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Im Alltäglichen Buntes entdecken – zum Beispiel beim Bummel über den Isemarkt. Wie das geht, machen Kinder im Spielzeugladen vor. Foto: Sandra Troglauer, Grafik: Vanessa Leitschuh
Im Alltäglichen Buntes entdecken – zum Beispiel beim Bummel über den Isemarkt. Wie das geht, machen Kinder im Spielzeugladen vor. Foto: Sandra Troglauer, Grafik: Vanessa Leitschuh
Blickpunkt: Generationen

Zwischen Milchzahn und Mietvertrag verloren

Mit dem Älterwerden schleichen sich kindliche Neugier und Begeisterung davon. Im Spielzeugladen in den Karl Schneider Passagen hat unsere Autorin versucht, sie wiederzufinden.

Von Julia Haas

Plötzlich schauen sie mich an. Eisbären, Zebras und Schweine. Sie stehen im Scheinwerferlicht, ich auf der Bühne. Ihre Zuschauerränge thronen vor mir.

Ich hatte sie vergessen: die Faszination für Spiel­zeugläden. Mit der Kindheit ist sie schleichend verschwunden. Wie ein guter Vorsatz, der im Alltagstrott untergeht. Irgendwo zwischen letztem Milchzahn und erstem Mietvertrag muss es passiert sein.

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Ein Tag im Spielzeugladen

Es ist Freitagmorgen, kurz vor elf. Ich stehe im Spiel­zeugladen zwischen Müttern mit bunten Beanies – von knallpink bis türkisblau. Sie tragen ihre Babys in Tragetüchern, versteckt unter dicken Winterjacken. Alle haben ein Ziel: Memorys, Wasserpistolen, Puzzles. Sie schauen sich nicht um, weil ein Bild auf dem Smartphone vorschreibt, was sie kaufen wollen. Die Zeit ist knapp. Noch schlafen die Babys. Noch. Warum ich als Kind gerne in Spielzeugläden gegangen bin, verstehe ich nicht.

Ich gehe zu den Schleich-Tieren

Mutter und Tochter betreten den Laden. Das Mädchen, sieben oder acht Jahre alt, ihr Gesicht versteckt hinter einer Regenbogen-Maske, rennt zielstrebig nach links. In der Mitte des Gangs bremst sie ab: die Schleich-Abteilung. Handbemalte Tierfiguren aus Hartgummi. „Gibt es schon den neuen Schleich-Katalog?”, fragt die Mutter. Leider nicht.

Das Mädchen ist derweil im Tierreich versunken. Langsam wandert ihr Blick von Störchen über Schafe zu Giraffen. Dann Blickwechsel eine Reihe tiefer. Wieder von links nach rechts. „Oh, das ist so schön, Mama!” Die ist derweil in der Puzzle-Abteilung, sucht nach einem Geschenk. Die Wimmelbild-Edition gefällt ihr, könnte aber zu schwierig sein. Und die Tochter immer wieder: „Oh, guck mal, wie toll!” Am Schluss gibt es kein Schleich-Tier, aber ein Puzzle. Das Regenbogen-Mädchen scheint unbeeindruckt. Neben der Kasse entdeckt sie ein kleines Schwein. „Oh, wie schön!”

Plötzlich sehe ich

Als sie den Laden verlassen, gehe ich zurück zu den Schleich-Tieren. Irgendetwas muss ich übersehen haben. Die Faszination des Mädchens macht mich neugierig. Schweine, Zebras, Katzen, nebeneinander auf weißen Holzplatten. Tiger, Eisbären, Flamingos. Die Deckenlampen strahlen sie an. Ich gehe auf die Knie, jetzt bin ich so groß wie das Mädchen mit der Regenbogen-Maske. Ich muss nach oben schauen, um alle Tiere zu sehen.

