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Der Apotheker und Beiersdorf-Gründer Paul Carl Beiersdorf (links) entwickelte gemeinsam mit dem Dermatologen Paul Gerson Unna (rechts) das Pflaster. Foto: Beiersdorf AG
Zwei Tüftler, deren Erfindung den Grundstein für das größte Eimsbütteler Unternehmen legte: Apotheker Paul Carl Beiersdorf (links) und Dermatologe Paul Gerson Unna. Foto: Beiersdorf AG
Innovation

Gut gepflegt und fest geklebt: Erfindungen aus Eimsbüttel

Von der Wunderkerze bis zum Pflaster: In Eimsbüttel haben kluge Köpfe manche innovative Idee ausgetüftelt, die heute weltweit verwendet werden.

Von Lilly Palmbach

Bei einer kleinen Wunde greift man zum Pflaster. An Silvester zündet man Wunderkerzen an. Gewöhnliche Handlungen für uns – heute. Aber leicht vergisst man, dass diese Gegenstände eine lange Entstehungsgeschichte haben.

In Eimsbüttel haben einige bedeutende Erfindungen ihren Ursprung. Sie haben die Drucktechnik, die Wundversorgung, die Klebetechnik und die medizinische Forschung revolutioniert.

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Diamantwerkzeug

In der Osterstraße 58 steht heute das Haus der Zukunft. Vor 175 Jahren wurde dort das erste Diamantwerkzeugs hergestellt. Der Goldschmied Ernst Winter gründete die Firma Ernst Winter und Sohn und hatte 1847 die Idee, anstelle einer Stahlnadel einen Diamanten für die Lithographie zu verwenden. Das revolutionierte die Drucktechnik, denn mit der Diamantnadel konnte man plötzlich Schreibschriften in Metall und Stein ritzen.

Daraus entstand die Idee, das härteste natürliche Material, in der Industrie zu verwenden – für beständiges Werkzeug. Ernst Winter stellte zahlreiche Diamantwerkzeuge her, die international begehrt waren. Das Unternehmen entwickelte sich von einer Einmannwerkstatt zum weltweiten High-Tech-Unternehmen. Heute ist die Firma unter dem Namen Norton Winter bekannt und ein führender Lieferant für Diamantwerkzeuge.

Zunächst widmete sich Ernst Winter mit seinem Betrieb der Herstellung von Lithographie-Diamanten. In den folgenden Jahrzehnten entstand in der Osterstraße die erste Fertigungsstätte für Diamantwerkzeuge. Foto: Saint-Gobain Abrasives GmbH

1872: Das erste Firmengebäude in der Osterstraße 58. Foto: Saint-Gobain Abrasives GmbH

Im Jahr 1983 bekam das Unternehmen Besuch von Kanzler Helmut Kohl (links). Mit Diamantwerkzeug geschliffene Laserreflektoren wurden im Weltall zu Messungen eingesetzt (rechts). Foto: Saint-Gobain Abrasives GmbH

Pflaster

Das Eimsbütteler Unternehmen Beiersdorf ist Begründer des Pflasters. Gemeinsam mit dem Dermatologen Paul Gerson Unna entwickelte der Apotheker und Beiersdorf-Gründer Paul Carl Beiersdorf ein in Salben getränktes Heilpflaster. Dadurch konnte der Wirkstoff dauerhaft auf der Haut gehalten werden. Im Jahr 1886 erhielten sie das Patent für die „Herstellung von gestrichenen Pflastern“. Es gilt als die Geburtsurkunde des Unternehmens.  

Das Patent zur "Herstellung von gestrichenen Pflastern" gilt als Geburtsurkunde von Beiersdorf. Foto: Beiersdorf AG
Das Patent zur „Herstellung von gestrichenen Pflastern“ gilt als Geburtsurkunde von Beiersdorf. Foto: Beiersdorf AG

Während des Ersten Weltkriegs hatte Beiersdorf dreißig verschiedene Sorten im Angebot. Als 1922 das erste Hansaplast auf den Markt kam, revolutionierte es die Wundversorgung erneut: Ohne Wirkstoff und zum Schutz kleinerer Verletzungen konnte sich nun jede und jeder ohne Arzt selbst behandeln.

Im Jahr 1922 wurde das Hansaplast in einer goldenen Blechdose verkauft. Foto: Beiersdorf AG

Mit den Heftpflastern von Beiersdorf konnte auf einmal jede Person kleine Wunden selbst verarzten. Foto: Beiersdorf AG

Tesafilm

Der Tesafilm ist das Ergebnis eines missglückten Versuchs, Heftpflaster herzustellen. Beiersdorf und Unna hatten ein klebendes Pflaster entwickelt, das jedoch nicht hautverträglich war. So brachten sie 1896 ein technisches Klebeband zum Flicken von Fahrradreifen auf den Markt. Der Name Tesa entstand aus dem Namen der Sekretärin Elsa (-sa) Tesmer (Te-) und wurde zunächst auch für andere Produkte wie Zahnpasta verwendet.

