Für mehr Inklusion in Eimsbullerbü
Seit der Geburt seiner Tochter blickt Andi Ebel mit anderen Augen auf die Welt. Ihre Behinderung zeigt ihm, dass viele Kinder noch immer ausgeschlossen werden. Mit einem Kinderfest in Eimsbüttel setzt er ein Zeichen für Inklusion.
Von Alexis Milne„Noma ist voll die Zuckerschnute, voll das Energiebündel“, erzählt Andi Ebel von seiner Tochter. Durch ihre Geburt habe er begonnen, sich intensiv mit Inklusion zu beschäftigen. Noma kam mit Trisomie 21 zur Welt – vielen auch als Down-Syndrom bekannt.
„Ich kann verstehen, wenn Eltern damit erstmal zu knabbern haben“, sagt Ebel. „Noma hat uns die Chance zu einem Perspektivwechsel geschenkt.” Jetzt wolle er die Welt zu einem besseren und sicheren Ort machen, für Menschen wie Noma, deren Bedürfnisse selten mitgedacht werden.
Wie Vorurteile entstehen
Es fange schon in der Kita an, so Ebel. Viele Kindertagesstätten bieten keine Plätze für Kinder mit Behinderungen an. Und so gehe es oft in Schulen, an Arbeitsplätzen, in Universitäten und bei Stätten für Freizeitangebote weiter: Es fehlen Rampen, Aufzüge, Ruheräume und vieles mehr.
Wenn Kinder mit Behinderungen durch diese Hürden ausgeschlossen werden und nicht mit anderen in Kontakt kommen, würden Vorurteile gegenüber behinderten Menschen entstehen, sagt Ebel.
Ein Kinderfest für eine bunte Gesellschaft
Ebels Idee: ein Kinderfest, das auf das Thema aufmerksam macht und für alle Kinder zugänglich ist. Als Veranstaltungskaufmann habe Ebel bereits Erfahrung mit Straßenfesten. Um seine Idee in Eimsbüttel umzusetzen, gründete er mit anderen Unterstützern Bunterkunt Hamburg e. V. Der Verein veranstaltete im Sommer 2025 sein erstes inklusives Sommerfest auf dem Schulhof in der Telemannstraße.

Zahlreiche Einzelpersonen, Initiativen und Vereine aus dem Viertel und darüber hinaus haben daran mitgewirkt. „Wir können froh sein, in Eimsbüttel zu wohnen“, sagt Ebel. Es beeindrucke ihn, wie sehr die Vereinsarbeit eine Eigendynamik entwickelt habe. „Man hat so ein persönliches Thema – denkt man –, und dann kommen Menschen dazu, die eigentlich nichts damit zu tun haben, aber komplett Feuer und Flamme sind.“ Das schaffe einen starken Gegenpol zum sonstigen Weltgeschehen, das Ebel bedrücke.
Ort zum sicher Fühlen
Auf dem Fest gab es unterschiedliche Spielangebote für Kinder, Lesungen und Infostände. Mit dabei war auch das Blinden-Team des FC St. Pauli. Die Besucherinnen und Besucher konnten gegen das Team antreten – mit Dunkelbrillen und Rasselbällen. Das Fest kam bei den Gästen sehr gut an, sagt Ebel. Viele hätten zurückgemeldet, dass sie es als einen „Safe Space“ für sich oder ihre Kinder empfunden hätten – sie haben sich sicher gefühlt. Das freue Ebel. Es mache ihn aber auch traurig, dass sich viele Menschen sonst nicht sicher fühlen könnten.
Versuchen, die Welt besser zu machen
Auch dieses Jahr soll das inklusive Kinderfest stattfinden. Am 27. Juni sollen wieder Personen mit und ohne Behinderungen zusammenkommen. Ebel hofft, dass das Fest künftig wachse – mit mehr Initiativen und Ständen. Das Wachstum solle jedoch langsam und organisch entstehen, sodass jederzeit alle mitgedacht werden.
„Man kann sich auf die Politik nicht verlassen, wir müssen mehr Eigeninitiative ergreifen. Wir müssen versuchen, die Welt besser zu machen – im eigenen kleinen Kosmos, im kleinen Eimsbüllerbü.“
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