“Park mit Platz statt Parkplatz”
Zum Parking Day wurde ein Parkplatz im Eppendorfer Weg zur Aktionsfläche umfunktioniert. Foto: Phillip Holländer
ADFC Parking Day

“Park mit Platz statt Parkplatz”

Mit dem “Parking Day” hat der ADFC mehr Platz im öffentlichen Raum gefordert. Im Eppendorfer Weg wurden Parkplätze zu einer bunten Aktionsfläche umfunktioniert.

Tischtennis, Live-Musik, Vorlesung und Gespräche – dazu hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) am Freitag Nachmittag eingeladen. Das Ganze auf einem großen, grünen Rollrasen – dort wo sonst fast durchgehend Autos parken.

Die Parkplätze hat der ADFC allerdings nicht ganz ohne Fremdhilfe bekommen. Sie haben eine Versammlung angemeldet, Parkverbotsschilder wurden zuvor vom Bezirksamt aufgestellt.

Den Raum genießen

Die Idee zum “Parking Day” kam 2009 aus San Francisco. Seitdem versuchen jedes Jahr Künstler und Aktivisten weltweit auf die Platzverschwendung durch Autos in Städten aufmerksam zu machen. Auch Eimsbüttel sei ein verdichteter, urbaner Raum, meint Jens Deye, stellvertretender Vorsitzender des ADFC.

“Die wenigsten Autobesitzer haben private Stellmöglichkeiten, deshalb stehen die meisten Wagen im öffentlichen Raum,” beschreibt er das Problem. Sein Credo: “Park mit Platz statt Parkplatz”. Mit der Aktion wolle man die Leute einladen, den Raum zu genießen und miteinander darüber zu reden.

"Wir haben alles, bis auf den Rollrasen, mit dem Fahrrad hierher gebracht. Das zeigt doch, dass Logistik auch mit dem Fahrrad möglich ist", meint Jens Deye vom ADFC mit Blick auf die Zukunft der Mobilität. Foto: Phillip Holländer
“Wir haben alles, bis auf den Rollrasen, mit dem Fahrrad hierher gebracht. Das zeigt doch, dass Logistik auch mit dem Fahrrad möglich ist”, meint Jens Deye vom ADFC mit Blick auf die Zukunft der Mobilität. Foto: Phillip Holländer

Das “STEHzeug”

23 Stunden stünden die meisten Fahrzeuge laut ADFC nur herum und bräuchten so 19 Mal so viel Platz wie ein Fahrrad. Dabei geht es Deye nicht in erster Linie darum, den Platz den Autofahrern wegzunehmen.

“Wir wollen erstmal nur zeigen, was passieren würde, wenn der Raum da wäre.” Am Ende müsse jeder Autofahrer selbst entscheiden, ob er das Auto nur am Wochenende nutzt, oder es wirklich braucht, erklärt Deye.

Gleich große Lager

Zuvor hatte die Ankündigung der Veranstaltung in sozialen Netzwerken zu vielen negativen Kommentaren besonders von Autofahrern geführt. Bisher habe sich aber noch keiner beschwert, freut sich Deye. “Das zeigt doch, dass die Kritiker nicht in der starken Mehrheit sind”.

In einer repräsentativen Umfrage, die das Marktforschungsinstitut GfK für den ADFC durchgeführt hat ist herausgekommen, dass sich rund die Hälfte aller Bundesbürger eine andere Aufteilung des öffentlichen Raumes wünscht. So wollen von diesen 48,7 Prozent wiederum 87 Prozent mehr Platz für Begegnungen, Rad- und Fußverkehr. Darüber hinaus wollen 50 Prozent der Unzufriedenen, dass der Platz vom Autoverkehr abgegeben wird. Die Studie zeigt den Zwiespalt zweier gleich großer Lager auf.

Mit Botschaften an einer Leine formulieren die Besucher ihre Kritk und Ideen. Foto: Phillip Holländer
Mit Botschaften an einer Leine formulieren die Besucher ihre Kritk und Ideen. Foto: Phillip Holländer

Parkplatz in der Wohnung

Im Eppendorfer Weg hat sich an diesem Nachmittag eines der Lager mit einer bunten Aktion zu Wort gemeldet. “Man muss sich hier nur mal umschauen, wie viele Autos vorbei fahren und wie viel mehr Autos um uns einfach nur herumstehen”, ärgert sich Vereinsmitglied Ulrich Staets.

Er hat morgens extra ein Buch gekauft und möchte Geschichten über Hamburg vorlesen. So erklingt zwischen Tischtennis-Geklacker und Cello-Musik der letzte Vers eines Gedichts, der ihm besonders wichtig ist: “Die höchste Stufe der Belohnung, wär ein Parkplatz in der Wohnung.”

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