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Der Headcoach der Jugend Basketball Bundesliga Lars Mitwollen. Foto: Patrick Willner

Hart aber herzlich

Am 18. Oktober startete die Saison der Basketball-Bundesligen NBBL (U19) und JBBL (U16). Auch die Sharks Hamburg sind dabei, ein Zusammenschluss von Spielern verschiedener Hamburger Basketballvereine, auch aus Eimsbüttel. Unser Gastautor Christoph Scheuring hat für die Eimsbütteler Nachrichten den Headcoach Lars Mittwollen über die Ausbildung bei den Sharks Hamburg und die Aussichten für sein Team in der Jugendbasketball-Bundesliga befragt.

Von Gast

Herr Mittwollen, Sie sind der sportliche Leiter der Sharks Hamburg und damit verantwortlich für eines der erfolgreichsten Projekte im Hamburger Jugendsport. Welcher Erfolg hat Ihnen rückblickend am meisten bedeutet: Der Gewinn der deutschen Meisterschaft mit Ihrer U-14-Mannschaft? Das Erreichen des Halbfinales in der Jugendbundesliga (JBBL)? Oder doch eher die Berufungen einiger Ihrer Spieler in eine Jugendnationalmannschaft?

Lars Mittwollen: Wir verstehen uns als eine Ausbildungskooperative. Wir begleiten jugendliche Talente im Basketball auf ihrem Weg zum Erwachsensein. Insofern freuen wir uns über jeden einzelnen Spieler, der es in einen Regional- oder Nationalkader schafft oder sich einen Profivertrag verdient. Aber wir messen unsere Erfolge nicht an solchen Berufungen. Wir haben Erfolg, wenn unsere Spieler es schaffen, Ihr eigenes Leistungspotential auszuschöpfen.

Das klingt jetzt fast nach entspanntem Freizeitsport.

Lars Mittwollen: Im Gegenteil. Basketball in der Jugendbundesliga ist harter Leistungssport. Wir verlangen von unseren Spielern absolut professionelles Verhalten. Das reicht von konsequenter Ernährung über diszipliniertes Training bis zur mentalen Fokussierung an jedem Spieltag. Wir erwarten ein korrektes Auftreten in der Öffentlichkeit. Wir erwarten, dass der Spieler zu keinem Augenblick seine schulischen Verpflichtungen vergisst. Wer als Jugendlicher bei den Sharks Hamburg Basketball spielen will, kann einen Begriff wie „Party“ fast schon aus seinem Sprachschatz streichen.

Was bekommt er dafür zurück? Bietet der Basketball den Spielern später eine Perspektive?

Lars Mittwollen: Wir müssen ehrlich sein: Basketball ist in Deutschland zwar keine Randsportart mehr. Aber die Möglichkeiten, als Spieler damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sind noch sehr begrenzt.

Wie erklären Sie einem Jugendlichen dann, warum er sich trotzdem quälen soll?

Lars Mittwollen: Es gibt kaum eine Sportart, die den Jugendlichen besser auf das Leben vorbereitet als der Basketball. Erwachsen werden heißt immer, eine Balance zu finden zwischen den eigenen Interessen und den Interessen der Gemeinschaft. Du musst Dein Talent zum Leuchten bringen, ohne das Talent der anderen zu verdunkeln. Darum geht es im Sport wie im Beruf. Dein Nachbar ist immer gleichzeitig Konkurrent und Mitspieler. Du musst lernen, dich gegen ihn durchsetzen und ihn trotzdem in seiner Arbeit unterstützen. Sonst hast du als Team keinen Erfolg. Wer sich in diesem Dilemma bewegen kann, hat das Wichtigste gelernt, was er später im Leben braucht.

Klingt eher nach einem Argument für Eltern als eines für die Jugendlichen selbst.

Lars Mittwollen: Ich könnte hundert andere Gründe nennen. Zum Beispiel gibt es kaum einen internationaleren Sport. Überall auf der Welt stehen Körbe herum. Wenn Du mit einem Ball in der Hand auf einen Platz gehst und das Spiel beherrschst, hast du sofort Freunde. Egal, ob du am Strand in Griechenland bist oder in einem Käfig in der Bronx. Du bist automatisch Teil einer weltweiten Gemeinschaft. Das versuchen wir zu fördern, indem wir internationale Turniere ausrichten und Vereine aus anderen Nationen einladen. Zu unserem Neujahrsturnier kommt beispielsweise die Mannschaft des FC Badalona aus Barcelona nach Hamburg. Im Gegenzug besuchen wir Barcelona wahrscheinlich in der Osterpause. Außerdem arbeiten wir gerade daran, eine Kooperation mit amerikanischen Highschools aufzubauen, in denen unsere Spieler trainieren und spielen können, wenn sie ein Auslandsjahr machen wollen. Basketball ist einfach mehr als eine Sportart. Basketball ist auch Kultur, Musik, Lifestyle, Mode. Das gibt es so in keinem anderen Sport.

