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Matthias Elwardt im Sommer vor dem Abaton. Foto: Fabian Hennig
Magazin #11

Matthias Elwardt über seine Zeit im Abaton

Matthias Elwardt war 29 Jahre lang Chef des Abaton, 2018 war sein letztes Jahr in dem namhaften Kino. Wir haben ihn gefragt, wieso er aufhört und ob es Kinos in Zukunft noch geben wird. Ein Interview aus unserem Magazin #11.

Von Fabian Hennig

Herr Elwardt, die wichtigste Frage zuerst, Sie hören im Abaton auf. Wieso das?

Mir ist gekündigt worden, das ist kein freiwilliger Weggang. Zum Ende des Jahres 2018 beende ich meine Arbeit hier im Abaton. Es war mir wichtig, das Jahr noch zu Ende zu machen.

Wie ist es dazu gekommen?

Einer der beiden Gründer, Werner Grassmann, hat zusammen mit seinen Söhnen 2006 das Haus gekauft, der Mietvertrag lief damals noch bis 2015. Mit der Verlängerung des Mietvertrages über 2015 hinaus gab es dann Streitigkeiten, die vor Gericht ausgetragen wurden.

An der Kasse liegt gerade ein neues Buch von Werner Grassmann, „Abenteuer Abaton“, mit Anekdoten über das Kino. Sie kommen darin nicht vor. Seit 29 Jahren sind Sie für das Abaton verantwortlich. Wie passt das zusammen?

Ich denke, das Hamburger Publikum schätzt meine Programmarbeit seit 1990 mit vielen Gästen und Gesprächen und neuen und außergewöhnlichen Ideen.

Wer führt das Abaton ab 2019 weiter?

Ab nächstem Jahr wollen das zwei Söhne von Herrn Grassmann übernehmen.

Wie geht es danach für Sie weiter?

Das weiß ich noch nicht. Mein Sohn macht ein halbes Jahr später Abitur und meine Tochter studiert schon, ich bin dann also nicht mehr zwangsläufig an Hamburg gebunden.

Irgendeine Richtung?

Es kommt darauf an, was zu dem Zeitpunkt passt. Ich führe viele Gespräche und dann müssen wir schauen. Ich kann mir auch etwas ganz anderes vorstellen. [Anmerkung der Redaktion: Matthias Elwardt übernimmt ab dem 1.1.2019 die Geschäftsführung des Zeise Kinos in Ottensen.]

Das Abaton ist eines von sechs Kinos, in denen das Filmfest Hamburg Station macht. Foto: Alexander Povel

Ihre Biografie ist eng verbunden mit dem Abaton. Wie hat alles angefangen?

Mitte der 1980er Jahre habe ich Betriebswirtschaft und im Nebenfach Theater- und Medienwissenschaften studiert. Das Abaton suchte damals Tonsteuerer. Man saß einfach hinten im Kino und regulierte den Ton. Das war zwar ohne Bezahlung, dafür durfte man aber die Filme umsonst anschauen. 1986 hatte der Wallraff-Film „Ganz unten“ Kinostart und war nachmittags schon ausverkauft, die Leute standen um den Block. Also brauchte das Abaton schnell einen Helfer, der Ein- und Auslass macht. Mich haben sie über eine Telefonliste erreicht. Und zum Glück hatte ich Zeit.

Und ab diesem Zeitpunkt waren Sie drin?

Genau, dann habe ich angefangen, hier zu arbeiten. Allerdings gar nicht so lange, weil ich noch im selben Jahr für ein Studienjahr nach Irland gegangen bin. Von dort habe ich auch den Bloomsday mitgebracht. Das ist der 16. Juni, den James Joyce in dem Buch „Ulysses“ verewigt hat. Den Film von Joseph Strick hatte ich in Irland im Fernsehen gesehen und in den Zeitungen gelesen, was alles an Feierlichkeiten stattfindet. Damals gab es einen James-Joyce-Lookalike-Contest. Für deutsche Verhältnisse wäre das ein Heinrich-Böll- oder Günther Grass-Ähnlichkeitswettbewerb. Das wäre bei uns schwer vorstellbar. Weil ich so einen Tag bei uns im Abaton veranstalten wollte, haben wir das 1988 eingeführt. Die Veranstaltung war so erfolgreich, dass wir das seitdem jedes Jahr wiederholen.

