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Ruth Ehmler-Wolkenhauer arbeitet seit über zwanzig Jahren bei Pappnase Foto: Johanna Grabert
Ruth Ehmler-Wolkenhauer arbeitet seit über zwanzig Jahren bei "Pappnase & Co." an der Grindelallee. Foto: Johanna Grabert
Schließung

„Pappnase & Co.“: Eimsbütteler Kultladen schließt nach 32 Jahren

Der Zirkus ist vorbei: Ende Juni schließen sich die Türen von „Pappnase & Co.“ in der Grindelallee. Über das Sterben der Kultläden in Eimsbüttel.

Von Johanna Grabert

Ein kleiner Junge spaziert mit seinem Vater am Kaiser-Friedrich-Ufer entlang. „Die Frau von Pappnase hat gesagt, sie müssen leider, leider schließen”, erzählt der Junge. Er ist nicht der einzige, der bestürzt ist. Die „Frau von Pappnase”, das ist Ruth Ehmler-Wolkenhauer. Sie verkauft seit über zwanzig Jahren bei Pappnase & Co. Zirkusartikel, Theaterrequisiten, Spiele und alles, was Spaß macht. Seit neuestem muss sie den Kunden erklären, warum so viele Prozente auf den Waren sind. Eine Kundin kann es gar nicht fassen: „Sie sind doch schon ewig hier!”

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Es waren einmal fünf Studenten

„In ganz Hamburg gibt es keinen vergleichbaren Laden”, stellt Ehmler-Wolkenhauer klar. Heute nicht, und früher auch nicht. Das einzigartige Ladenkonzept entstand, als fünf Pädagogikstudenten in Hamburg vergeblich nach Requisiten für ihre Theater und Zirkusprojekte suchten. In der Bornstraße, nicht weit vom heutigen Standort, begannen sie im Souterrain ihre eigenen Keulen zum Jonglieren zu basteln und sie zum Verkauf anzubieten. 

Wenige Jahre später eröffnete Pappnase & Co. dann in der Grindelallee. Über die Jahre entstanden weitere Filialen in Frankfurt, München und Stuttgart. Der dazugehörige Versandhandel verschickt das Spezialangebot europaweit. Jetzt wird nur noch der Versandhandel und das Stuttgarter Geschäft bleiben – die Filialen in Frankfurt und München mussten bereits aufgrund mangelnder Umsätze schließen.

Durch die Säulen am Eingang tritt man in das Paradies der Spiele. Foto: Johanna Grabert
Durch die Säulen am Eingang tritt man in das Paradies der Spiele. Foto: Johanna Grabert

Der Eckladen im Grindelviertel war eine Hamburger Institution: „Im Frühjahr und Sommer kamen sie alle reingestürmt und wollten Spiele für draußen kaufen, um im Park zu jonglieren oder an der Elbe mit Feuerfackeln zu üben”, erinnert sich die Filialleiterin. Diese besondere Lebensenergie habe sie immer genossen.

Vor allem Eltern und Kinder, Studenten und Kreative traten gerne durch die beiden Säulen am Eingang in das Paradies der Spiele. Diabolos, Einräder und Masken hängen an den Wänden, bunte Bälle zum Jonglieren und kurioser Kleinkram reihen sich in Schachteln aneinander – hier haben Hamburger auch spontan orginelle Geschenke gefunden. „Wir haben nur tolle Kunden, nette witzige Leute und keine Gnadderbüddel. Und wenn doch, dann wird ihre Laune bei uns schnell besser”, lacht Ehmler-Wolkenhauer. Dieser besondere Ort wird nun verschwinden. 

„Corona hat uns das Genick gebrochen“

Seit 32 Jahren ist das Eckgeschäft in der Grindelallee die Heimat von Pappnase & Co. Dass der Mietvertrag Ende Juni auslaufen würde, sei allen klar gewesen, sagt Klaus Schwede. Ihm gehört der Laden Comic Total, der über Jahrzehnte als „Shop im Shop“ bei Pappnase integriert war. Er hat sich schon im Winter nach neuen Ladenflächen umgesehen und durch Zufall ein Geschäft gefunden, das nur ein paar Hausnummern weiter liegt.

Im Februar zog Comic Total um und Pappnase füllte das gesamte Geschäft. Der Inhaber wollte bis zum Auslauf des Mietvertrags beobachten, ob sich die vergrößerte Ladenfläche für Pappnase eigne und den Vertrag gegebenenfalls verlängern. Doch dann kommt die Corona-Krise und weggebrochene Einnahmen vereiteln diesen Plan. Auch die finanzielle Soforthilfe stabilisierte das Geschäft nur kurzfristig.

„Corona hat uns das Genick gebrochen”, resümiert Ehmler-Wolkenhauer. Eine Wiedereröffnung schließt der Inhaber nicht aus, aber im Moment sei das Geschäft dafür zu schwach. Klaus Schwede trauert um seine langjährigen Partner: „Es ist grauenvoll – eine Katastrophe.“

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Wer sieht das Krümelmoster? Foto: Johanna Grabert

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Hier gibt es alles, was Spaß macht. Foto: Johanna Grabert

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Bei „Pappnase & Co.“ hängen Reifen von der Decke. Foto: Johanna Grabert

Ökosystem Grindelviertel

Ein Umzug sei nicht möglich gewesen: „Man kann Pappnase nicht verpflanzen”, erklärt Ehmler-Wolkenhauer. Das Grindelviertel sei wie ein Ökosystem, das organisch gewachsen sei und nun leider auch organisch sterbe. Die Landschaft des Einzelhandels verändere sich drastisch.

Große Versandunternehmen nähmen den kleinen Läden die Luft zum Atmen. Die neuen, schicken Geschäfte, die überall aus dem Boden sprießen, empfindet die Filialleiterin als ein wenig künstlich. Sie betont, dass Pappnase viele treue Kunden hatte. Zum Schluss reichte es nicht aus, um der Online-Konkurrenz und Corona Stand zu halten.

Eimsbütteler Kultläden sterben

Pappnase & Co. ist nicht das einzige lokal verwurzelte Geschäft, das in Eimsbüttel dicht machen muss. Erst vorletztes Wochenende schloss Andere Welten nach 37 Jahren. Die Liste der Eimsbüttler Läden, die in den letzten Jahren geschlossen haben ist lang, findet Ehmler-Wolkenhauer: „Mit Spinnrad hat es angefangen.“ Die Filialleiterin hat wenig Hoffnung für die Zukunft der Kultläden in Eimsbüttel. Aber: „Vielleicht besinnen die Leute sich irgendwann.” Die Läden um die Ecke seien etwas besonderes. Dort kann man die Produkte anfassen und sieht die Farben in echt – nicht nur virtuell. 

Pappnase & Co., Grindelallee 92

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