Gilt dies nicht auch für den Fußball?

Lars Mittwollen: Nicht in dieser Form. Eine spezifische Fußball-Kultur existiert nicht. Und auch im Sport selbst gibt es Unterschiede. Im Fußball kann eine Mannschaft den Ausfall eines Spielers auf dem Platz meist kompensieren. Wenn im Basketball nur einer auf dem Platz seine Aufgabe nicht erfüllt, scheitert sofort das ganze Team.

Welche Folgen hat das für die Philosophie Ihrer Ausbildung?

Lars Mittwollen: Wir nehmen den Begriff „Ausbildung“ ernst. Wir legen viel Wert auf die Schulung des Charakters. Wir versuchen, den Menschen als Ganzes in seiner Entwicklung weiter zu bringen. Nicht nur seinen Körper zu trainieren. Wir werden uns im nächsten Jahr deshalb auch formal als „Akademie“ neu organisieren.

Wie sind die Sharks Hamburg überhaupt organisiert?

Lars Mittwollen: Wir sind wie gesagt eine Ausbildungskooperation, die mit mehreren Hamburger Vereinen zusammenarbeitet und die den talentiertesten Spielern die Gelegenheit gibt, sich mit den besten Basketballern Deutschlands zu messen. Unsere Kooperationsvereine sind über den ganzen Norden verteilt. Von Lüneburg über Hittfeld und Bramfeld bis nach Eimsbüttel und Eidelstedt.

Hat sich in Ihrer Arbeit etwas verändert, seit es in Hamburg mit den Towers eine Bundesligamannschaft gibt?

Lars Mittwollen: Die Aufmerksamkeit für unseren Sport ist größer geworden, unsere konkrete Arbeit verändert sich dadurch nicht.

In Hamburg existiert mit den Piraten eine zweite Mannschaft in der JBBL. Wie ist Ihr Verhältnis?

Lars Mittwollen: Das Spiel gegen die Piraten ist für meine Jungs immer einer der Höhepunkte des Jahres.

Sehen sie Unterschiede zwischen den beiden Vereinen?

Lars Mittwollen: Es sind dieselben Unterschiede, die auch im Vergleich mit den meisten anderen Mannschaften in der JBBL existieren. Wir haben keinen Bundesligaverein in unserem Rücken. Wir haben auch kein finanzstarkes, überregionales Unternehmen, das unsere Arbeit finanziert. Die Sharks Hamburg sind immer noch geprägt durch ehrenamtliches Engagement und die Unterstützung kleinerer Unternehmen, die in der Region verwurzelt sind. Was uns an Geld fehlt, müssen wir durch Herzblut und Leidenschaft auffangen.

Können Sie uns Ihren sportlichen Ansatz erklären?

Lars Mittwollen: Im Detail würde das hier sicher zu weit führen. Prinzipiell kann man sagen: Wenn es darum geht, die besten Spieler des Landes auszubilden, steht die Arbeit auf zwei Säulen: Auslese und Förderung. Unser Schwerpunkt liegt klar bei der Förderung. Wir sind keine Freunde des darwinschen Survival of the Fittest. Wir versuchen jedem die Förderung zu geben, die für ihn am besten ist, auch wenn es am Ende nicht für den Profibasketball reicht.

Sprechen wir über die neue Saison. Am 18. Oktober startet Ihre Mannschaft um 11.00 Uhr mit einem Heimspiel im Schulzentrum am Peperdieksberg gegen die Basketballakademie Weser-Ems aus Oldenburg. Wie sehen Sie Ihre Chancen? Wo steht Ihr Team im Vergleich zum vergangenen Jahr?

Lars Mittwollen: Wir haben – zumindest im älteren Jahrgang – in dieser Saison keinen national herausragenden Einzelspieler in unseren Reihen. Aber wir haben einen tief besetzten, ausgeglichenen Kader. Meiner Ausbildungsphilosophie kommt diese Situation sehr entgegen. Inwieweit wir damit auch sportlich erfolgreich sein können, werden wir sehen. Viel wird davon abhängen, wie wir als Team funktionieren. Auf jeden Fall werden wir für jeden Gegner relativ schwer auszurechnen sein.

Unser Gastautor Christoph Scheuring, Jahrgang 1957, war unter anderem Journalist beim Spiegel und dem Stern. Er ist zweifach mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet. Für die Eimsbütteler Nachrichten wird er in dieser Saison die Spiele der Sharks Hamburg verfolgen.

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