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Dominik Bloh vor dem Duschbus. Foto: Alana
Dominik Bloh vor dem Duschbus. Foto: Alana Tongers
Eimsbütteler des Monats

Von Wasser und Würde

Der Eimsbütteler Dominik Bloh lebte lange auf der Straße – heute betreut er mit Unterstützern einen Bus, in dem Obdachlose duschen können. Deren Sorgen werden in Zeiten von Corona oft übersehen, sagt er.

Von Alana Tongers

„Es war noch nie so einfach zu helfen”, sagt Dominik Bloh. Zu Hause bleiben, regelmäßig Händewaschen, Abstand halten – es sind Kleinigkeiten, die in Zeiten der Pandemie Leben retten können. Doch was ist mit denen, die kein Zuhause haben?

Sie werden im Stich gelassen, findet Bloh. Er ist Initiator des Duschbusses GoBanyo, ein umgebauter Linienbus, in dem Wohnungs- und Obdachlose kostenlos duschen können. Über Crowdfunding hat Bloh mit Freunden und Unterstützern das Geld für den Umbau gesammelt, seit Dezember letzten Jahres rollt der Bus auf Hamburgs Straßen.

Waschen ist Würde

Die Idee zum Duschbus kommt Bloh, als er ihn selbst dringend braucht – denn er war lange obdachlos. Mit 16 wirft seine psychisch labile Mutter ihn zu Hause raus. Über zehn Jahre lebt er immer wieder auf der Straße, ist rastlos, lebt von der Hand in den Mund, kommt nicht zur Ruhe. Vor vier Jahren schafft er es mit Unterstützung von Freunden von der Straße. Heute lebt der 32-Jährige in einer kleinen Wohnung in Eimsbüttel. Seitdem hat er ein Buch über sein Leben auf der Straße geschrieben, hatte eine eigene Kolumne bei der Mopo und hilft mit dem Duschbus heute anderen, die Unterstützung brauchen.

Dominik Bloh vor dem Duschbus. Foto: Alana
Dominik Bloh vor dem Duschbus GoBanyo. Foto: Alana Tongers

„Wenn du äußerlich dreckig bist, dann fühlst du dich auch irgendwann innerlich wie Dreck”, erzählt Bloh immer wieder. „Waschen ist Würde” steht deswegen in großen Buchstaben auf dem bunten Bus. In Zeiten von Corona ist es aber viel mehr als das. Waschen schützt vor einer Infektion mit dem Virus, das für Obdachlose besonders gefährlich ist.

Die Unsichtbaren werden unsichtbarer

„Obdachlose gehören zum großen Teil zur Risikogruppe”, weiß Melanie Mücher. Sie ist Projektleiterin der Tagesaufenthaltsstätte für Wohnungslose in der Bundesstraße. Menschen, die schon lange auf der Straße leben, haben häufig Vorerkrankungen und chronische Leiden. Viele seien süchtig – nach Zigaretten, Drogen oder Alkohol. Erkrankungen sammeln sich, Risikofaktoren kommen zusammen, vieles bleibt über Jahre unentdeckt.

Obwohl Obdachlose deswegen zurzeit besonders schutzbedürftig sind, fehlt ihnen noch mehr als sonst. Denn es ist viel Infrastruktur weggefallen in den vergangenen Wochen: Einrichtungen mussten vorübergehend schließen, öffentliche Toiletten sind abgesperrt, es fehlen die Passanten auf der Straße, die ab und zu einen Euro in den Becher fallen lassen. Die Unsichtbaren sind unsichtbarer geworden.

Am Duschbus erleben die Helfer, wie hart die Krise die Schwächsten trifft – und wie wichtig das Thema Hygiene für sie ist. Sie sehen die Erleichterung, wenn sie in Ruhe duschen können. Für einen kurzen Moment das genießen, was in den eigenen vier Wänden selbstverständlich ist. „Hier können sie endlich einmal durchatmen”, sagt Bloh. Auf der Straße sei schützende Händehygiene hingegen nicht umsetzbar, so Mücher. „Wohnungslose sind darauf angewiesen, sich irgendwo aufzuhalten, wo es auch ein Waschbecken gibt.”

„Ich bin ein junger Gott!”

Der Duschbus ist jeden Tag voll ausgelastet. „Der Bedarf an allem ist gestiegen”, sagt der Initiator. Längst bietet GoBanyo mehr als nur eine Waschgelegenheit. Die Helfer verteilen Einkaufsgutscheine und Sachspenden, vor allem aber haben sie ein offenes Ohr für die Sorgen der Besucher. Alles finde auf Augenhöhe statt, verspricht Bloh. So entsteht Vertrauen, daraus entwickeln sich Beziehungen: Viele der Besucher sind zu Freunden geworden.

Einer von ihnen ist Stammgast Peppi. Er kann es gar nicht erwarten bis der Bus kommt, wartet bis zu zwei Stunden, bis er endlich duschen kann. „Der kommt mit hochgestreckten Armen aus der Dusche und ruft: ‚Ich bin ein junger Gott!’”, lacht Bloh.

Es gebe viele von diesen schönen Momenten am Bus, auch an den schlimmsten Tagen. Trotzdem gebe es Bloh ein ungutes Gefühl, wie viel Dankbarkeit ihm und seinem Team für simpelste Dinge entgegengebracht wird. Freudentränen wegen eines 10-Euro-Gutscheins für den Supermarkt – da merke man, wie groß das Leid ist.

Senat und Behörden tun zu wenig, um Obdachlosen zu helfen, finden Mücher und Bloh. Die Stadt hat das Notunterbringungsprogramm zwar gerade bis Ende Juli verlängert. Um geschützt zu sein, bräuchten Obdachlose aber eine Einzelunterbringung, sagt Mücher.

„Da reicht nicht die dritte große Massenunterkunft”, so die Projektleiterin. Auch Bloh sieht diese Art der Unterbringung kritisch: „Reicht ja, wenn man die Menschen wegsperrt und sie nicht sieht.” Auf St. Pauli habe die Stadt fünf Dixiklos aufgestellt. Für ihn ein Sinnbild für Menschenverachtung. Was ihm persönlich Sorgen macht? „Das alles so wird, wie es war”, meint Bloh und schaut nachdenklich auf den bunten Bus. Er sieht in der Krise eine Chance. Hofft, dass die vielen guten Projekte, die in diesen Tagen entstehen, Bestand haben. Auch GoBanyo plant für die Zukunft: Der Duschbus soll nicht der letzte seiner Art bleiben, verrät Bloh. „Vielleicht erleben wir auch nicht mehr das große Ganze. Aber wir müssen anfangen und dranbleiben.”

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