Da stehen sie, Pferde, Hunde, Affen, sie schauen mich an. Ein ganzes Tierreich blickt mir in die Augen. Mein Blick wandert von links nach rechts, dann eine Reihe nach unten. Plötzlich stehe ich auf einer Bühne, die Tiere auf ihren Zuschauerrängen und strahlen mich an. Ich muss grinsen und erinnere mich wieder: die Möglichkeiten eines Spielzeugladens, grenzenlos.

Auf Schatzsuche

Neben mir steht ein kleiner Junge. „Ich wünsche mir den Piratenschatz.” Er hält ein Spiel hoch, so groß wie ein Taschenbuch. Ich sehe eine schwarze Schachtel in dünner Plastikfolie. In Großbuchstaben steht „Piratenschatz” darauf. „Mit schönen Münzen und Edelsteinen”, freut sich der Schatzfinder. Ich ärgere mich. Meine Fantasie hakt wieder. Er hat einen Piratenschatz gefunden, daran kann auch der Barcode, die beige Arial-Schrift und das große blau-weiße Markenlogo nichts ändern. Meine Vorstellungskraft ist aus der Übung.

Ein Luftzug reißt mich aus meinen Gedanken. Ein Junge und ein Mädchen, zehn oder elf Jahre, rennen an mir vorbei. „Wir brauchen keine Hilfe, danke”, erklären sie der Verkäuferin und kichern. Zu zweit – beide in Jogginghose, denn „wir haben heute keine Schule”, werden sie später an der Kasse sagen – stehen sie jetzt in der Abteilung für Gesellschaftsspiele. Vielleicht Ubongo. Oder Exit, weil das cool ist. Sie suchen ein Geschenk.

Lautes Lachen im Spielzeugladen

Nacheinander ziehen sie die Spiele aus den Regalen, kippen sie auf der Kante nach vorne, schieben sie wieder zurück. Dann widmet sich der Junge, immer wieder rutscht ihm sein Stirnband ins Gesicht, dem langen Tisch in der Mitte des Raums. Darauf ein großes Allerlei – „Kanalratten” in Wackelpudding-Konsistenz, Pups-Marshmallows mit Apfelgeschmack, Neuinterpretationen bekannter Spieleklassiker („Ex-Freunde versenken – Schiffe sind doof”). Gemeinsam drücken sie einem Plastik-Hai die Augen raus. Beide lachen. Einäugig blinzeln sie durch einen handballen großen Spionen-Fernseher. Sie lachen noch lauter.

Jedes Mal, wenn sich die beiden von einem Spielzeug verabschieden, wächst die Begeisterung für das nächste. Sie folgen ihrer Neugier, keinem Einkaufszettel auf dem Smartphone. Plötzlich bin ich neidisch. Ich nehme mir vor, mich mehr über die Piratenschätze des Alltags zu freuen. Im Hintergrund höre ich die beiden noch immer lachen und stelle mir vor, Erwachsene könnten sich über die neue Hafermilch im Supermarkt genauso freuen. Würde das nicht gut tun? Ihre Begeisterung klingt an diesem Tag noch lange in meinen Ohren, selbst im Geräusch des Bondruckers an der Kasse höre ich ein Lachen.

Ohne Grenzen

Ich bleibe noch eine Weile im Spielzeugladen, stöbere durch die Regale. An der Kasse steht ein kleiner Junge neben seinem Vater. Damit alle über die Theke schauen können, gibt es einen Tritt mit drei Stufen. Er klettert hoch. Sein Vater, die Verkäuferin, plötzlich sind sie auf Augenhöhe. Alles ist möglich. Hier, im Spielzeugladen, gibt es keine Grenzen: Jeder ist so groß, wie er sich fühlt.

Ich fühle mich plötzlich ganz klein – im besten Sinne. Denn wenn man klein ist, kennen Fantasie und Begeisterung keine Grenzen. Mit dem Älterwerden hab ich das vergessen. Jetzt erinnere ich mich wieder. Ich will wieder öfter Kind sein. Mich von meiner Neugier leiten lassen und für alles begeistern können. Mich in andere Perspektiven versetzen und die Welt neu entdecken – nicht nur im Spielzeugladen.

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