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Helga Obens und Peter Mathews stehen am NS-Mahnmal zur Bücherverbrennung, wo kürzlich Bäume gefällt wurden. Foto: Angela Woyciechowski
Helga Obens und Peter Mathews stehen am NS-Mahnmal zur Bücherverbrennung, wo kürzlich Bäume gefällt wurden. Foto: Angela Woyciechowski
Erinnerungsarbeit

Bäume an NS-Mahnmal gefällt – Initiative fordert Diskurs

Ende Februar hat das Bezirksamt am Kaiser-Friedrich-Ufer Bäume fällen lassen. Diese waren jedoch Teil eines NS-Mahnmals. Die Initiatoren des Gedenkortes möchten nun mit der Behörde ins Gespräch kommen.

Von Angela Woyciechowski

Peter Mathews war schockiert, als er am vergangenen Wochenende am Kaiser-Friedrich-Ufer entlanglief. Bäume, die über Jahrzehnte das NS-Mahnmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung markierten, waren verschwunden. Nur sieben Baumstümpfe blieben von den Blutpflaumen zurück. Für Mathews und einen Arbeitskreis, der sich im Zusammenhang mit dem Mahnmal für die Bücherverbrennung um Erinnerungsarbeit bemüht, ein harter Schlag. 

Was ist passiert?

Das Bezirksamt Eimsbüttel hat die Bäume nach eigenen Angaben kurzfristig wegen eines Pilzbefalls fällen lassen. Die Mitglieder des Arbeitskreises “Bücherverbrennung – nie wieder”, die am Kaiser-Friedrich-Ufer jährlich Gedenkveranstaltungen organisieren, wurden vorab nicht informiert. 

Helga Obens und Peter Mathews am Gedenkort zur Bücherverbrennung
Helga Obens und Peter Mathews am Gedenkort zur Bücherverbrennung. Foto: Angela Woyciechowski

Welche Bedeutung haben die Bäume?

“Die Bäume sind hier gewachsen und waren immer Bestandteil des Gedenkortes”, sagt Helga Obens. Sie ist Aktivistin und Publizistin, seit Jahren engagiert sie sich mit Peter Mathews und anderen in der Erinnerungsarbeit. Mathews war es, der in den frühen 1980er Jahren die Idee hatte, ein Mahnmal zur Bücherverbrennung zu errichten. Schnell fand sich eine Gruppe von Menschen aus Buchhandel, Bibliotheken, Verlagen, Gewerkschaften, Universitäten und Schulen, die 1981 den Hamburger Arbeitskreis “Bücherverbrennung – nie wieder” gründeten. Als Gedenkort wählten sie das Kaiser-Friedrich-Ufer unweit der Goebenbrücke – dort, wo die erste Hamburger Bücherverbrennung durch NS-Studentenorganisationen und Burschenschaftler am 15. Mai 1933 stattfand. 

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Die Errichtung eines Mahnmals, zu dem eine Steinmauer mit beschrifteten Granitblöcken des Künstlers Wolfgang Finck gehört, nahm einige Jahre in Anspruch. Die Bezirksversammlung Eimsbüttel unterstützte das Projekt – 1985 wurde es fertiggestellt. Esther Bejarano, Auschwitz-Überlebende, sowie Peggy Parnass, die gemeinsam mit ihrem Bruder den Holocaust nur durch einen Kindertransport von Hamburg nach Schweden überlebte, eröffneten gemeinsam mit Abi Wallenstein, Bluessänger und Gitarrist, den Gedenkort. 

Im selben Jahr seien auch die Bäume gepflanzt worden. Über 40 Jahre sind sie gewachsen. Die Bäume zeigten, dass das Leben weitergehe, sagt Mathews. “So ein Baum hat etwas Widerstandsfähiges und Lebendiges.” 

Gedenkort wird rege genutzt

In den vergangenen Jahren fanden unter den Bäumen zahlreiche Lesungen statt. So haben Studierende Heine auf Russisch gelesen, es wurde gerappt und gesungen, erzählen Obens und Mathews. Immer wieder beteiligten sich auch Schüler des Kaiser-Friedrich-Ufer-Gymnasiums an den Leseaktionen. Und jahrelang sei dies ein Treffpunkt für Überlebende des Holocaust gewesen.  

Am 21. Mai 2026 soll die nächste Marathonlesung stattfinden – dann aber auf einem kahlen Platz. Der Arbeitskreis hätte sich gewünscht, dass das Bezirksamt sensibler mit den Fällungen umgegangen wäre. “Leider hat die Behörde niemandem Bescheid gesagt und damit vollendete Tatsachen geschaffen”, kritisiert Peter Mathews.

So erklärt das Bezirksamt das Vorgehen

Laut Bezirksamt Eimsbüttel hat die Abteilung Stadtgrün am 17. und 18. Februar in eigener Zuständigkeit die Bäume fällen lassen. “Leider waren die sieben Blutpflaumen stark von einem Pilz befallen, ihre Verkehrssicherheit war nicht mehr gewährleistet.” Da auch mit baumpflegerischen Maßnahmen ein verkehrssicherer Erhalt nicht mehr herzustellen gewesen und der Pilzbefall mit einer sogenannten Weißfäule einhergegangen sei, wurde die Entscheidung, die Bäume zu fällen, kurzfristig getroffen.

Ein vom Pflaumen-Feuerschwamm Pilz befallener Baum am Gedenkort
Ein vom Pflaumen-Feuerschwamm-Pilz befallener Baum am Gedenkort. Archivfoto: Bezirksamt Eimsbüttel

Was sagt der Arbeitskreis dazu?

Im Arbeitskreis wünscht man sich, zumindest jetzt in ein offenes Gespräch zu kommen. “Es wäre schön, wenn die Behörde einen offenen Diskurs daraus machen würde und mit uns sprechen würde, damit ein Konsens erzielt werden kann”, sagt Mathews. Dabei gehe es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um den Ort und die Sache – und dass das Mahnmal in seiner Gänze erhalten bleibe. 

Wie geht es jetzt weiter?

Das Bezirksamt plant an der betroffenen Stelle Nachpflanzungen. Außerdem stehe man über die konkrete Wiederherstellung des Mahnmals zur Erinnerung an die Bücherverbrennung bereits mit der Behörde für Kultur und Medien in Kontakt.

“Wir schlagen vor, dass die alten Unterlagen nochmal angeschaut werden und geprüft wird, was damals in dem Beschluss von 1985 stand, wie dieses Mahnmal aussehen soll”, fordert Mathews. Er und der Arbeitskreis wünschen sich, dass der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werde. “Vielleicht kann man Bäume pflanzen, die schon ein bisschen größer sind und in ein oder zwei Jahren wieder rote Blätter tragen”, lautet seine Hoffnung. 

info

Über den Arbeitskreis

Viele Organisationen nehmen jährlich an der Gedenkveranstaltung im Mai teil: das Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V., die Bücherhallen Hamburg, ver.di Hamburg, Studierende der Universitäten, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, der Eimsbütteler Turnverband, der Ida Ehre Kulturverein und andere Organisationen. Um die Arbeit zu verstetigen, haben die Initiatoren vor 14 Jahren die Arbeitsgemeinschaft “Monat des Gedenkens Eimsbüttel” gegründet.

Bereits jetzt habe man große Pläne für die “runden” Jahre. „Für 2028, also 95 Jahre danach, wollen wir eine ganz außergewöhnliche Leseaktion anstoßen, die in Zeiten knapper Mittel für Kultur zu stemmen ist, wenn viele sich beteiligen”, sagt Obens. 

Text: Angela Woyciechowski


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