Der Industriekaufmann Hugo Kirchberg verhalf dem Klebeband-Geschäft später zum Aufschwung: Im Jahr 1936 kam der erste Tesafilm auf den Markt, zeitgleich entwickelte Kirchberg den Tesa-Abroller.

Die Sekretärin Elsa Tesmer war Namensgeberin des Tesafilms. Foto: Beiersdorf AG

Zunächst wurde der Markenname für andere Produkte verwendet. Foto: Beiersdorf AG

Das erste Klebeband diente dem Flicken von Fahrradreifen. Foto: Beiersdorf AG

Im Jahr 1936 kam der erste Tesafilm auf den Markt. Foto: Beiersdorf AG

Wunderkerzen

Ohne Franz Jacob Welter könnten wir zu festlichen Anlässen möglicherweise keine Wunderkerzen anzünden. Ihm gehörte die Vereinigte Wunderkerzen-Fabrik in der Eimsbütteler Straße. Im Jahr 1906 meldete er das Patent für “Verfahren zur Herstellung eines funkensprühenden Leuchtstabes” an. Geklärt ist allerdings nicht, seit wann es Wunderkerzen tatsächlich gibt.

Labello

Mit Labello entwickelte der damalige Beiersdorf-Inhaber Oscar Troplowitz 1909 nicht nur eine neuartige Formel für Lippenpflege, sondern auch eine innovative Verpackung. Dank einer praktischen Schiebedose aus Zinn musste Lippenbalsam nun nicht mehr mit den Fingern aufgetragen werden. Labello war ein großer Erfolg und wurde später mit einer Kunststoffverpackung und einem Drehmechanismus verbessert. Mittlerweile wird die Verpackungstechnik weltweit für Lippenpflege und Lippenstifte verwendet.

Die meisten Lippenstifte funktionieren heute mit der Drehtechnik des Labellos. Foto: Beiersdorf AG

Zäpfchenrezeptur

Das Edelfettwerk ist für seine Partys bekannt. Doch wo heute gefeiert wird, entwickelte die Firma Edelfettwerke Werner Schlüter in den 50er Jahren eine neue Zäpfchenmasse. Weil die großen Chemiefabriken im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, fehlten pharmazeutische Produkte für die Bevölkerung. Der Kaufmann Werner Schlüter machte sich mit einem Chemiker selbstständig und gründete die Eidelstedter Firma. Sie experimentierten mit einer neuen Rezeptur für Zäpfchen, denn diese bestanden damals aus Kakaobutter und wurden schnell ranzig. Auch hatten sie einen zu niedrigen Schmelzpunkt. Werner Schlüter und sein Kollege entwickelten eine Zäpfchenmasse, die erst bei 37 Grad schmilzt und länger haltbar ist.

Seit 2003 betreibt Schlüters Enkel Alexander Schlüter die ehemaligen Hallen der Firma Edelfettwerke Werner Schlüter als Eventfläche. Foto: Privatarchiv Familie Schlüter

Nivea Creme

Der Chemiker Isaac Lifschütz extrahierte erstmals den Emulgator Eucerit. Als Beiersdorf-Chef Oscar Troplowitz darauf aufmerksam wurde, stellte er ihn ein. Im Jahr 1911 entwickelten sie die erste industriell gefertigte Fett- und Feuchtigkeitscreme. Das war die Geburtsstunde der Nivea Creme. Den Namen erhielt sie aufgrund ihres weißen Aussehens: Er leitet sich ab vom lateinischen Wort „nix, nivis“, was Schnee bedeutet.

Die Nivea-Dose hatte nicht von Anfang an ihr charakteristisches Aussehen. Foto: Beiersdorf AG

Mikroreaktionsgefäß “Eppi”

Der gebürtige Eimsbütteler Hans Hinz trug maßgeblich zur medizinischen Forschung bei. Die beiden Gründer der Eppendorf AG, Hans Hinz und Heinrich Netheler, entwickelten das “Eppendorf Tube”: ein kleines Reaktionsgefäß mit Deckel, kurz „Eppi” genannt. Im Jahr 1963 erhielten sie das Patent dafür. Das Geschäft boomte: Innerhalb von drei Jahren haben sie eine Million Mikroreaktionsgefäße verkauft, fünf Jahre später schon über zehn Millionen. Heute verwenden Forschende in biomedizinischen Laboren weltweit Hunderte von Eppis täglich zur Entwicklung von Impfstoffen und neuen Medikamenten.


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