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Die Anwohner erinnern mit Blumen an Renata Reha Drehmel. Foto: Holger Artus
Mit Blumen erinnern die Nachbarn an Renata Reha Drehmel. Foto: Holger Artus
Antisemitismus

Erneuter Anschlag auf Stolperstein in der Gärtnerstraße

Erst im Januar wurde er ersetzt, nun haben Unbekannte ihn erneut beschädigt: Der Stolperstein für Renata Rahel Drehmel in der Gärtnerstraße wurde mit Farbe beschmutzt.

Von Alana Tongers

Noch kein Jahr erinnert der Stolperstein in der Gärtnerstraße 117 an das Leben und Leiden der verfolgten Jüdin Renata Rahel Drehmel. Kurz nach seiner Installation wurde er fast vollständig zerstört. Nun haben Unbekannte ihn erneut mit Farbe beschmiert.

Erstmalige Zerstörung im September

Die Polizei wurde bereits am 9. April über die Verschandelung informiert. Die Täter hatten den Stein mit roter Farbe beschmiert und so komplett unkenntlich gemacht. Wer mit welchen Motiven hinter der Tat steckt, ist unklar.

Der Stolperstein wurde in Gedenken an Renata Rahel Drehmel im August 2019 verlegt. Im September hatten Unbekannten ihn zunächst teilweise beschädigt. Wenig später haben die Täter ihn komplett aus dem Gehweg herausgebrochen. Erst im Januar dieses Jahres wurde der Stein mit Geldern der Bezirksversammlung ersetzt.

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Die erneute Beschädigung des Stolpersteins wurde der Polizei am 9. April gemeldet. Foto: Holger Artus

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Im September 2019 hatten Unbekannt den Stein vollständig zerstört. Foto: Bernd Carstensen

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Kurz zuvor hatten die Täter den Namen von Renata Rahel Drehmel aus dem Stein „geschnitten“. Foto: Gesche-M. Cordes

Nachbarn legen Blumen nieder

Holger Artus hatte bereits bei der Zerstörung des Stolpersteins im September 2019 mit einem Aushang über den Vorfall informiert. Als er von dem erneuten Anschlag erfuhr, habe er überlegt, den Stein einfach still und leise zu reinigen. Nach Absprache mit den Hamburger Stolpersteinen und der Polizei habe er sich aber entschlossen, erneut ein Infoblatt aufzuhängen. „Den Konflikt kann man nicht gewinnen, da hilft nur Öffentlichkeit in der Nachbarschaft“, findet Artus.

Das Infoblatt sei von vielen Anwohnern gelesen worden, so Artus. Einige von ihnen kamen am Montag, um die Farbe zu beseitigen und Blumen niederzulegen. Bereits zuvor hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Gabor Gottlieb den Stein gereinigt. „Ich bin entsetzt über den feigen Anschlag. Es ist erst wenige Monate her, dass wir uns für die Wiederherstellung des Stolpersteins eingesetzt haben“, so Gottlieb in einer Pressemitteilung der SPD.

Auch wenn zum Motiv der Tat nichts bekannt ist, häufen sich die Vermutungen. „Allem Anschein nach hat die Tat einen antisemitischen Hintergrund„, hieß es in einer Drucksache der Bezirksversammlung im September 2019. Auch Artus vermutet hinter der Tat einen Nazi, der den Stein erneut zerstören könnte. Trotz Corona wünscht er sich Engagement gegen Rechts: „Stolpersteine sind wichtige Mahnmale, denn sie erinnern an die Menschen, die unsere Nachbarn waren.“

Anwohner und Interessierte reinigen den Stolperstein in der Gärtnerstraße 117. Foto: Holger Artus

Leben der Renata Rahel Drehmel

Renata Rahel Drehmel ist 1903 in Hamburg geboren. Sie lebte mit ihrem Mann Fritz und ihrem Sohn Werner zeitlebens in der Gärtnerstraße 117. Mehrere ihrer Familienmitglieder wurden von den Nationalsozialisten in Konzentrationslager verschleppt und dort ermordet.

Drehmel selbst war durch die Ehe mit ihrem nichtjüdischen Mann zunächst geschützt. Dieser Schutz wurde nach Fritz plötzlichem Tod hinfällig. Drehmel belastete diese Bedrohung für sie und ihren Sohn wohl stark. Sie begang mehrere Selbstmordversuche und wurde in die Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn eingewiesen. Drehmel starb 1943 im Jüdischen Krankenhaus Berlin. Die Todesursache ist unklar.

Ihr Sohn Werner wurde nach ihrem Tod im Alter von 14 Jahren zunächst ins Getto Theresienstadt, dann ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Das Lager wurde vor fast genau 75 Jahren am 27. April 1945 befreit. Werner überlebte und wanderte später in die USA aus. Dort starb er 2008.

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