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Fall Mustafa H.: Er trainierte als Fußballtrainer Flüchtlinge – und ist ein hochrangiger Funktionär der verbotenen islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir (HuT). Foto: Georg-Maximilian Bielfeldt
Verfassungsschutz

Fußballtrainer aus Schnelsen soll bei Flüchtlingen für Islamisten geworben haben

Mustafa H. brachte jungen Flüchtlingen das Fußballspielen bei. Der Verfassungsschutz wirft dem Fußballtrainer nun vor, für die islamistische Organisation Hizb ut-Tahrir geworben zu haben.

Von Anna Gröhn

Nach Erkenntnissen des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV Hamburg) soll Mustafa H., der das Flüchtlingsteam des Fußballvereins TuS Germania Schnelsen trainierte, als ein hochrangiger Funktionär der verbotenen islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir (HuT) aktiv sein.

Auch als Fußballtrainer anderer Mannschaften aus Flüchtlingsunterkünften soll er versucht haben, vor allem junge, afghanische Flüchtlinge für die HuT anzuwerben.

Was wir bisher über den Fall wissen:

Wer ist Mustafa H. – und was hat er mit Islamisten zu tun?

Seit gut einem Jahr ist Mustafa H. Fußballtrainer des 1. Flüchtlingsteams Schnelsen. Auf der Webseite des Vereins schreibt der TuS Germania Schnelsen: „Die in unserem Stadtteil lebenden Flüchtlinge aus vielen Teilen der Welt, finden bei uns im Verein einen sinnvollen Freizeitausgleich.“ Der Trainername ist mittlerweile nicht mehr auf der Seite zu finden.

Zudem war Mustafa H. als Fußballtrainer in Flüchtlingsunterkünften tätig, auch als Dolmetscher hatte er Kontakt mit Geflüchteten. Bei der HuT ist er Ansprechpartner für die „sportlichen Aktivitäten“.

Was steckt hinter der islamistischen Organisation HuT?

Die Hizb ut-Tahrir, zu deutsch „Partei der Befreiung“, ist eine international agierende islamistische Organisation – und seit 2003 in Deutschland verboten. Wie aus dem Verfassungsschutzbericht 2016 hervorgeht, richtet sich die Organisation gegen den Gedanken der Völkerverständigung und befürwortet Gewalt zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele.

Die HuT verbreitet antisemitische Hetzpropaganda, fordert zur Tötung von Juden auf, spricht dem Staat Israel das Existenzrecht ab und ruft zu dessen Zerstörung auf. Ziel der islamistischen Organisation ist, ähnlich wie beim Islamischen Staat (IS) die Errichtung eines weltweiten Kalifats, in dem die Scharia Maßstab gesellschaftlichen Handelns ist.

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Wie viele Anhänger hat die islamistische HuT in Hamburg?

Derzeit werden der HuT rund 140 Anhänger zugerechnet.

„In Hamburg ist eine steigende Tendenz zu verzeichnen“,

sagt Marco Haase vom Verfassungsschutz. Im Jahr 2016 gehörten der islamistischen Organisation in Hamburg 120 Menschen an. Bei den Anhängern handelt es sich vorwiegend um afghanisch- oder türkischstämmige Personen.

In Deutschland sind sie vor allem in Universitäten und Schulen aktiv. Sie sprechen dabei gezielt Jugendliche an. Auch Veranstaltungen in Moscheen oder politische Diskussionen mit Islambezug würden genutzt, um neue Mitglieder anzuwerben. Ebenso eigene Veranstaltungen, wie etwa Fußballspiele, eigneten sich dafür – wie nun vermutlich im Fall Mustafa H. Ihre Taktik ist dabei, zunächst freundschaftliche Beziehungen und Vertrauen aufzubauen sowie Hilfe anzubieten. Im Jahr 2016 versuchte die HuT etwa auch unter Flüchtlingen für sich zu werben.

Wie reagieren die Fußballvereine?

„Die betroffenen Einrichtungen und Vereine wurden über die Ermittlungen in direkten Gesprächen informiert“, sagt Marco Haase, Pressesprecher der Verfassungsschutzbehörde Hamburg. Die Vereine und Einrichtungen gaben an, sich von Mustafa H. trennen zu wollen. Der Hamburger Fußballverband (HFV) wies den TuS Germania Schnelsen nochmals ausdrücklich darauf hin:

„Wir haben mir dem Verein gesprochen und darum gebeten Mustafa H. von den Aufgaben zu entbinden“,

sagt HFV-Pressesprecher Carsten Byernetzki. Bisher seien dem HFV keine ähnlichen Fälle bekannt. „Wir haben Tausende Trainer und Betreuer“, so Byernetzki. Insgesamt gibt es in Hamburg rund 3.200 Fußballmannschaften, wie aus der Mitgliederstatistik 2016 des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hervorgeht. Über 2.000 davon sind Kinder- und Jugend-Fußballmannschaften. Auf jede Mannschaft kämen etwa zwei Trainer, so Byernetzki. Man könne nicht jeden Einzelnen kontrollieren. Aber: „Es gibt diverse Präventionsmaßnahmen, etwa gegen sexualisierte Gewalt“, sagt Byernetzki. „In der Ausbildung werden die Trainer für solche Thematiken stark sensibilisiert.“

Gerade in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist das wichtig. Allein in Hamburg spielen etwa 57.000 Mädchen und Jungen zwischen fünf und 18 Jahren beim HFV Fußball. Viele Vereine engagieren sich zunehmend auch ehrenamtlich, zum Beispiel für junge Geflüchtete. Allerdings hätten nur wenige eigenständige Flüchtlingsmannschaften, so Byernetzki. Die meisten integrierten die Flüchtlinge in die bestehenden Teams.

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Im Verein TuS Germania Schnelsen hätte niemand damit gerechnet, Mustafa H. könne etwas mit Islamismus zu tun haben. Vereinschef Jörg Wohl­gemuth sagte gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Wir waren völlig überrascht.“ Mustafa H. sei im Verein sehr beliebt, viele beschrieben ihn als „ausgesprochen höflich und sehr zuvorkommend“.

Wie geht es nun weiter?

Das LfV Hamburg habe den Fall an das Landeskriminalamt (LKA) Hamburg weitergegeben, so Marco Haase. Das LKA könne derweil noch keine Informationen über die Ermittlungen geben. „Die vorliegenden Erkenntnisse werden sowohl hinsichtlich eines strafrechtlich relevanten Anfangsverdachts, als auch bezüglich gefahrenabwehrender Aspekte geprüft“, sagt Heike Uhde von der Polizeipressestelle. „Das Ergebnis steht noch aus.“

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