Familie Wiedermann entspricht und sich auf den Stadtteil Eimsbüttel konzentriert, ergab acht Treffer – alle davon Tauschwohnungen.

„Selten sucht jemand eine kleinere Wohnung“, sagt Sophie Wiedermann. Verschiedenste Anfragen blieben deswegen erfolglos.

Dazu kommen laut Mieterverein rechtliche und logistische Herausforderungen. So müssten sich sowohl Mieter als auch Vermieter zweier Parteien über Auflösung und Neubegründung der Verträge einig werden. Gleichzeitig sei es logistisch oft schwierig, weil an einem bestimmten Termin zwei Haushalte tauschen müssten.

Wie die Wohnungssuche die Familienplanung hemmt

Darüber hinaus vermutet das Eimsbütteler Ehepaar, dass es viele Wohnungen nicht auf öffentliche Portale schaffen. Oft sei die Nachfrage im Bekanntenkreis von aktuellen Mietern oder den Vermietern so hoch, dass auf diesem Wege Nachfolger gefunden würden. „Auch für unsere Wohnung haben sich direkt ein paar Freunde angemeldet, die gerne einziehen würden, wenn wir etwas Neues haben.“

Die Wiedermanns haben sich zum Ziel gesetzt, noch bis Ende des Jahres ihre Traumwohnung in Eimsbüttel zu finden. Sollte es bis dahin nicht klappen, müssten sie ihren Suchradius erweitern. Spätestens wenn ihr Sohn eingeschult wird, wollen sie das neue dauerhafte Zuhause bezogen haben. Und auch mit einem Geschwisterkind wollen sie nicht mehr allzu lange warten. Voraussetzung bleibt für die beiden jedoch, erstmal mehr Platz zu finden.

Mieterverein: Nicht verzweifeln!

Marielle Eifler vom Mieterverein rät dazu, nicht zu verzweifeln und die Nerven zu behalten. Irgendwann würde sich ein Weg auftun. Gleichzeitig fordert sie Politik und Wohnungswirtschaft auf, bezahlbaren Wohnungsbau für alle zu schaffen.

Olli und Sophie Wiedermann suchen mit ihrem Sohn eine neue Wohnung in Eimsbüttel, auch ein Tausch wäre möglich. (Kontakt: 0157 56422814 oder wohnungssuche_eimsbuettel@gmx.net)


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