U5: Hat sich Hamburg verrechnet?
Die geplante U5 stößt auf Kritik. Die Hamburger Linke bemängelt das Vorhaben und verweist in einer Studie auf mögliche Alternativen.
Von Sarah JaskulskiEine neue U-Bahn-Linie – die U5 – soll in den 2040er-Jahren fertiggestellt werden. Mit einer Länge von rund 30 Kilometern soll sie von Bramfeld bis zu den Arenen im Volkspark führen, mit einer geplanten Verlängerung bis Osdorfer Born. Sie soll dabei die Bezirke Wandsbek, Hamburg-Nord, Hamburg-Mitte, Eimsbüttel und Altona durchqueren. Gebaut wird bereits in den Bereichen City Nord, Alsterdorf, Steilshoop und Bramfeld.
Die Pläne stoßen jedoch bei der Fraktion der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft auf Kritik: Eine im Juli veröffentlichte Studie – die die Fraktion in Auftrag gegeben hatte – bemängelt die bisherige Planung sowie die prognostizierten Fahrgastzahlen, welche nach ihren Berechnungen fehlerhaft seien. Sie verweist zudem auf mögliche Alternativen, wie eine Straßenbahn oder eine verkürzte Strecke.
Eine U-Bahn, die keiner braucht?
Die Fraktion der Linken kritisiert allgemein die lange Dauer des Projekts sowie die hohen Kosten, die sich auf rund 16,51 Milliarden Euro belaufen würden. Der Umstieg auf eine verstärkte Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs solle zeitnah erfolgen und nicht erst in den 2040er-Jahren, wie bisher geplant.
Besonders problematisch wird die Verbindung vom Hauptbahnhof-Nord zum Stephansplatz gesehen. Dabei handele es sich um den teuersten Abschnitt der Strecke, ohne dass dadurch neue Wohngebiete oder Arbeitsstätten erschlossen würden. Die erwarteten Fahrgäste könnten der Studie nach eine gefährliche Überfüllung zur Folge haben.
Prognosen der Fahrgäste – überhöht und unplausibel?
Ein weiterer Kritikpunkt der Studie betrifft die vorausgesagten Fahrgastzahlen. So seien beispielsweise die Prognosen für den Abschnitt zwischen Universität und Grindelberg laut der Studie stark überhöht und unplausibel. Wie diese Zahlen zustande kämen, sei unklar.
Zudem sei die Universität von der geplanten Haltestelle aus schlechter zu erreichen als von den bereits bestehenden Stationen. Bei der Station Grindelberg seien die geschätzten Zahlen der Ein- und Ausstiege ebenfalls anzuzweifeln, die Hochrechnung zur U5 sei überhöht.
Kaum Verbesserung durch die U5 erwartet
Auch der geplante Ausbau der bestehenden Haltestelle Hoheluftbrücke wird bemängelt: Das Umfeld sei bereits heute gut erschlossen, sodass die U5 die bestehende Anbindung nur geringfügig verbessern würde. Eine zusätzliche Verbindung sei daher nicht notwendig.
Unverständlich sei zudem die Entscheidung für den Standort der geplanten Station Behrmannplatz. Der Siemersplatz liege in unmittelbarer Nähe und sei wesentlich attraktiver. Sie biete den weiteren Vorteil, dass die UKE-Haltestelle etwas nach Süden und mehr in die Mitte des Krankenhausgeländes verschoben werden könne.
Zum geplanten Abschnitt zwischen Hanbecks Tierpark und Stellingen heißt es in der Studie: Dieser Bereich sei bereits durch die U2 gut erschlossen. Deshalb sei eine zusätzliche Anbindung durch die U5 aus Sicht der Linken nicht notwendig.
Alternativen zur geplanten U5
Die Studie schlägt alternativ zur neuen U5 ein Straßenbahnnetz entlang von vier wichtigen Verkehrsachsen vor. Drei der vier Strecken würden demnach durch den Bezirk Eimsbüttel verlaufen. Insgesamt umfasst der Vorschlag eine Streckenlänge von rund 43 Kilometern und 91 Haltestellen. 24 davon sollen gleichzeitig als Knotenpunkte mit Umstiegsmöglichkeiten zu U- und S-Bahnlinien sowie zu den anderen Straßenbahnstrecken dienen.
Die Kosten für das vorgeschlagene Straßenbahnnetz würden laut der Studie bei maximal 1,5 Milliarden Euro liegen – knapp ein Zehntel der geplanten U5. Damit sei das Straßenbahnnetz kosten- und zeiteffizienter als die geplante U-Bahn-Linie.

Die Linke schlägt außerdem vor, die bereits geplante U5 von Bramfeld über die Sengelmannstraße und die City Nord bis zum Borgweg zu führen. Dort könnte die U5 auf die bestehenden Gleise der U3 übergehen. Damit könnte sie die vorhandenen ÖPNV-Kapazitäten nutzen und ein Weiterbau werde damit überflüssig.
Ändert die Verkehrsbehörde ihre Pläne?
Von der Verkehrsbehörde heißt es, sie habe die Studie zur Kenntnis genommen. Sie werde sich mit den darin enthaltenen Aussagen auseinandersetzen.
Gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten betont eine Sprecherin, dass die Behörde weiterhin die aktuelle Linienführung der U5 für die beste Lösung zur zukünftigen Mobilitätsentwicklung Hamburgs hält. Zudem sei die Strecke von Bramfeld bis zu den Arenen nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz als Gesamtlinie förderfähig. Für den Abschnitt von den Arenen bis zum Osdorfer Born zeichne sich ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis ab.
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