Dann wurde seit 30 Jahren jedes Jahr der Bloomsday veranstaltet?

Richtig. Dieses Jahr zeigen wir ihn zum 30. Mal um 17 Uhr, digital und in der englischen Fassung, und anschließend gibt es wieder den “Blooms Lunch” mit
Gorgonzola-Sandwiches und Burgunder Rotwein. Die 35mm-Filmkopie der deutschen Fassung zeigen wir ein letztes Mal am „Early Bloomsday“, am 13. Mai um 10.45 Uhr. Danach spielen wir alle Filme nur noch digital.

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Viele ältere Filme werden nicht mehr digitalisiert. Wurde die deutsche Version von Ulysses schon digitalisiert?

Nein, der deutsche Verleih existiert nicht mehr und danach hat sich niemand für den Film interessiert.

Was ist die Schwierigkeit bei der Digitalisierung?

Viele Leute unterschätzen die Kosten. Es gibt TV-Sender, die noch alte Filmbänder im Keller haben, aber das Fernsehen zeigt viele nicht mehr. Die Digitalisierung kostet zu viel und die Filme sind nicht nachgefragt. Am Ende bleibt beim Verleih nicht viel hängen.

Was kostet es, einen Film zu digitalisieren?

Beim filmischen Erbe, also all die alten Filme, sagt man rund 20.000 bis 25.000 Euro pro Kopie.

Wenn irgendwann die Kinos keine 35mm-Projektoren mehr haben, die das abspielen können, verschwinden die Filme doch?

Ja. Aber die Filmmuseen behalten die alten 35mm-Projektoren. Aktuelle Filme sind nur noch digital. Aber die Altbestände können dann nicht mehr bei uns gezeigt werden, das stimmt.

Wie finden Sie diese Entwicklung? Gerade weil Sie den Kinobetrieb schon so lange kennen?

Für mich hat Kino auch einen kulturgeschichtlichen Aspekt. Kino war über 100 Jahre auf Zelluloid. Ich finde es schade, wenn man nicht mehr die Möglichkeit hat, Filme über Filmprojektoren zu zeigen. Zum Beispiel letztes Jahr haben wir „Absolute Giganten“ noch auf Filmrolle gezeigt. Wenn die Kopie gut erhalten ist, ist das super. Dann spürt man das Original. Einen Filmklassiker wie „Siddhartha“ gibt es auch nur auf Film.

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Wie finden Sie die Digitalisierung mit hochtechnischen Projektoren und Filmen auf Festplatte?

Es kommt darauf an. Durch die Digitalisierung kann man heutzutage ein One-Button-Cinema machen. Für kleine Orte finde ich das spannend, zum Beispiel für das Hamburger Umland. Man muss die Filme nicht mehr zusammenbauen, man lädt sie nur noch runter oder sie werden auf einer Festplatte geliefert. Der Betreiber selbst sitzt an der Kasse und wenn alle Zuschauer drinnen sind und er den Film gestartet hat, setzt er sich mit einem Buch ins Foyer.

Das klingt aber nicht mehr so romantisch?

Romantisch war das noch nie. Vorführer mussten früher immer schauen, dass die Überblendung zwischen den Akten stimmt. Das war harte Arbeit.

Vor einigen Jahren gab es die Prophezeiung, dass Kinos im Zuge der Digitalisierung und von Streaming untergehen, was ist daraus geworden?

Die Besucherzahlen sind verhältnismäßig stabil. Die Leute wollen raus und ins Kino gehen. Facebook und Instagram, das macht nicht glücklich. Das ist eben eine Scheinwelt.

Die Prophezeiung ist also nicht eingetreten?

Nein. In Hamburg kommt noch dazu, dass wir eine Single-Hochburg sind und Kino ist der unkomplizierteste Ort, um zusammenzukommen. Es gibt keine Schwelle. Einen guten Film kann sich jeder anschauen, egal mit welchem Background oder in welchem Alter. Oper, klassische Musik oder Pop-Konzerte, das ist schon ein großer Unterschied. Nicht ohne Grund gibt es im Amerikanischen den Begriff des Date-Movies. Für das erste Treffen kannst du dich unkompliziert verabreden und sozusagen Nähe mit deinem vielleicht zukünftigen Partner herstellen. Und auch schauen, ob der an den selben Stellen lacht oder weint.

