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Foto: Lea Freist
So hoch die Decke reicht: Buchhändler und Mitinhaber Thomas Bleitner vor den prall gefüllten Bücherregalen. Foto: Lea Freist
Hamburger Buchhandlungspreis

Buchhandlung Lüders: Kleine Schätze

Am 3. September wird zum zweiten Mal der Hamburger Buchhandlungspreis verliehen. Aus Eimsbüttel sind vier Buchhandlungen nominiert. Eine davon ist Lüders Buchhandlung und Antiquariat. Seit 60 Jahren ist der Laden mit Bücherregalen bis zur Decke nicht aus dem Heußweg wegzudenken.

Von Lea Z. Freist

Die nur 70 Quadratmeter große Ladenfläche ist bis in den letzten Winkel mit Büchern gefüllt. Eine junge Familie hockt vor der Bücherwand und stöbert, eine Studentin sitzt vertieft auf einem Sessel und liest in einem Roman. Die Bücher im Kassenbereich sind Raritäten, die die Kunden nicht so schnell woanders finden. Auf Tischen im Eingangsbereich werden die Lieblinge und Empfehlungen der Mitarbeiter präsentiert.

Familienunternehmen seit 60 Jahren

Die Buchhandlung Lüders wird seit ihrer Gründung 1956 als Familienunternehmen geführt. Axel Lüders eröffnete vor 60 Jahren das Geschäft als reines Antiquariat. Ursprünglich lag das Geschäft auf der anderen Straßenseite des Heußwegs, bei Karstadt, hinter der Einmündung Henriettenstraße. Nur 20 Quadratmeter Platz hatte Axel Lüders in seinem ersten Ladengeschäft.

Foto: Thomas Bleitner
Das Schaufenster von Lüders nach Ladenschluss. Foto: Thomas Bleitner

Vor rund 25 Jahren übernahm das Geschäft seine Tochter, Ragna Lüders. Sie nahm immer mehr neue Bücher, Belletristik und auch Bestseller, in das Sortiment auf. „Aber das Antiquariat hegen und pflegen wir selbstverständlich nach wie vor“, erzählt Thomas Bleitner, Mitinhaber der Buchhandlung. Vor fast fünf Jahren ist er Gesellschafter geworden, gehöre aber im klassischen Sinne nicht zur Familie, sagt er lachend. Thomas Bleitner hat Literatur studiert und ist während des Studiums nach Eimsbüttel gezogen. Er sei über Lüders gestolpert, reinspaziert und habe beschlossen, hier zu arbeiten.

Thomas Bleitner ist stolz auf die Kombination von neuem Sortiment und ausgesuchtem Antiquariat in Kunst, Literatur und Philosophie. Die vier festangestellten Buchhändler sind für einzelne Bereiche zuständig, sind Experten auf ihrem Gebiet.

Literatur, die man auf Amazon nicht bekommt

Eimsbüttel sei ein dankbarer Stadtteil, so vielschichtig, ein buntes Publikum mit jungen und alten Einwohnern, der die vier Buchhandlungen – unmittelbar voneinander entfernt – verkraftet und nicht nur das: Jede Buchhandlung hat ein Profil, hat ihr Stammpublikum. Die Buchhandlung Lüders legt den Kunden unbekannte Autoren und kleine Verlage ans Herz, besticht durch ihre in Vitrinen ausgestellten antiquarischen Schätze.

„Amazon lässt sich nicht rückgängig machen, damit muss man leben und kann es auch“, sagt Bleitner zum gigantischen Konkurrenten. An Lüders sei es, die Literatur anzubieten, die man auf Amazon eben nicht bekomme, weil sie bei einem Ranking weit unten stünde, sagt er und blättert durch einen seltenen Fotoband.

Die Buchhandlung Lüders funktioniert, weil die Menschen gerne in den Laden kommen, die Beratung schätzen, sich im Laden treiben lassen. Das merkt auch Bleitner: Manche Kunden würden online bestellen, aber kämen persönlich vorbei, um die Bücher abzuholen.

Leseaffine Eimsbütteler

Unten im Keller, eine steile Treppe hinab, sind die Leseexemplare aufgestellt, die in diesem Bücherherbst erscheinen. Ein Buch, das möglicherweise ins Sortiment passt, wird angelesen, in die Hand genommen, begutachtet. „Wenn es uns packt, dann lesen wir es natürlich sofort durch“, sagt Thomas Bleitner. Er kann sich kaum entscheiden, was sein momentanes Lieblingsbuch ist und wählt dann Markus Flohrs „Alte Sachen“, ein schmales Buch in Leinen mit Wäscheschild. Auch haptisch ein Erlebnis. Die Geschichte des jungen Hamburger Autors Flohr spielt auf zwei Zeitebenen und hat eine ganz unaufdringliche Message. Für ihn, so Bleitner, sei es ein Plädoyer an junge Menschen, sich für die Geschichte ihres Landes zu interessieren. Sonst wüssten sie nicht, wo ihre Wurzeln liegen.

Die Wurzeln der Buchhandlung Lüders liegen an der Osterstraße. Hier könnten die Buchhandlungen sogar „befreundete Konkurrenz“ sein, sagt Bleitner. Insgesamt sind zehn Buchhandlungen aus Hamburg für den Buchhandlungspreis nominiert, vier davon kommen allein aus Eimsbüttel. Die lokalen Buchhändler können gemeinsam etwas schaffen, wie Christiane Hoffmeister vom Büchereck Niendorf Nord vormacht. Sie hat die Lange Nacht der Literatur ins Leben gerufen. So finden am kommenden Samstag zur diesjährigen Langen Nacht der Literatur parallel vier Veranstaltungen in den Buchläden im Bezirk statt und trotzdem seien genug Interessenten mobilisiert worden. Das gehe nur in Eimsbüttel, findet Thomas Bleitner.

Der Autor Abbas Khider, der vor 20 Jahren aus dem Irak nach Deutschland geflüchtet ist, wird hier, bei Lüders lesen, bevor der Abend mit der Preisverleihung in der Kunsthalle endet.

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