Oder zu einer der vielen Sonderveranstaltungen gehen!

Ja. Wir haben im Jahr deutlich über 200 Veranstaltungen mit vielen Gästen. Auch ein so einzigartiges Format wie unser Filmquiz. Oder eben der Bloomsday oder eine Veranstaltung, die wir dieses Jahr mal wieder machen: Das Cinemahl. Einen Film schauen und danach gibt es das passende Essen. Wahrscheinlich zeigen wir „Brust oder Keule“ mit Louis de Funès. Und dann in Zusammenarbeit mit Gerd Rindchen. Der Film ist wirklich sehr lustig und der hatte schon seherische Qualitäten. In den 1970er Jahren setze er sich schon mit Fertigessen auseinander.

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Als cinephiler Mensch, was halten Sie von Streaming-Portalen?

Mein Problem ist, dass über 800 Filme in diesem Jahr ins Kino kommen. Wenn man den Anspruch hat, das möglichst beste Programm zu zeigen, muss man diese 800 Filme irgendwie wahrnehmen. Das heißt nicht, dass man die alle gesehen haben kann, das geht gar nicht. Aber alle wichtigen Filme schaue ich komplett an. Dann schaffe ich es nicht mehr, andere Sachen zu sehen. Und 800 sind die neuen Filme, dazu kommen noch alte Filme für besondere Kontexte.

Zum Beispiel?

Begleitend zu „Hitch und ich“ in den Kammerspielen haben wir auch eine Hitchcock-Reihe mit Jens Wawrczeck – dem Sprecher von Peter Shaw von den Drei Fragezeichen. Der kommt dann zur Sonntagsmatinee mit anschließendem Gespräch. Der ist ein echter Hitchcock-Fan. Ich dachte immer, ich weiß viel über Hitchcock, aber er schlägt mit seinem Wissen jeden.

Hitchcock wegen der Drei Fragezeichen?

Ja, auch wenn Hitchcock dafür nur seinen Namen gegeben hat. Und für das Cinemahl habe ich mir noch mal „Babettes Fest“ angeguckt. Die Essensszenen im Film sind toll, aber die sind nur 20 Minuten lang. Der Rest der Geschichte ist doch heute leider bieder und pathetisch und somit nicht Cinemahl-kompatibel.

Wird es in Zukunft immer mehr exklusive Filme für Streaming- Portale geben? So etwas wie „Auslöschung“ bei Netflix?

Regisseure wollen ins Kino, so wollen sie wahrgenommen werden. Und sie wollen zu den Festivals zum Publikum. Streaming ist doch auch ein Massengrab. Was kam da für ein Brad-Pitt-Film, „War Machine“? Bei Netflix landen die Filme, die niemand fürs Kino finanzieren will.

Wie ist es umgekehrt mit Serien im Kino?

Das haben wir schon einige Male gemacht, etwa mit „Heimat“ von Edgar Reitz. Zuletzt war es die Miniserie von Hans-Christian-Schmid, „Das Verschwinden“, mit ihm als Gesprächsgast. An einem Sonntag haben wir alle Folgen sechs Stunden lang gezeigt. Das war sehr mäßig besucht. Ich meine, das war auch kein bekannter Name. Wenn man „Game of Thrones“ einmalig exklusiv zeigen würde, dann wäre das eventuell etwas anderes. Das ist ja auch nur ein singuläres Erlebnis. Serien sind ja nichts Neues, das hat es schon immer gegeben. „Dallas“ und „Denver“ etwa. „Babylon Berlin“ würde ich nicht zeigen, weil er schon läuft. Die wollen noch mal eine Kino-Tour machen, da
sind wir nicht dabei. Bei uns muss es exklusiv sein, vor einer Ausstrahlung sein und dann mit den Machern.

Wie organisiert man so viele Veranstaltungen?

Ich denke, dass alle wichtigen Premieren in Hamburg bei uns stattfinden. Ich kenne eigentlich alle wichtigen deutschen Regisseure persönlich. Die Veranstaltungsorganisation und die Akquise sind komplett meine Aufgabe.

Vielen Dank für das Interview.

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